Donnerstag, 10. August 2017

Tales from Suburbia

"Da ist jemand bei unseren Nachbarn auf der Garage!"

Im ersten Moment ist die Ansage nicht weiter wild. Nur wenn man weiß, dass die Nachbarn im Urlaub sind. Der Schlüssel für das Nachbarhaus bei mir auf dem Tisch liegt und es mit einer sehr hohen Wahrscheinlichkeit bekannt wäre, hätte man einen Handwerker bauftragt, dann ist dieser Zustand am späten Vormittag irrtitierend.

Ich späge durch die Jalousie. Da ist tatsächlich jemand auf dem Garagendach. Läuft hin und her. Handtiert mit einer Leiter. Sie aus wie ein Handwerker.

"Und vorne durch unseren Carport sind auch irgendwelche Typen geschlichen!"

Ich gehe ein Zimmer weiter. Öffne das Fenster.

"Hey... was machen Sie da?", rufe ich.
Er grinst mich an.
     "Ich versuche hier rein zu kommen."
"Aha...." Ich schließe schnell das Fenster. Im schnellen Schritt bin ich die Treppe runter. Schnappe mir meinen Schlüsse. Gehe auf den Weg vor dem Haus. Dort sehe ich zwei Personen stehen. Einen kleinen dicken Typen. Mit grauen Haaren und einen grauen Bart. Brille. Modisch ist anders. Daneben steht eine etwas proppere Frau. Schwarze Haare. Pisspott Frisur. Bestimmt Anfang vierzig. Er wird Mitte vierzig sein. Wenn nicht sogar fünfzig. Ich gehe direkt auf ihn zu. Eröffne das Gespräch.

"Was machen Sie da?"
      "Ich bin von der Finanzveraltung. Ich habe einen gültigen Durchsuchungsbeschluss. Und wir gehen da jetzt rein."
"Dann werden Sie sich ja ausweisen können", antworte ich.
      "Ich muss gar nichts" Freundlich ist er nicht.
"Gut... dann rufe ich die Polizei."
       "Machen Sie das."
Während der Antwort habe ich schon die Hand am Telefon und bin am Tippen.
Er schaut mich an und grummelt. Krammt in seiner Brieftasche.
       "Hier.....", und hält mir eine Ausweis unter die Nase, der ihn als einen Finanzbeamten ausweist.
Ich schaue mir den Ausweis an. Nicke zustimmend.

       "Wir haben einen Durchsuchungsbeschluss. Wir gehen da jetzt rein.", sagt er. "Wissen Sie ob das Motorad da drin steht?"
"Keine Ahnung.
Natürlich steht da das Motorad drin. Da steht auch mehr als ein Motorad drin. Und noch eine ganze Menge anderer Sachen. Inklusive Pferdefutter und größere Mengen an Hundefutter.
       "Wissen Sie, ob jemand zu dem Gebäude einen Schlüssel hat?" Er schaut mich an. "So als Nachbar."
"Weiß ich nicht." Natürlich habe ich einen Schlüssel. Ich gehe da jeden Tag ein und aus. Weil ich die Katze versorge. Wüsste nicht, dass ich zu irgendetwas verpflichtet wäre.
       "Wissen Sie wo die sind?"
Ich schaue ihn an.
       "Oder wo man die erreichen kann."
"Aber natürlich. Geben Sie mir 5 Minuten. Ich versuche meine Nachbarn zu erreichen."

Ich drehe mich um und gehe mein Haus. Rufe meinen Freund und Nachbarn an. Ich lande direkt auf dem AB. Dann seine Frau. Habe sie beim Schlafen auf dem Beifahrersitz wach gemacht. Sie sind noch irgendwo am anderen Ende von Deutschland. Sie ist absolut überfahren. Reicht mich an ihren Mann weiter. Mit ein paar kurzen Sätzen beschreibe ich, was los ist.
Dann verlasse ich das aus und drücke dem Finanzbeamten mein Telefon in die Hand. Die Pisspott-Frisur schaut mich an. Ich mag die örtliche Finanzverawaltung nicht. Die kennen in der Regel ihre eigen Gesetze und Richtlinien nicht. Die ersten vier Jahre in NRW habe ich jedesmal Stress mit denen gehabt. Immer haben bei der Steuer etwas raus gestrichen, was sie am Ende wieder korrigieren mussten, weil die Gesetzteslage es dann auf einmal doch hergab. Vollidioten.

Der Finanzheini gibt mir mein Telefon zurück. Er scheint mit meinen Nachbarn eine Einigung erzielt zu haben. Jedenfalls pfeifft er seinen Handwerker zurück.

"Nichts für ungut", sage ich.
       "Ist schon okay. Ich finde es ja gut, wenn Sie rauskommen und nachfragen", sagt er. "Das macht sonst niemand. Da taucht nie einer auf."
"Doch... ich pass da schon auf." Scheiße Mann... ich habe drei Kinder im Haus. Was glaubst, was ich aufpasse, wenn hier irgendetwas in Surbia nicht so ist, wie es sein soll.
        "Sind Sie auch Beamter?", fragt er mich.
Nein. Ich gehe arbeiten für mein Geld. Aber das sage ich nicht. Das schlucke ich runter.

Er, der Handwerker und die Pisspott-Frisur ziehen von dannen.

Kommentare:

  1. ein durchsuchungsbeschluss wegen eventueller steuerhinterziehung ist jetzt auch nicht so schön....hoffentlich können ihre nachbarn jetzt ihren urlaub noch genießen...

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    1. Ja, nicht schön, Frau Würfelzucker. Aber wie kommen Sie auf Steuerhinterziehung?

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    2. finanzverwaltung, durchsuchungsbeschluss und ich schrieb eventuell..

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    3. Wie gesagt, ich kann den Gedankengang nicht nachvollziehen, Frau Würfelzucker. Glauben Sie wirklich, ein Finanzbeamter mit einem Durchsuchungsbeschluss, geht einfach wieder nach Hause, nur weil ihm jemand am Telefon etwas erzählt, wenn es um ein Thema wie Steuerhinterziehung geht?

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    4. das weiß ich nicht, damit kenne ich mich nicht aus.

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  2. "Ich gehe arbeiten für mein Geld." - Auf den Punkt gebracht, Herr MiM. Auf den Punkt!
    Und nein, ich schere nicht alle Beamten über einen Kamm, aber das Körnchen Wahrheit kann man nun mal nicht verleugnen. Vielleicht auch nur etwas Neid von meiner Seite...
    Aber heute Morgen eine sehr nette Politesse (sind keine Beamten, oder?, aber ziemlich nah dran). Für zwei Minuten Parken im, ich zitiere: absoluten Halteverbot, wirklich nur ein erhobener Zeigefinger plus Belehrung. Gibt auch nette Leute, geb ich ja zu.
    Aber womit Ihr Beamter recht hat, es ist alarmierend, wie viele Menschen sich nicht darum kümmern, was rechts und links vom Grundstück vorgeht. Eine gute Nachbarschaft sollte man wirklich nicht unterschätzen.

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    1. Ja, Frau Holle, ist doch mal klasse, wenn es so läuft. Und nein, mein Kenntnisstand ist, dass die Personen zum öffentlichen Dienst gehören. Ordnungsamt.

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  3. Steuerhinterziehung... die härteste aller Strafen gibts bei uns in Ö auf dieses Delikt. Alles aandere ist ein 'Lercherlschas' dagegen hier im Lande. Relativ viele nette Besucher aus fremden Ländern, gutgenährte, männliche, durchtrainierte,..., die Ihr und unser Land seit ein paar Jahren soooo lieben, rennen nach etlichen 'Ausrutschern' frei herum und warten ab, was rauskommt in deren Sache. Nix, wie immer meist. Legt sich aber jemand mit der Finanz an- uuuuuuuuuuuhh! Ab ins Gefängnis! Wurde ja der Staat geschädigt, nicht ein Mensch. Ich halte Ihrem Nachbarn fest die Daumen. Liebe Grüße, die Frau B.
    Übrigens- Hut ab, dass Sie die Courage hatten, diese Eindringlinge zu stellen.

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    1. Frau B, auch hier... wie kommen Sie auf Steuerhinterziehung?

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  4. Also erstens, wer seine Steuern nicht bezahlt ist ein Assi.
    Weil er denkt, sollen doch die anderen zahlen, ich bin ja so schlau, ich fick euch alle.
    Ätsch.
    Dann, ich kenne viele Beamte.
    Und die müssen malochen wie die Sau und haben ordentlich Überstunden. Oder Sie verdienen sehr wenig.
    Dafür arbeiten Sie weniger. Finde ich OK.
    Aber dieses allgemeine Beamtenbashing zeugt nur von Ignoranz und null Durchblick.
    Und ohne ein funktionierendes Beamtentum geht halt nix.
    Schaut Euch Südamerika, Afrika oder Berlin an.

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    1. Ja, da gebe ich Ihnen recht. Steuern sollten gezahlt werden. Da stimme ich zu.

      Und auch gebe ich Ihnen recht, dass man nicht alle Beamten über einen Kamm scheren sollte. Verallgemeinerungen sind nicht gut.

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  5. Antworten
    1. Na ja, ein Krimi weniger... eher etwas irritierend, Frau Annika.

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