Dienstag, 4. Juli 2017

Peter Tauber & unliebsame Korrelationen und Kausalketten

Und ich dachte schon, ich müsste mir heute Morgen einen Post aus den Fingern saugen. Danke Herr Tauber.

Es geht um einen Tweet des Herrn Tauber. Der im Rahmen der Ankündigung des Wahlprogrammes und dem Wahlziel der Vollbeschäftigung gefallen ist.

"Wenn Sie was etwas ordentliches gelernt haben, dann brauchen Sie keine 3 Mini Jobs."

Es folgt, wie es sich gehört. Alarm auf Twitter. Wie borniert. Wie Arrogant. Und und und...

Nun ja, eine Tatsache ist, dass die Wahrscheinlichkeit der Arbeitslosigkeit eine Kausalbeziehung zu der absolvierten Berufsausbildung hat. Selbst in einem höheren Alter ist die Wahrscheinlichkeit arbeitslos zu werden mit einem Studium geringer. Selbst mit einer zukunftsorientierten Berufsausbildung steht man im Grunde sehr gut da. Hat man weder Schulabschluss noch Berufsausbildung, dann sieht es schon ziemlich schlecht aus.

Es folgt auf den Tweet eine gesellschaftliche emotionale Empörung. Das man das doch nicht sagen darf. Dass das sehr arrogant sei. Das ganze Programm.

Nun kann man sicher um die Form der Aussage streiten. Im Kern ist seine Aussage und das Statement für mich aber logisch und nachvollziehbar. Während die Welle der emotionalen Empörung keine wirklich Argumente dagegen gebracht hat. Außer dass man so etwas nicht sagen darf.

Womit die Frage im Raum steht, warum darf man das nicht sagen?

Meine Vermutung ist, dass 98% derer die sich auf Twitter & sonst wo über das Gesagte echauffieren, zu denen gehören, deren politische Aktivität nicht über das Echauffieren hinaus geht.

Ich stimme zu, dass die Startchancen in diesem Land nicht gleich verteilt sind. Aber was man aus seiner Chance macht, dafür ist man letztlich selbst für verantwortlich und nicht gesellschaft.

Im Grunde müsste man den Satz des Herrn Tauber etwas umformulieren. Zumindest würde ich es tun.

Die Wahrscheinlich, wenn Sie etwas Vernünftiges gelernt haben, dass Sie drei Mini Jobs brauchen um klar zu kommen, ist geringer als wenn Sie nichts gelernt haben.

Und das Verrückte ist, dass man Wissen, Kenntnisse und Fähigkeiten sich auch später aneignen kann. Ist nur etwas aufwendiger, frisst Zeit und ist anstrengend. Man muss etwas für tun... und mit dem Selbertun und nicht getragen werden, haben es die Menschen nicht so.

Kommentare:

  1. Die Frage ist ja, wer überhaupt die Zeit hat, ständig Kommentare auf Twitter abzugeben. Wer sind die Leute, auf deren Prioritätenliste das Kommentieren einzelner Sätze von Delta-Tieren des Politikbetriebs in der Sommerpause weit oben steht?

    Womit nichts gegen Sie gesagt sei, werter MiM. So haben den Text hoffentlich im Büro geschrieben und alles richtig gemacht.

    Und es ist natürlich nicht so, dass ich selbst den ganzen Tag Kommentare zu Kommentaren kommentiere und sonst nichts tue. Womöglich bestelle ich heute noch Rotwein aus Frankreich und trage damit etwas zum Ausgleich der Handelsbilanz unserer tapferen kleinen Republik bei.

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    1. In der Tat habe ich den Text im Büro geschrieben, Herr Bonetti. Aufgrund meines Bildesgrades und Position habe ich mich in eine Stellung begeben, die mir dies ermöglicht und mir einen solchen Spielraum schafft.

      Ich persönlich möchte Ihnen Applaus spenden, weil Sie genau das tun, was jeder Bürger machen sollte. Mit Ihrem Beitrag zur ausgeglichenen Handelsbilanz zeigen Sie, dass Sie größer, weiter und komplexer Denken als die meisten unserer Mitmenschen und nicht nur auf Ihr eigenes Wohl bedacht sind.

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    2. Vielen Dank. Leider wird den tapferen Helden, die tagein tagaus dem Vaterland ihre Hüften und ihre Leber opfern, viel zu selten gedacht. Ich habe schon vor Jahren vorgeschlagen, dem Konsumenten vor dem Reichstag ein würdiges Denkmal zu setzen.

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  2. Das Ding ist ja, dass das Studium allein tatsächlich nicht jeden Studierten rettet. Und dass nicht nur diejenigen mit Minijobs ihr Dasein zu retten versuchen, die nichts (dazu-)gelernt haben. Fragen Sie beispielsweise mal all die (alleinerziehenden) Mütter mit kleineren Kindern. "Es tut uns leid, aber für diesen Job sind Sie überqualifziert." Ausreden! Ein Klischee?
    Hinzu kommt: Würden alle nur noch studieren wollen - wer verkauft uns dann beispielsweise unsere Brötchen? Wer kümmert sich um all die "Banalitäten" des Lebens, für die man nicht studiert haben muss? Sind die Menschen in diesen Jobs es nicht "wert", auch mit nur einem Job ausreichend bezahlt zu werden?
    Insofern bleibt nachvollziehbar, dass man sich (womöglich als selbst Betroffene/r) abgewertet fühlt ob dieser Aussage von Herrn Tauber - auch wenn nachvollziehbar bleibt, was er denn eigentlich gemeint hat.
    Übrigens, auch ich habe nicht studiert - aber ich hatte zeit meines Lebens verdammt viel Glück. Von Engagement und Herzblut will ich dabei gar nicht reden, denn das spreche ich erst mal niemandem pauschal ab, der nicht so ein Glück hatte.

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    1. Frau Ziggenheimer, ich habe auch nicht gesagt, dass das Studium jeden rettet. Ich sagte, die Wahrscheinlichkeit ist höher.

      Überqualifizierung... wenn Sie überqualifiziert sind und daher nicht eingestellt werden, stellt sich die Frage, ob es nicht sinnvoll ist sich auf eine entsprechende Position zu bewerben.

      Selbst wenn alle studieren würden, würden auch studierte Brötchen verkaufen, weil es dann ein anderes selektives Verfahren der Bewerberauswahl gäbe.

      Der Wert der Arbeit definiert sich über seine Wertschöpfung und nicht anhand seiner moralischen Beurteilung. Das ist nicht schön, ist aber nun mal so.

      Die Wahrheit ist doch, dass in ein großer Teil der Menschen wirtschaftlich überflüssig ist. Nur sagt es niemand. Das ist nicht schön. Aber meiner Meinung nach eine Tatsache.

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    2. "Der Wert der Arbeit definiert sich über seine Wertschöpfung und nicht anhand seiner moralischen Beurteilung.[...]
      Die Wahrheit ist doch, dass in ein großer Teil der Menschen wirtschaftlich überflüssig ist."
      Ist das so einfach? Was dürfte morgen die Gesellschaft mehr jucken? Wenn alle Controller oder alle Müllmänner streiken?
      Und wäre Ihre "Wertschöpfung" eigentlich möglich, wenn es keine Hausmeister, Putzfrauen, Klempner ... gäbe? Imho macht es in einer arbeitsteiligen Gesellschaft wenig Sinn, die Wertschöpfung eines einzelnen zu messen. Mal ganz davon abgesehen, dass Sie und ich mit unseren Tätigkeiten auch nur an echter Wertschöpfung partizipieren bzw. diese unterstützen (dürfen).

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    3. Ich war auf Reisen, deshalb meine Antwort erst heute :)
      Es ging mir explizit nicht um die Überqualifizierung, sondern um die (alleinerziehende) Mutter mit Kind. Es ist einfach ein Fakt, dass eine Frau mit einem kleinen bzw. kleineren Kind in einer weitaus schlechteren Position ist und dies gerne mit der "Überqualifikation" begründet wird. Denn die Wahrheit darf ja nicht gesagt werden - sah man erst aktuell am Rechtsstreit der Lehrerin in Berlin.
      Und sich mit einem jüngeren Kind auf eine entsprechend qualfizierte Position zu bewerben, können Sie gleich ganz vergessen, weil dann ein Einsatz erwartet wird, den eine Mutter so in der Form zumeist nicht leisten kann, zumindest nicht, wenn sie niemanden hat, der sie in punkto Kind mit unterstützt. Ich habs selber durch: Der Kindergarten bzw. Hort schließt 17 Uhr, bis dahin müssen Sie Ihr Kind geholt haben - demgegenüber steht aber der Chef, der unbedingt noch ein Meeting anberaumt oder irgendein Protokoll/ eine Checkliste abgearbeitet haben will.
      Will sagen: Es gehört einfach viel mehr Glück dazu - auch wenn ich die Aussage, dass eine gute bis sehr gute Bildung alles leichter macht, durchaus teile.
      Ich teile jedoch nicht die Ansicht, dass ein Großteil der Menschen wirtschaftlich überflüssig ist. Auch dann nicht, wenn ihre Arbeit in der Hinsicht unproduktiv ist, als dass sie kein bares Geld bringt. Wir brauchen sie trotzdem.
      Das ist wie in einem Unternehmen der Verwaltungstrakt. Er bringt kein Geld, er ist "unproduktiv". Aber einer muss ja Ihren Lohn errechnen und auszahlen. Zum Beispiel. Überflüssig ist er also mitnichten.

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    4. Wenn Sie, wenn Sie die Wahrheit sagen würden, und danach mit einer Klage rechnen müssten, würden Sie auch nicht die Wahrheit sagen. Das ist die Natur der Sache.

      Der Punkt ist, dass es nicht die Aufagbe des Unternehmens die privaten häuslichen Probleme abzufangen.

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    5. Absatz 1: Absolut, sehe ich ebenso.
      Absatz 2: Korrekt.

      Fazit damit jedoch: Sie könnens eben nicht allein am Bildungsstand festmachen, ob jemand sich mit 3 Minijobs über Wasser halten bzw seine Familie ernähren muss.


      Ich hoffe, Sie verstehen mich nicht als jemanden, der das letzte Wort haben muss. Wenn ich etwas kommentiere, dann weil mich das Thema interessiert so wie auch die Gedanken derer, die eine andere Auffassung haben ;)

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  3. Also, als Satire ist das ein sehr guter Beitrag, mit der heutigen Realität hat er leider wenig gemein.

    Natürlich kann der Bildungsgrad die persönlichen Chancen auf eine gute Position verbessern, aber um einen guten Job zu bekommen, bedarf es eines Arbeitgebers, der die Fähigkeiten auch angemessen honoriert.

    Wir können nicht alle die gutbezahlten Jobs in den Elfenbeintürmen unserer Großkonzerne besetzen, nicht jeder will und kann das. Wer schneidet uns die Haare und bringt das Restaurantessen auf den Tisch, wer versorgt uns im Krankenhaus und schreibt unsere Anwaltsbriefe? Alles schlecht zahlende Branchen, der größte Gewinnanteil geht an Wenige.

    Es gibt leider auch Beschäftigungsverhältnisse, die man heutzutage eingehen muss, bei denen einem gleich das Formular zur Aufstockung mitgegeben wird. Das ist in meinen Augen kein Miteinander, das ist eine Sauerei.

    Sie und ich gehören sicherlich zu denen, die sich ein Brötchen mehr leisten können, dafür haben wir auch hart gearbeitet. Viel trägt aber heutzutage dazu bei, eine gute Position zu erlangen, dass man zur richtigen Zeit am richtigen Ort ist und das hat man nicht immer selbst im Griff.

    Peter Tauber hat mittlerweile seine Aussage präzisiert und sich für seine Wortwahl entschuldigt.

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    1. Herr Blogspargel, wenn Sie entsprechende Fähigkeiten mit sich bringen und einen Mehrwert schaffen, dann werden Sie einen Arbeitgeber finden. Das ist die brutale Wahrheit. Ich bekomme mein Geld nicht, weil ich hier so niedlich aussehe am Schreibtisch.

      Es wird immer jemanden geben, der Haare schneidet, der im Restaurant bedient und mich im Krankenhaus versorgt.

      Und an das Prinzip der zufälligen Jobvergabe glaube ich nicht, Herr Blogspargel.

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    2. Naja, Herr MiM. Bei Ihnen persönlich und vielen anderen Menschen mag das so gelaufen sein. Ein aktuelles Gegenbeispiel wäre der amtierende französische Präsident. Der ist mit Sicherheit nicht hochrangiger Investementbänker wegen seiner vorigen Ausbildungsvita geworden.
      Und ob Friseur, Bedienung und Krankenschwester auf lange Sicht ohne Arbeitszwänge wie Hartz4 noch genug vorhanden sein werden...

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    3. Dem stimme ich vollumfänglich zu.

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  4. Herr Tauber sprach von Vollbeschäftigung ab 2025. Dann merkten Diskutanten indirekt an, dass die Qualität der Vollbeschäftigung aber auch eine wichtige Rolle spielt. Dann verlies Herr Tauber den gesamtgesellschaftlichen Denkansatz und fokussierte auf den einzelnen von wegen schlechte Bildung selbst schuld bla. Sein Kalkül dahinter dürfte klar sein. Derailing. Er hätte ja auch erklären können, wie denn Vollbeschäftigung ohne die Menschen mit den 3 Minijobs aussehen soll. Nehmen wir bspw. an, ab kommenden Jahr wären alle für diese 3 Jobs überqualifiziert: Wären dann auch für sie passende Stellen vorhanden? Und wer macht dann eigentlich diese 3 Jobs?

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    1. Frau Mordred, ich denke schon dass ein Mensch für einem großen Teil seiner Bildung selbst verantwortlich ist.

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    2. Das habe ich auch nicht bestritten.
      Ich will konkret darauf hinaus, dass Vollbeschäftigung nur um der Vollbeschäftigung willen kein sinnvolles Ziel ist. Mal ganz davon abgesehen, dass das in Anbetracht der Digitalisierung in Kombination mit der sonstigen herrschenden Wirtschafts- und Sozialpolitik völlig illusorisch ist.

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  5. Aufregung. Auch ein Ding unserer Zeit. Die Menschen lesen die Überschriften (am Ende gar die der B ILD) und echauffieren sich. Den folgenden Text dann aber lesen und am Ende gar zu erfassen und zu reflektieren - das wird mit fallender Bildung immer schwieriger. Das Volk der Dichter und Denker... Darf ich mir ein "muhahaha" erlauben?

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    1. Ich persönlich habe nichts gegen einen ungebildeten Teil der Gesellschaft, mit ihnen lässt sich gut Geld verdienen, Herr Silberlöffel.

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    2. DAS ist die andere Seite der Medaille ;-)

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  6. "Die Wahrscheinlich[keit], wenn Sie etwas Vernünftiges gelernt haben, dass Sie drei Mini Jobs brauchen um klar zu kommen, ist geringer als wenn Sie nichts gelernt haben."
    Ein Großteil der breiten Öffentlichkeit hätte die Aussage nach dieser Umformulierung vermutlich nicht verstanden und sich damit vermutlich auch nicht via Twitter echauffiert.

    Wie bei vielen anderen Themen ist es nun mal so, dass man nicht alle über einen Kamm scheren darf, und die Diskussion hier in den Kommnentaren gibt einem da nur recht. Und sind wir mal ehrlich: wer 3 Minijobs hat, um sich und seine Familie selbst versorgen zu können,ohne auf Fremde Hilfe angewiesen zu sein, der verdient meinen Respekt. Heutzutage hat nicht mehr jeder diesen Stolz und Ehrgefühl. Immer mehr Leute lehnen sich einfach zurück, denn Vater Staat zahlt ja (auch für's Nichtstun).

    LiMiT

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    1. Es geht ja auch nicht darum, alle über einen Kamm zu scheren, Frau Limit. Nur finde ich es interessant, dass alle ein Top Gehalt haben wollen, aber auch gerne alle um 16 Uhr den Stift fallen lassen möchten, Frau LiMiT.

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  7. Frau Mordred, ich fasse das hier mal ein bisschen zusammen.

    Vollbeschäftigung um der Vollbeschäftigung macht daher schon Sinn, dass selbst wenn die Leute eine Aufstockung bekommen, ein Teil der Sozialausgaben reduziert werden kann.

    Ich sage auch nicht, dass diese Menschen, die weniger und schlechter ausgebildet sind, weniger Wert sind als andere.

    Fakt ist es, dass man in dieser Welt einfach bessere Chancen hat, wenn man gut ausgebildet ist. Fakt ist auch, wenn ich mich den wirtschaftlichen Gegebenheiten anpasse, meine Überlebensfähigkeiten am Markt größer sind, wenn ich mich an die Anforderungen anpassen kann. Wenn Anpassungsgeschwindigkeit geringer ist als die Veränderungsgeschwindigkeit, werde ich hinten runter fallen.

    Die heuten Veränderungen waren bereits vor 20 Jahren absehbar. Es war Zeit genug um sich anzupassen.

    Bgl.dem Streik der Müllmänner und Controller. Sagen wir es mal so... wenn ich nicht meinen Teil zu einem Prokekt geleistet hätte, wären heute 230 Leute ohne Job bzw. hätten sich einen neuen Suchen müssen. Und... wir sind aufgrund der Anpassungen in der Lage dort noch weitere Menschen einzustellen. Das sind die Dinge, die Menschen wie Sie nicht sehen. Sondern als gegeben ansehen.

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  8. "Vollbeschäftigung um der Vollbeschäftigung macht daher schon Sinn, dass selbst wenn die Leute eine Aufstockung bekommen, ein Teil der Sozialausgaben reduziert werden kann."
    Die Aufstockung zahlen aber Sie und ich über unsere Steuern und nicht die Unternehmen und/oder deren Kunden (ggf. wiederum Unternehmen).
    Btw. ist der Aufstocker-Verwaltungsapparat zum einen teuer und zum anderen demütigend.

    Bzgl. Ausbildung etc. is ja alles richtig. Nur sollten Leute mit "einfachen" Tätigkeiten eben dennoch so bezahlt werden, dass sie davon leben können ohne aufstocken zu müssen. Vor allem aus o.g. volkswirtschaftlichen Gründen. Fragen Sie sich bspw. nicht manchmal, warum vor ein paar Jahren mit parteiübergreifender Zustimmung ein Mindestlohn eingeführt wurde (werden musste?) und die Jahrzehnte vorher es ohne funktionierte?

    "Bgl.dem Streik der Müllmänner und Controller. Sagen wir es mal so... wenn ich nicht meinen Teil zu einem Prokekt geleistet hätte, wären heute 230 Leute ohne Job bzw. hätten sich einen neuen Suchen müssen. Und... wir sind aufgrund der Anpassungen in der Lage dort noch weitere Menschen einzustellen. Das sind die Dinge, die Menschen wie Sie nicht sehen. Sondern als gegeben ansehen. "
    Ich bin studierter Wirtschaftsinformatiker und in einem weltweit operierenden Industriekonzern in Schland als Prozessanalyst tätig. Daher habe ich ständig mit Controllern, Wirtschaftsprüfern etc. zu tun. Gerade überarbeite ich bspw. in Absprache mit unserer Konzernmutter, deren Auditoren, unserem ReWe und HR SOX-Prozesse. Ich nehme daher an, ein bisschen was von Ihrem Geschäft zu verstehen.
    Ich meinte explizit ALLE Müllmänner vs. ALLE Controller. Bewusst überspitzt: Was nutzt Ihr Analysieren von Kennzahlen und darauf basierende Handlungsempfehlungen, wenn gleichzeitig real der Standort im Müll versinkt?

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    1. Natürlich zahle ich die Aufstocker mit. Höhere Lohnkosten bei einfachen Arbeiten würde ich ebenfalls mitzahlen. Nur nicht lange.

      Wenn Sie bei den einfachn Tätigkeiten und bei Arbeiten im Allgemeinen höhere Löhne/Kosten haben als Produktivität erhöhen Sie unweigerlich den Rationalisierungsgrad. Der führt zum Ersatz, Verlagerung und letzlich zum Wegfall der Arbeitsplätze.

      Bsp. Griechenland. Sehr gutes Beispiel. Lohnsteigerungen die über der Produktivität lagen haben zu Löhnen geführt, die eigene Güter teurer als Importware gemacht haben. Das führt zum Verlust der Arbeitsplätze.

      Streik Müllmänner. Hatten wir. Anfang der 80´er. Hat dazu geführt, dass die Müllmänner heute nicht mehr zum öffentlichen Dienst gehören, sondern die Aufträge Jahr für Jahr ausgeschrieben werden.

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    2. Einer der Knackpunkte ist, meine Meinung, dass man versucht ein volkswirtschaftliches Problem, betriebswirtschaftlich zu lösen. Das wird nicht gelingen.

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    3. Es gibt wunderbare Beispiele.

      Einzelhandel... alle beschweren sich, dass der Einzelhandel keine echte Beratungsqualität liefert. Dann kommt die Aussage, es wäre kein Wunder bei den Löhnen. Alle Lohnerhöhungen der Vergangenheit haben nicht ein bisschen an der Qualität geschraubt. Lediglich die Produkte werden teuerer. Also was geschieht... ich kaufe im Netz. Ich würde gerne am Sonntag Geld ausgegeben, leider bin ich die Woche unter Geld verdienen beschäftigt. Ich würde gerne lokal einkaufen. Kann ich nicht. Die Geschäfte sind dann zu. Also kaufe ich im Netz. Biller. Einfacher. Schneller. Ich muss nicht mal was nach Hause schleppen.

      Was glauben Sie denn, was passiert wenn die Bedienungen im Restaurant auf einmal 15 EURO oder 20 EUR die Stunde verdient. Preise gehen hoch. Weniger Leute gehen essen. Weil die Bedienungsqualität wird sich ja nicht verbessern dadurch. Also gehe ich weniger oder gar nicht mehr essen, weil es kein Mehrwert mehr bietet.

      Die Reihe lässt sich beliebig weiter führen.

      Die Zeiten und die Anforderungen ändern sich. Wenn Sie vor 20 Jahren in den Economist geschaut haben, dann konnten Sie sehr gut abschätzen, was passieren wird.

      Nur machen die Meisten einfach weiter so und wenn dann der Wandel da ist, sind alle am Jammern.

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    4. Was Sie haben ist eine fromme moralische Wunschvorstellung, realpolitisch vollkommen illusorisch ist. Das kann ich respektieren. Nur bringt und das nicht weiter. Ich sage auch nicht, dass das wie es läuft gut ist. Ich sage nur wie es ist. Und das ist nun mal nicht angenehm.

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    5. "Natürlich zahle ich die Aufstocker mit. Höhere Lohnkosten bei einfachen Arbeiten würde ich ebenfalls mitzahlen. Nur nicht lange."
      einfaches Beispiel: Bei amazon wird in den Lagern nach Logistik und nicht nach Einzelhandel gezahlt. Einzelhandel würde höhere Löhne bedeuten. Verdi hatte seinerzeit vorgerechnet, dass Amazon dann immer noch Gewinn machen würde. Nach Osten outsourcen macht wegen dann längerer Lieferstrecken keinen Sinn.

      "Bsp. Griechenland. Sehr gutes Beispiel. Lohnsteigerungen die über der Produktivität lagen haben zu Löhnen geführt, die eigene Güter teurer als Importware gemacht haben. Das führt zum Verlust der Arbeitsplätze."
      Richtig. Des weiteren waren Schlands Lohnsteigerungen zu niedrig, so dass wir die andere Seite der Medallie sind. Beide (!) Seiten haben da was falsch gemacht. Denn Exportüberschüsse bedeuten, dass sich der andere bei einem verschuldet. Das kumuliert sich über die Jahre, bis der andere zahlungsunfähig wird und man abschreiben muss. Simple Buchhaltung.

      "Streik Müllmänner. Hatten wir. Anfang der 80´er. Hat dazu geführt, dass die Müllmänner heute nicht mehr zum öffentlichen Dienst gehören, sondern die Aufträge Jahr für Jahr ausgeschrieben werden."
      Wurde dadurch die erbrachte Leistung besser und billiger?
      Bzgl. Einzelhandel gebe ich Ihnen recht. Wobei das vor allem schlicht am technischen Fortschritt liegt. Selbst wenn der Einzelhandel rund um die Uhr aufmacht, super Beratung hat und genauso billig wäre - ich werde trotzdem online shoppen, weil komfortabler und schneller.

      "Die Reihe lässt sich beliebig weiter führen."
      Das ist der Unterschied zwischen Mikroökonomie und Makroökonomie. Wenn sie immer einzeln der Reihe nach betrachten haben Sie natürlich recht. Wenn man aber bspw. flächendeckend den Mindestlohn und diverse Binnenjobtarifverträge um meinetwegen 5% jedes Jahr 10 Jahre lang anheben würde, sähe es schon anders aus.

      "realpolitisch vollkommen illusorisch ist."
      Für mich ist Realpolitik mittlerweile ein Schimpfwort, was Denkverbot impliziert.

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  9. Hmmmmm. Also ich habe zwar nicht studiert, habe nach der Mittleren Reife aber noch ein Fachabitur angehängt und dann zuerst eine Ausbildung zur Bürokauffrau gemacht (gehöre zu den geburtenstarken Jahrgängen und es war damals echt schwierig was zu finden) und danach eine Ausbildung zur Bankkauffrau gemacht. Ich dachte, in der Bank bleib ich bis zur Rente, aber dem war nicht so, bedingt durch mehrere Bankfusionen und -verkäufe und immer schlechterem Betriebsklima. Nunja, die Bank gibt es schon seit einigen Jahren nicht mehr. Inzwischen Mann kennengelernt und in eine Region gezogen, in der Bürokräfte kaum gefragt sind, schon gar nicht wenn sie wie ich in die Jahre gekommen sind. Also eine Umschulung zu staatl. 3jährigen Altenpflegefachkraft gemacht und inzwischen weitergebildet und stellv. Wohnbereichsleitung. Und leben kann ich von dem Salär dafür nicht, dank sei Steuerklasse 5. ICH gehöre zu denen, die zwar mal was ordentliches gelernt haben, aber davon nicht existieren können und sich deshalb einen Nebenjob angelacht haben. Die Altersarmut wird auch mich irgendwann mal grüßen. Bin eines der Beispiele, dass Ausbildung sich nicht immer auszahlt. Mein Mann z. B. war nur Hauptschüler, verdient aber das 3fache. Gerecht?

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  10. Realpolitisch zahlen Sie meinen Gin Tonic,Herr Mim :-D
    Denn ich beziehe etwas mehr als Mindestlohn (den ich auch noch selbst damals habe -> Schröder)- und das nach 2.Ausbildung zur Kauffrau. Als Mutter von 3 zukünftigen Steuerzahlern, alleinerziehend und so gut wie Vollzeit hart arbeitend kann ICH nur sagen:
    Es liegt daran, dass diejenigen,die einmal bequem Platz genommen haben im Chefsessel, sich allzuschnell an dieses Zustand gewöhnen und oft ihren Blickwinkel nicht mehr grosszügig schweifen lassen,über diejenigen,die eben keinen soliden Ausbildungsverlauf verfügen (können).
    Die Schere zwischen Arm und Reich klafft zu sehr auseinander. Und genau das bringt dieser Spruch zu Tage!
    Einer dem es gut geht, bewertet das Leben von denen die sich krumm legen für ihre Familie und nackte Existenz.
    Das ist moralisch für einen Politiker nicht zu vertreten.
    Ich hab das Ihnen schon mal geschrieben:Mir sind die hart arbeitenden aber oftmals grundehrlichen Lader an den Fliegern lieber als ein bornierter Sesselpupser, der es noch nie schwer hatte im Leben. Ganz viele Menschen haben am Airport total verantwortungsvollste Jobs, können davon aber realpolitisch nicht existieren. Und fahren noch am Wochenende Taxi, um ihre Familien zu ernähren.
    Ja- jeder ist seines Glückes Schmied.
    Entweder kriegt man den Arsch hoch und gibt sich Mühe! Nur....wenn verantwortungsvolle Jobs einfach privatisiert werden - Und somit dem freien Markt vorgeworfen werden, kommen die Konzerne und halten den Lohn FLACH.
    Um mehr abzusahnen.
    Und entweder man unterstützt diese Politik oder nicht.
    Prost! Fr Eva

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