Freitag, 12. Mai 2017

Elternzeit-Tagebuch (3)

Montag, 08.05.2017

Der kleine Hund treibt zu seiner Freude auf der Hunderunde einige Ponys an einem Zaun zusammen. 60 Meter weiter entfernt, auf der anderen Seite des Feldes. Meine Begeisterung hält sich in Grenzen. Die Ponys sind ebenfalls nicht begeistert. Die Freude des Hundes kennt keine Grenzen.

9 Uhr beim Zahnarzt. Zwei Spritzen. Zwei Füllungen müssen aufgearbeitet werden. Ich mag meinen Zahnarzt. Er ist professionell. Schnell. Gründlich. Nur werde ich mich nicht daran gewöhnen, bei Zahnarzt mit EC Karte zu zahlen.

Anschließend kurzes Shopping. Basics austauschen. T-Shirt, Socken, Boxershorts. 3 kleine Sommermützchen für die Mädels gekauft. Die Kassiererin, eine junge Frau mit russischen Akzent und einer blonden Bob-Frisur lächelt mich an. “Drillinge?” “Ja, Drillinge.” Ich hasse es. Ich will nur etwas kaufen. Ich werde angequatscht. Ich hasse es angequatscht zu werden.

Am späten Nachmittag Babyschwimmen. Das heißt kleine fünf Monate alte Kinder in meinen Händen und dann ins Wasser. Ein älterer Herr nimmt mit seiner Enkelin teil. Er ist der einzige weitere Mann der mit ins Wasser geht. Freundlich erklärt er mir wie es abläuft. Das sitzt bald. Er mache das schon zwei Jahre. Ich stehe am Beckenrand. Ich weiß nicht, wann ich das letzte Mal überhaupt in einem Schwimmbad war. In einem Freibad. Ich erinnere mich. Ist knapp 13 Jahre her. Ich denke über eine gekonnt inszenierte Arschbombe nach. 5 Minuten später halte ich die Dicke, die Zweitgeborene im Arm, und bewege mich so gut ich kann nach den Anweisungen der Leitung. Das ist die, die auch die Frühföderung bei uns zu Hause macht. Die, die solche Angst vor dem kleinen Hund hat. Weitere 5 Minuten später singe ich Kinderlieder und bewege meine Tochter durch das Wasser. Ich habe einige Zeit lang leichte Schwierigkeiten mit meinem Selbstbild. Man denkt, man alles erlebt im Leben, bis eine seiner Töchter zur Kinderliedern durch das Wasser zerrt. Und ich lerne Demut. Ich schaue nach rechts und sehe eine Mutter mit einem Kind mit Down Syndrom. Bei zwei anderen Kindern vermute ich auch irgendwelche Schäden. Bin mir aber nicht sicher. Alle Kinder sind gut drauf und quietsch vergnügt. Das Erlebnis in Summe ist bewegend.

Schwimmen macht hungrig. Ich hole einen dieser gesunden Gyros Fitness Teller von meiner Lieblingsimbissbude. Dem kleinen schmierigen Griechen kurz hinter der Stadtteilgrenze.

Dienstag, 09.05.2017

Heute keine Termine. Ich starte mit einer Hunderunde um 6:30 Uhr im Wald.

Der Tag plätschert vor sich hin. Zwischendrin Fütterung der Kinder.

Ein Weinhändler schickt mir einen Gutschein für eine Flasche Cremant. Weil ich umgezogen bin. Aber das war vor 4 Jahren. Egal… ich sage nicht nein. Ich werde nächsten Monat da einfach mal wieder vorbei fahren.

Ich beginne langsam damit den Koffer für Sonntag zu packen.

Im Grunde ein ganzer Tag Ruhe. Ohne Stress. Durchatmen.

Der Tag endet. Auf dem Bett. Ich liege mit einem Heineken Bier auf dem Bett. Streichele mit der einen Hand den kleinen Hund, der rechts neben dem Bett steht und seinen Kopf auf meinen Bauch abgelegt hat.

Im Fernsehen läuft QVC. In HD. Sie verkaufen ein Steakmesser Set für 24,95. Die Messer haben Plastikgriffe und sehen aus wie welche für 2 EUR vom Topfmarkt aus der Stadt. Ich schalte zu ARTE. Dort läuft eine Dokumentation über Cuba. Wie es sich gerade verändert. Ich grunze, rolle mich zur Seite und schlafe ein.

Mittwoch, 10.05.2017

Hunderunde im Wald. Mit dem kleinen Fräulein einen Schnauzerrüden getroffen. Ein schönes Tier. Aber nochmal knapp 15 cm höher gemessen an der Schulter.

Nach dem Bügeln der Polo Shirts den restlichen Heckenschnitt klein gemacht. Dann die Ranken am Haus gekürzt und ebenfalls klein gemacht. Und weil ich gut drauf bin, öle ich die Gartenmöbel ein. Sie haben es wirklich nötig.

Es ist kurz nach Mittag. Die Nachbarn haben Hochzeitstag. Darauf stoßen wir an und machen eine Flasche Schweizer Cremant auf. Heute Abend wollen sie essen gehen. In das Restaurant wofür sie den Gutschein letztes Jahr zu Weihnachten bekommen hatten.

Dann fahre ich den Wagen waschen und sauge ihn anschließend aus.

Nachmittags bereite ich die Fotoausrüstung für das Wochenende vor.

Grandioser Tag. Ich bin unglaublich produktiv.

Relativ früh liege auf dem Bett und schaue noch ein bisschen fern. Der Nachbar schickt ein paar Bilder vom Essen. Er ist begeistert. Es war gut.

Donnerstag, 11.05.2017

Kurz vor sechs raus aus dem Bett. Hunderunde, fertig machen, ab ins Büro. Ja, weiß ich, müsste ich nicht, tue ich aber. Ich habe etwas davon. Ich bin beinahe der Erste im Büro. Eigentlich ist alles gut. Bis das Zahlenfrettchen kommt. Dann herrscht wieder eisiges Schweigen im Büro. Mein Kollege wird mir später beim Mittagessen sagen, dass immer, wenn wir zusammen in einem Raum sind, die Stimmung zu Eis wird.

9 Uhr… die Sitzung mit der IT beginnt. Kurz nach zehn, nach dem Meeting sortiere ich einige Sachen vor und bereite mich auf die nächste Sitzung vor. Von elf bis kurz vor zwölf habe ein weiteres Meeting. Daten aus einem System in ein Reportingsystem überführen. Nicht ganz wie gedacht, aber recht erfolgreich.

Gegen Mittag gehe ich mit dem Kollegen zum Stamm-Italiener. Mittagsmenü. Richtig gutes Essen für schmales Geld. Wir sind Stammkunden. Der Kellner verabschiedet sich von uns. Er hat heute seinen letzten Tag. Er hört auf. Macht seinen eigenen Laden auf. Viel Erfolg, wünschen wir, als wir den Laden verlassen.

Zum Abendessen lande ich in einem türkischen Imbiss. Ich mag den Laden. Die Leute sind immer recht freundlich. Aber ehrlich… ich bin immer froh, wenn ich das bekomme, was ich auch bestellt habe.

Kommentare:

  1. (Ich schreib Ihnen das mal hierhin: Meine Blogdomain hat sich geändert, pressepfarrerin.de, ich sehe nämlich gerade, dass der neue Post in Ihrer Seitenleiste nicht hochkommt.) Schönen Cuba-Libre-Abend!

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    1. Ich habe die URL angepasst, Frau Üressepfarrerin. Danke für den Hinweis.

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