Montag, 24. April 2017

Professionelle Unprofessionalität

Alles begann vor einigen Monaten. Kim Jong-un hatte den Raum betreten und beschwerte sich darüber, warum auf einmal der Casual Friday auf alle Wochentage ausgedehnt wurde. Mit der Zeit hatte es sich eingeschlichen, dass das Controlling auf die Anzüge verzichtet hatte, statt einer Anzughose auf Jeans und Hemd umgeschwenkt war.


"Wir sind die Holding!", rief Kim Jong-un außer sich. "Schaut euch Big Boss an. Er kommt jeden Tag mit Hemd und Anzughose herein."
         "Er ist der Chef von Europa und Asien", merkte ich an. "Sein Salär dürfte 5 mal so hoch wie meines sein"
"Er trägt sogar Krawatten." Der Supreme Leader ruderte erregt mit den Armen.

Ich schaute irritiert zu meinen Kollegen. Er saß da, starrte auf Kim Jong-un. Er sagte kein Wort. Aber er fing an zu schnauben. Wie ein Ochse, dem man mit einem roten Handtuch vor den Augen herum wedelt und drei Backpfeifen gibt.

"Also wenn Du sagt, wir sein schlecht angezogen....", sagte ich und machte eine Pause, Ich beugte mich langsam nach vorne. So dass ich an Kim Jog-un vorbei schauen konnte. Über den Flur. In das Nachbarbüro. Ins Rechnungswesen. Dort saß Sloth. Kreditoren Sloth. An seinem Schreibtisch und erfasste Rechnungen. In aller Ruhe.

Ich hatte Sloth damals mit eingestellt. Ich hatte mit im Vorstellungsgespräch gesessen. Er war ein Schnäppchen. Anfang 50. Seine Laufbahn war ein Who is Who der Zeitarbeitsfirmen. Man hätte ihm auch den Titel Wanderhure verpassen können. Ich hatte ihm den Spitznahmen Sloth gegeben, weil er mich an Lotney „Sloth“ Fratelli erinnerte. Aus dem Film The Goonies. Diesem Typen, mit dem verformten Kopf und dem Haarbüschel auf dem Kopf. Er war dankbar, dass er nicht mehr hin und her geschoben werden würde und wir waren dankbar, wenn jemand so dumm ist, den Blödsinn hier mitzumachen.

Also er saß da an seinem Schreibtisch. Tat das was er immer tat. Den ganzen Tag lang. Erfassen von Keditorenrechnungen. Bekleidet in Jeans. Darüber ein blaues T-Shirt mit einem lustigen Spruch. Er hat eine Menge von diesen T-Shirts.

Ich verweilte mit meinem Blick kurz auf Sloth und ließ mich langsam wieder zurückfallen.

"Sag mal, Kim... gilt dieser Dresscode für alle hier?" Ich kniff ein Auge zu und mit dem anderen Starte ich den großen Führer an.
             "Du willst Dich doch nicht mit ihm auf eine Stufe stellen", dozierte Kim Jong-un. "Der ist so wie er ist. Aber wir hier... wir sind..."

Was wir genau sind, weiß ich nicht mehr. Jedenfalls galt ab nun die Parole: Hemd & Anzughose. So begann es dann auch.

Meinen inneren Widerstand diskutierte ich mit einer Freundin.
    
"Was für eine Scheiße ist das??"
                "MiM, zieh Dich nicht an für den Job den Du hast. Ziehe Dich an für den Job den Du willst."

Zugegeben. Das leuchtete mir sogar ein.

Ich wechselte von Jeans auf Anzughose.

Zwei Wochen später. Komplett im Anzug. Damit war ich bereits einen Schritt weiter als der Supreme Leader.

In der dritten Woche rundete ich das Bild mit einem Einstecktuch ab.

Als ich weitere zwei Wochen später noch dazu über ging Krawatte zu tragen, sprach mit Big Boss an, ob ich wohl ein Vorstellungsgespräch hätte.

"Sag mal... was soll das denn jetzt alles. Mit der Krawatte und so", fragte mein Kollege.
          "Pass mal auf. Wenn wir schon nicht professionell sind, dann sollten wir wenigstens gut dabei aussehen", antwortete ich.

Seit 14 Tagen trägt mein Kollege ebenfalls Anzug und Krawatte.

Man beobachtet uns sehr sehr misstrauisch.

In 4 Wochen habe ich einen Termin für ein Fotoshooting bzgl. Bewerbungsfotos.

Kommentare:

  1. Vorstellungsgespräch hört sich gut an. Vielleicht auch die Elternzeit mal nutzen sich zu überlegen was für einen neuen Job man möchte.

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    1. Fräulein von Sachsen, wenn ich aktiv werde, dann ist die Planungsphase was ich will, bereits seit 2 Monaten abgeschlossen.

      Ich weiß was ich will. Ich weiß wohin die Reise gehen soll. Ich befinde mich gerade an dem Punkt, wo ich alles vorbereite, um zu starten.

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  2. Scheint Zeit für einen Wechsel zu sein... Da oben am Fischkopf scheinst zu stinken!

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    1. Der Fisch stinkt immer vom Kopf zuerst, Herr P. Aber das ist in anderen Firmen auch nicht anders. Und je weiter man nach oben kommt, desto ungemütlicher wird es.

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    2. So lange man nicht selbst mitstinken muss, gehts noch

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  3. Schon wieder so eine Stromberg-Geschichte. Der Typ kann es doch einfach nicht. Er weiß nicht einmal, dass das Unprofessionellste das Duzen ist.

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    1. Ich bin darüber hinweg, mich Gedanken zu machen, Herr AGCC. Ich verfolge mein Ziel und versuche Ablenkungen einfach auszublenden.

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  4. Können Sie Gedanken lesen? Genau das ist gerade mein Problem.

    Fürs Vorstellungsgespräch wünsche ich viel Erfolg.

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    1. Danke, Frau Goldi... bis dahin ist es aber noch einiges an Zeit und Arbeit. Aber das wird schon.

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  5. Kommen Sie zu Bonetti Unlimited Success, werter Herr MiM. Hier wird erwartet, dass Sie zwischen Meeting und Kaffeepause vom Dinner Jacket zum Smoking wechseln. Außerdem herrscht innerhalb des Firmengebäudes unbedingte Borsalinopflicht.

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    1. Mit einem Bporsalino haben Sie mich an der Angel, Herr Bonetti. Ich arbeite gerne in einer gut behüteten Umgebung.

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