Dienstag, 11. April 2017

Non, je ne regrette rien

Es war im Sommer.

Sie wollte nach Paris. Also buchte die Dame unserer Ménage à troi ein Hotel und drei Tickets des Reisebusses, der jeden Mittwochabend gegenüber von unserem Bürogebäude nach Paris abfuhr. Am Abend einsteigen. Am Morgen in Paris aufwachen. 3 Tage in der Stadt. Eifelturm. Louvre. Pere la chaise. Notre Dame. All die Sehenswürdigkeiten, um am folgenden Samstagabend wieder in einen Bus einzusteigen und zu Hause in der großen Stadt aufzuwachen.

Es ging auf den Abend zu. Wir waren den ganzen Tag auf den Beinen gewesen. Wir waren alle geschafft. Sie lag auf dem Bett und hatte ihn im Arm. Ich stand auf dem Balkon und rauchte. Schaute auf die Straße. Beobachtete das Treiben. Gegenüber, unten auf der Straße, legte sich ein Penner in einen Fenstersims und öffnete eine Flasche Wein. Ich langweilte mich. Ich war aufgekratzt. Es war warm und die Luft angenehm lau. Ich versuchte die Zigarette in dem hoffnungslos überfüllten Aschenbecher auszudrücken.

"Eeyyy... wie könnt ihr nur schlafen. Draußen ist das Leben. Da ist Paris. Und liegt hier einfach nur so herum", rief ich.

Sie brummelte vor sich hin. Er tat es ihr gleich.

"Ich muss noch mal raus." Ich begann mir die Schuhe anzuziehen.

"Wohin willst Du denn?" Die Männerstimme unter dem Frauenarm klang gequält und schlaftrunken.
       "Einfach nur raus. Raus. Irgendwo was trinken."

"Jetzt gleich?"
      "Ja wann denn sonst?"
"Ja... warte... ich komme mit", sagte er nach einer kurzen Pause.

Sie brummelte vor sich hin. Er befreite sich aus ihrer Umarmung. Sie brummelte weiter.

"MiM und ich gehen noch mal raus."
      Brummel.

"Willst Du mit?"
     Brummel. Brummel."

"Okay, dann lassen wir Dich hier!"
     Brummel.

"Lass Sie", sagte ich.

Sie blieb auf dem Bett zurück. Wir verließen das Hotelzimmer. Gingen die Treppe über 5 Stockwerke über einen dicken roten Teppich hinunter. Raus aus dem Hotel. Auf die Straße. Wir hielten uns linke Hand. Gingen die Straße entlang. Richtung Saint Germain. Links und rechts die großen und alten Häuser von Paris. Kleine Cafés und Bars. Menschen an Tischen. Wein trinkend und dabei Austern essend.

Wir fanden einen Platz in einer Lokalität. An einer Straßenecke. Grünes Dekor. Kleine braune Tische und Stühle. Mittendrin im Gewühl. Ich sackte entspannt in meinem Stuhl zusammen. Fingerte eine Zigarette aus der Packung. Ich rauchte damals viel. Er nahm die Karte in die Hand. Blätterte hin und her. Wieder zurück. Dann wieder vor.

"MiM... was soll ich trinken?"
       "Keine Ahnung? Worauf Du Lust hast!"
"Ich weiß nicht was ich trinken soll? Ein Desperados oder einen Mojito?"

Ich nahm einen tiefen Zug von meiner Zigarette. Blies den Qualm in die Luft. Schaute kopfschüttelnd in seine Richtung.

"Was?", kam es etwas bissig.
     "Beides."
"Beides?"

"Beides!!", wiederholte ich bestimmt.

Jetzt erzähle ich immer, dass diese Frage die dümmste Frage war, die man mir in meinem Leben gestellt hat. Warum sich für eines entscheiden, wenn man alles haben kann? Warum sich mit weniger zufrieden geben, als einem das Leben anbietet? Sicher. Man wird mir noch wesentlich dümmere Fragen gestellt haben. Aber die habe ich alle vergessen.

Die Bedienung kam und er bestellte. In französisch. 2 Desperados. 2 Mojito. Ich verstand nur Bruchstücke. Aufgrund von Vorkommnissen mit einem hohen Anteil an Eigenverschulden wurde ich in der 8 Klasse aus dem französisch Kurs entfernt. Lange Geschichte.

Es wurde ein guter Abend. Es wurde ein teurer Abend. Wir kamen irgendwann gegen Mitternacht betrunken im Hotelzimmer an. Kichernd. Wie Teenager. In der Hand, jeder noch zwei große Dosen Desperados. Irgendwo an einem kleinen Laden auf dem Nachhauseweg erworben. Wir schlichen durch das Zimmer in das Bad. Setzen uns in die Badewanne. Öffneten die Dosen und prosteten uns zu. Wir lachten. Tranken. Erzählten Geschichten als sich plötzlich die Tür öffnete.

"Ich wusste doch, dass ich da etwas gehört hatte", sagte sie. Sie hob die Augenbrauen und blickte auf uns in der Badewanne herab. "Ihr habt sie doch nicht mehr alle beisammen!"

Wir lachten. Versuchten so lustig zu sein, wie betrunkene Männer nur sein können.

"Hauptsache, Ihr kommt morgens halbwegs aus dem Bett", sagte sie. "Wird ein langer Tag." Sie zog die Tür zu. Wir blieben in der Badewanne sitzen, lachten und tranken weiter.

So unbeschwert waren wir drei nie wieder unterwegs. Dreiecksbeziehungen funktionieren immer nur zu einem bestimmten Zeitpunkt. In einem gewissen Kontext. Wenn alles ausgewogen ist. Und das ist meistens für einen kurzen Moment der Fall.

Ich kam Sonntagsvormittag wieder in Metropolis an. Ich fror. Es steckte noch etwas Müdigkeit in mir. Die U-Bahn brachte mich aus der Innenstadt nach Hause. Ich schloss die Wohnungstür auf, betrat das Apartment. Ließ meinen Trolly im Flur stehen. Im Wohnzimmer saß Schatz auf dem Sofa.

"Wie war es in Paris?"

"Gut war es", antwortete ich. Ging in die Küche und machte mir einen Kaffee. Ein paar Jahre später war ich noch einmal in Paris. Aber da war alles schon anders.

Kommentare:

  1. Ich bin beeindruckt von so vielem in dieser Geschichte.

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  2. Hallo Herr MiM, ..Hach ist das schön, wenn nur die Arbeit nicht wäre und man Geld für den Strom für den PC braucht um Sie hier zu lesen. Danke für´s Träumen. Eine gute Woche mit vielen französischen Momenten wünscht Ihnen und Ihren Lesern Frau A.

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    1. Ja, Frau A... französische Momente kann man nicht genug haben im Leben.

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  3. Ich bin immer wieder positiv von Ihnen überrascht

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    1. So, sind Sie das... keine Ahnung, wie mir das gelingt, aber ich will mich nicht beschweren, Fräulein von Sachsen.

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  4. mich berührt diese geschichte auf eine art und weise, die ich gar nicht ausdrücken kann. danke dafür.
    frau yvi

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  5. Wow.

    Danke für diesen Einblick in Ihre Vergangenheit, das Mitnehmen in das Hotelzimmer und den Moment.

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    1. Dafür wird es ja geblockt, Frau Goldi. Gerne geschen.

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    2. Es gelingt allerdings wenigen, dass sie mit ihren Worten Bilder bzw. Kulissen zeichnen, die ich sehe und fühle ;) - Daher der Dank und das Wow ;)

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  6. Eine schöne Erzählung. Sie passt wunderbar zum Frühling. Warum erinnern wir uns nach solchen Reisen kaum an den Eiffelturm, sondern immer an die Bars, deren Namen wir vergessen haben?

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    1. Weil das kleine, veileicht weniger imposant aber dafür viel mehr punktiert beeindruckt, Herr Bonetti.

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  7. Herzerfrischend und Lächeln schenkend. Ja, ich könnte sie drücken, die Herztaste bei diesem schönen Text.
    Eine Hommage an das Sein. Das Leben. Und seine Konfetti bunte Leichtigkeit. Cheers

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    1. Ich danke Ihnen. Ich mag diese ´Konfetti bunte Leichtigkeit´.

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  8. Und ich singe heute schon den ganzen Tag das Lied vor mich hin und krieg es nicht aus dem Kopf. Schönen Dank auch, Herr MiM!

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  9. Wir waren jung und unschuldig ...
    Vielleicht nicht ganz. Ein besonderes Erlebnis, once in a lifetime.
    Ja, ich kann es nachvollziehen, denke selbst an ein paar dieser wenigen eintigartigen Momente in meinem Leben und danke Ihnen, für diesen schönen Denkanstoß.
    Mit einem Lächeln im Gesicht verabschiede ich mich auch in die Nacht.

    LiMiT

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    1. Wenn es einen Denk- oder einen Erinnerungsanstoß zur Folge hatte, dann habe ich ja alles richtig gemacht, Frau LiMiT.

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  10. Französisch. Die Sprache jedenfalls mag ich nicht so...

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  11. Drei ist eine gute Zahl. Wo die 3 im Spiel ist, geht eine Sache los.

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