Donnerstag, 23. März 2017

Stumme Schreie

Der stumme Schrei nach Aufmerksamkeit ist unüberhörbar.

Frauen. Wenn die fachliche Anerkennung ausbleibt, wird mit aller Gewalt eine Alternative gesucht.

Jeden morgen spült sie das Glas von Junior. Dem Sohn vom BIG BOSS. Dann stellt sie es ihm auf den Tisch. Sie bringt Schokolade, Kekse und was weiß ich nicht alles mit. Es wird auf dem kleinen Rollcontainer angerichtet. Jetzt fängt sie an Obst zu schälen. Orangen. Sorgsam legt sie das bearbeitete Obst zum Verzehr auf den Tisch. Jeder bekommt eine Gabel. Junior ist begeistert. Ich lehne dankend ab.

Mein Tag begann mit:

- "Und da habe ich mir die Frage gestellt, womit ich MiM eine Freude machen kann?"

Es folgte eine Pause. Anschließend wurden mediterrane Kräcker mit Kräutern und Seesalz für mich bereit gestellt. Ich finde das aufdringlich. Schon beinahe bedrängend. Ich lehne dankend ab. Junior greift beherzt zu. Ich hasse es wenn mir Menschen eine Freude machen wollen. Da kommt ausnahmslos immer nur Scheiße bei raus. Man macht mir eine Freude, wenn man mich in Ruhe lässt.

Permanent werde ich gefragt, ob ich etwas will. Ich will einfach nur den Lagebericht in Ruhe korrigieren.

- "Wehe... wehe, wenn ich auf das Ende sehe!", sage ich und habe Wilhelm Busch im Ohr. "Junior, keine Frau füttert Dich oder serviert Dir Essen einfach so. Da kommt immer eine Rechnung hinterher."

Junior lacht.
Das Zahlenfrettchen lacht.

Mir ist das Lachen bereits vergangen.

Ich stehe auf. Verlasse den Raum und hole mir einen Espresso. BIG BOSS kommt aus dem Büro des Konzernrechnungswesens.

- "MiM, ich habe gehört Du und Nummer eins seit jetzt dicke Kumpels?", scherzt er.

Nummer 1. Er. Der in den USA sitzt. Die Nummer 1. Erster in der betrieblichen Nahrungskette. Durch Eigenverschulden habe ich es geschafft, dass mein Name einmal bis nach ganz oben gegangen ist. Die Geschichte habe ich noch gar nicht erzählt.

- "Ich habe innerhalb von 2 Stunden eine Antwort bekommen", sage ich. Ich fühle mich nicht sehr wohl, weiß ich doch jetzt, dass Nummer 1 mit BIG BOSS gesprochen haben muss und er meine Email erwähnt hat.

- "Du solltest bei Deinem Freund mal ein Wort für mich einlegen, dass ich auch so schnelle Antworten bekomme", lacht BIG BOSS. "Hat er Dich schon zum nächsten Thanks giving eingeladen?" BIG BOSS lacht herzhaft und klopft mir auf die Schulter.

Mit einem Espresso in der Hand lasse ich mich auf meinen Stuhl fallen.

Alles was ich in meinem Leben wollte war meine Ruhe. Mehr nicht. Und mein Leben entwickelt sich immer mehr zu meiner ganz persönlichen Hölle.

//Nachtrag

Der Moment wo ich sauer werde. Weil Sie einfach nur Scheiße erzählt. Und mit damit auf die Nerven geht. Ich hasse es, wenn man mir auf die Nerven geht.

- "Wisst ihr, was ich so schlimm finde", sagt sie. "Das diese Attentate als normal hingenommen werden. Niemand redet mehr darüber."

Junior schaut irritiert. Ich stehe auf und schaue über den Bildschirm.

- "Was? Wer redet nicht mehr darüber? Meinst Du wir reden nicht mehr darüber?", frage ich.

- "Nein, nein", holt sie aus, "so im Allgemeinen wird darüber nicht mehr geredet."

- "Das stimmt doch gar nicht", sage ich scharf. "Gestern gab es Sondersendungen dazu. Die Zeitschriften, die Medien sind voll mit dem Thema. FAZ, BBC, Spiegel Online.... voll. Es redet niemand über etwas anderes! Was im Gotten Namen meinst Du? Erkläre es mir. Versuche es zumindest mal."

Sie sackt zusammen schaut mich an.

- "Ist gut. Du hast recht. Ich habe unrecht und Du hast recht. Ich will nicht diskutieren."

- "Pass mal auf... Du hast die Dikussion angestoßen. Du hast was in den Raum gestellt. Du behauptest etwas, was Du nicht einmal belegen kannst." Ich bin sauer. Ich bin wirklich sauer.

Junior schaut mich an. Beide Daumen gehen hoch. Er grinst.

- "Ja, ich weiß, ich bin doof", fügt sie an. Dann ist Ruhe.

Endlich. Ruhe. Schweigen im Büro. Endlich hält sie einfach die Fresse.

Boooaaaa..... alles was ich will ist meine Arbeit machen.

// Nachtrag II

- "Vielleicht bis Du ein bisschen zu weit gegangen MiM", sagt Junior zu mir.

Der Moment, wo ich mir denke: "Alles richtig gemacht."

Diese Ruhe... wunderbar.

// Nachtrag III

14:47 Uhr. Ob ich Schokolade möchte? Die hat sie nicht mehr alle!

// Nachtrag IV

Der restliche Nachmittag ab 16:30 Uhr

- "MiM, möchtest Du dass ich das Fenster zumache / auflasse?"
- "MiM, möchtest Du noch einen Keks?"
- "MiM, einen Kakao mit Marshmellows?"
etc etc etc

Ich könnte sie erschlagen. Wie soll man sich bitte konzentrieren und ein IT Projekt planen, wenn man permant angesprochen wird?

Weiber... man reiche mir einen großen Knüppel.

Kommentare:

  1. Ich empfinde körperliches Unwohlsein wenn ich das lese. Wirklich.
    Diese Fütter-Mamis. Das sind die Schlimmsten.
    Und für "Man macht mir eine Freude, wenn man mich in Ruhe lässt" war ich kurz etwas in Sie verliebt.

    Halten Sie durch.
    Sabine

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    1. Durchhalten? Ich würde sie am Liebsten erschlagen...

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  2. Ich empfele Ihnen folgenden Test:
    http://autismus-kultur.de/test/autismus-asperger-test-erwachsene
    Das ist nicht als Affront gemeint. Tatsächlich haben viele Experten der MINT-Gebiete leicht autistische Züge. Denn daher kommt oft erst das Interesse und die Begabung.

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    1. Sie meinen, ob die Perle autistisch ist?

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    2. Nein.
      Ich meinte Sie.
      Zwischen autistisch im Sinne von quasi nicht mehr kompatibel mit dem sozialen Umfeld und leichten autistischen Zügen liegen Welten.
      Das könnte einfach Teil Ihrer Persönlichkeit sein und für Sie selbst ein Erklärungsansatz sein, warum Sie bspw. auf das sog. Zahlenfrettchen innerlich so abgehen.
      Die Betonung liegt natürlich auf "könnte".

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    3. Habe soeben erst die Nachträge studiert. Vergessen Sie es. :)

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    4. Also ich denke nicht, dass es daran liegt, dass ich autitische Züge an den Tag lege.

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  3. 1. Herr MiM, Sie haben mein aufrichtiges Mitgefühl und ich würde Ihnen gerne für morgen das komplette Knebelset ausleihen. Da Sie aber zu weit weg sind, auf dem Heimweg vielleicht noch im Baumarkt vorbei und gutes Panzertape holen? Vielleicht reicht ja die Drohung damit? Dann schweigt das Teil zumindest.

    Anderseits wenn sie eine Anhängerin von den 50SchattenRomanen ist könnte das schief gehen.

    2. Ich hoffe ja die bleibt noch ein wenig erhalten, das gibt guten Stoff für Sie zum verbloggen und für mich zum Lachen.

    Solche Aussagen wie im Nachtrag bringen mich übrigens auch zum sauer werden. In der alten Anstalt gabe es die männliche Ergänzung zu Ihrem Exemplar, irgendwann ist er aus meinem Büro geflogen...

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    1. Frau Goldi, mir bluten hier langsam die Ohren... ich kann nicht mehr. Das macht mich echt fertig.

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    2. Dann hilft nur noch die verbale Holzhammer-Methode ;)

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  4. Dann sagen Sie es ihr,dass Sie Ihre Ruhe wollen, höflich aber bestimmt. Was ist das Schlimmste, das passieren kann? Sie ist beleidigt und hält den Rand. Win Win, oder?

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    1. Sie sind ja witzig, meine Frage ist nur, wie oft soll ich das noch wiederholen?

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  5. Sie haben mein Mitgefühl.

    Wenn ich das lese, dann weiß ich meinen winzigen Luxus zu schätzen:
    ein Büro - ganz für mich alleine. Klein aber mein.

    Radio-Hörer - Mit-Sich-Selber-Reder - Dampfplauderer ...

    eine Pest!

    Kann man die Dame nicht einfach mit Zahlen beschäftigen? Sie mit sovielen Zahlen zuwerfen, dass sie gar keine Zeit mehr hat zum Nerven?

    Ansonsten hilft wohl nur eine klare Ansage: Klappe halten, wenn nicht wirklich etwas zu sagen ist.

    LG
    Mechthilda

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    1. Bringt nichts, Frau Mechthilda... hält zwei, vielleicht drei Stunden, dann geht es wieder von vorne los. Das Verrückte ist, dass man ihr eine reingrückt und sie nach, sie können die Uhr danach stellen, wieder ankommt.

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  6. Oha. Das Universum bewahre mich vor so einer Kollegin. Sie haben mein Mitgefühl. Und gleichzeitig werde ich so was von sauer auf solche Geschlechstgenossinnen. Die sind daran schuld das ich bei jedwedem Chef in meinem Leben erstmal mühsam die Erkenntnis einarbeiten musste das nicht alle Fruen so sind. Und wenn sie es dann nach einiger Zeit gerafft haben, bekomme ich immer zu hören: Ja SIE sind ja so ganz anders. Mit Ihnen kann man normal arbeiten. Diese Weibsen könnte ich ... na ja. Leider tauchen die sogar hier in meiner Nerdenklave mitlerweile auf... Hilfe.

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    1. Ja, das stimmt Frau Kira, solche Frauen sorgen dafür, dass auf Ihre Spezies ein ganz schlechtes Licht fällt.

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  7. Hallo Herr MiM, vielleicht hilft wegstreicheln. Schönes Wochenende wünscht Ihnen Frau A.

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    1. Frau A, wegstreicheln? Wenn ich die anfasse, werde ich sie nie wieder los!

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  8. Ich fühle mit Ihnen. Alle reden von Empathie und niemand davon, dass es manchmal nur ein simples "in Ruhe gelassen werden wollen" beinhaltet.

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  9. Also, ich halte mich wirklich für einen sehr empathischen Menschen und kann einiges aushalten. Aber das hier würde mich sowas von nerven. Sie haben mein Mitgefühl. Und niemals, nimmer nicht, käme ich auf die Idee die männlichen Kollegen mit Essen zu versorgen. *lach* Mich versorgt doch auch keiner, weder auf der Arbeit noch zu Hause. ;-) Pffff!

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    1. Die Frau baut im Büro ein halbes Buffet auf. Sie fängt jetzt damit an, individuelle Wünsche zu berücksichtigen. Die ist krank. Da stimmt irgendwas nicht.

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  10. Mein Beileid, so eine hatte ich auch mal (Sachbearbeiterin in einer Krankenkasse).

    Da sich meine und Ihre Situation trotz Nervigkeit und Buffet unterscheiden – irgendjemand hatte meiner Dame zum Beispiel gesteckt, dass Mitarbeiter mit Behinderung unheimlich gerne andererleuts tragische Lebensgeschichten erzählt bekämen… - wird Ihnen wohl wenig helfen wie ich die Dame losgeworden bin.

    Aber vielleicht können Sie ganz anonym und unäuffällig eine Broschüre über Co-Abhängigkeit in der Nähe der Dame platzieren? Auf den Schreibtisch schmuggeln oder so. Und wenn sie dann deshalb köchelnd bei Ihnen und den Kollegen auftaucht, einfach nur „Ich habe zu tun!“ sagen.

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