Montag, 13. Februar 2017

Posttraumatische Geschäftsreise mit Kim Jong-un

Ich mag Geschäftsreisen. Habe ich immer gemocht. Was ich nicht mag, ist mit Kim Jong-un zu reisen. Ich mag es einfach nicht. In der Gegenwart von Kim Jong-un mache ich mich klein. Kleiner als ich bin. Nicht weil er so ein beeindruckender Mensch ist. Sondern weil ich einfach keine Fläche bieten will. Ich mag mich nicht mit ihm unterhalten. Am liebsten würde ich unsichtbar sein. Er gehört zu denen, die nichts im Raum stehen lassen können. Wie ein Maschinengewehr schießt er seine Meinungen in die Welt heraus. Wie er die Dinge sieht und wie nicht. Und natürlich ist es die Wahrheit. Seine Wahrheit.

Er hat kein Gefühl für Distanz. Unterschreitet den sozialen Abstand, den nur einem nahestehende Menschen unterschreiten dürfen. Er beugt sich vor und will meine Nachrichten mitlesen, die ich auf meinem Mobile erhalte. Kim Jong-un saugt Informationen über einen auf, damit er sie gegen einen verwenden kann. 

Einmal sagte er zu mir, dass man das berufliche und private doch gar nicht trennen kann. Weil wir miteinander arbeiten, sind wir auch Freunde. Ob nicht mal einfach die ganze Abteilung zu einem meiner BBQ einladen könnte. Ich musste innerlich schmunzeln. Solchen Typen haben wir früher in der Schule eines aufs Maul gehauen und in die Mülltonne gestopft. Und wenn sie gepetzt haben, dann waren sie in der nächsten Pause gleich wieder dran. Meine Kollegen habe ich dann irgendwann auch mal eingeladen. Einen Teil von ihnen. Er war nicht dabei. Ich bin doch irre.

Ich ziehe meinen Hut von Herrn Dr. Meisterprüfer. Knapp an die 70. Eine Quelle an Wissen. Er steht über den Dingen. Wenn er Blödsinn vernimmt, lächelt er nur. Aber seine Statements stehen wie eine Statue um Raum. Dr. Meisterprüfer hat einen Status erreicht, der ihn über den Dingen stehen lässt. Er ist dort, wo Kim Jong-un nie sein wird.

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So verlief auch das Meeting. Kim Jong-un´s großer Auftritt. Er, der große Zampano. Wie er die Dinge. Die anstehende Strategie. Wie wichtig doch dieser Standort in UK wäre. So viele Dinge. So viel heiße Luft. So viel, das überhaupt nichts mit dem eigentlich Auditreport zu tun hat, weswegen wir eigentlich da waren. Es ist peinlich zu erleben, wenn man erlebt, dass die Leute aufhören zu reden in seiner Nähe.

Freitags saßen wir dann auf dem Flughafen. Um 15 Uhr verabschiedete sich Kim Jong-un.Da wäre ja dieser absolut wichtige Termin, weswegen er eher fliegen musste. Dr. Meisterprüfer und ich suchten uns eine Bar. Dort saßen wir dann und unterhielten uns. Wir unterhielten uns gut.

Irgendwann gegen 21 Uhr war ich dann am Freitag zu Hause. Geschafft. Nicht von der Arbeit. Sondern von dem Typen und seinem Gefasel. Bei so viel Geschwafel muss man aufpassen, dass man keinen Gehirnkrebs bekommt.

Kommentare:

  1. Auweh. Massiv übergriffiger Chef. Sie haben äh... mein Mittgefühl/Respekt das Sie das freiwillig(?) aushalten da alternativlos(?). Stelle gerade fest das ich bisher mit meinen Chefs sehr viel Glück hatte. Sehr viel. Ich sollte dieses Glück würdigen so lange es anhält...

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    1. Oh, Frau Kira... keine Sorge. Ich bin nicht alternativlos. Klingt vielleicht schlimmer als es. Ich gehöre zu denen, die hier nahezu narrenfreiheit genießen. Daher geht es noch. Und, ich muss zugeben, es bietet gerade einen Vorteil in meiner persönlichen langfristigen Strategie. Daher tue ich mir das noch an.

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  2. Die Überschrift ist so geil :D
    Ich muss immer lachen, über diesen Vergleich mit diesem verrückten Diktator.

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    1. Mein Kollege sagt immer, man sollte die ganzen Geschichten aufschreiben und sammeln. Einen Blog daraus machen oder ein Buch. Nun ja..., Frau Eva... nun ja...

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    2. Und Sie sagen dann, oh dassss ist aber eine gute Idee!

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    3. Genau das, Frau Eva... genau das.

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  3. Ich finde Bars in Flughäfen haben eine ganz besonders zauberhafte Atmosphäre! Da beneide ich Sie jetzt gerade ein wenig.
    Und noch was, lieber Herr MiM: Wie bleiben Sie nur so wunderbar rank und schlank bei all den ganzen Köstlichkeiten?! Noch ein Neid voller Blick...

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    1. Ja, aber wenn man genervt ist, kann man leider die Atmosphäre nicht ganz so genießen, Frau Poesie.

      Und was mein Anblick angeht. Ich beschäftige extra für den Blog ein Stuntdouble ;-)

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  4. Wir hatten mal einen Workshop in Meck-Pomm organisiert und dazu ein kleines Hotel komplett angemietet. Unglücklicherweise war es genau ein Zimmer zu wenig. Da Cheffe und ich keinem Gast das Elend zumuten wollten, nahmen wir zusammen ein Doppelzimmer.

    Kim lag also auch noch nachts neben mir im Bett. Diese traumatische Erinnerung ist durch Ihren Text wieder an die Oberfläche des Bewusstseins geperlt. Danke, lieber Herr MiM. Jetzt lutsche ich wieder Daumen und suche meine alte Schmusedecke!

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    1. Okay, Herr Bonetti, ich sage es mal so... IHRE Geschichte toppt alles. Ich trete Ihnen meine Wartenummer beim Therapeuthen ab und ziehe mir eine Neue. Das macht mir echt Angst, was Sie erzählen.

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    2. Herrlich, hab ich jetzt gelacht :D

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  5. Dass Sie das alles noch immer ertragen wundert mich jetzt sehr. Gibts denn keine anderen Jobs da oben bei Ihnen? Lg, die Frau B.

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    1. Erfahrungsgemäß, Frau B, ist es in der Regel woanders nicht besser, sondern nur anders. Und momentan überwiegen die kurz- und mittelfristigen strategischen Vorteile.

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  6. Ihre Worte treffen es! Ich kenne das aus eigener Erfahrung. Eine Veränderung steht an. Solche Leute ziehen alles runter, jeden, alles wofür sich andere einsetzen wird heruntergezogen, zunichte gemacht und abgewertet. Nur die eigene Superleistung - heiße Luft - ist goldes Wert. Wie gesagt, es steht Veränderung an!

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    1. Ja, langfristig sehr wohl Herr P. Langfristig sehr wohl.

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  7. naja, sie werden am monatsende dafür bezahlt. vermutlich nicht schlecht. also. augen zu und durch.
    wie geht es den drei süßen? und der mama?
    einen schönen abend wünsche ich.

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    1. Ja, momentan ist es wirklich Augen zu und durch, Frau Würfelzucker.

      Und danke, der Großen, der Dicken und der Kleinen geht es gut.

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  8. Ich befürchte, Kim Jong-Un hat eine Zwillingsschwester, die meine Chefin ist. Ja, je mehr ich lese, desto sicherer bin ich.
    Immerhin habe ich nach etlicher Zeit der Sklaverei nun fast den Absprung geschafft und bin sie bald los. Ich wünsche Ihnen gute Nerven!

    Solidarische Grüße
    englerin

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    1. Sklaverei wäre hier ein zu stark gegriffenes Wort. Alltägliche intellektuelle Beleidungung trifft es besser.

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  9. Hallo Herr MiM, ..Respekt. .so viele Dienstreisen..und kein Fleckchen Babybrei auf dem Revers. Eine gute Zeit wünscht Ihnen Frau A.

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    1. Ja, irgendwas muss ich ja auch können, Frau A.

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