Donnerstag, 26. Januar 2017

Upgrades aus der Hölle

Die Reise an sich verlief gut.

Rein in den Wagen. Ab zum Flughafen. Wagen ins Parkhaus. Eingecheckt per App. Alle Habseligkeiten in einen kleinen schwarzen Rimova Trolly. Alles Handgepäck. Durch die Sicherheitsschleuse. Boarding. Sitzplatz am Fenster. Kurz in die Luft. Wieder runter. Hallo Zürich. Mit der Bahn an den Zielort. 

Mit der Schweizerbahn fahren ist ganz anders als in Deutschland. Es geht gesittet zu. Der Schaffner ist betont freundlich. Niemand lärmt während der Fahrt. Aus einem Grund warte ich darauf, dass jemand Fahrstuhlmusik einspielt.

- "Sie reisen ja zu zweit an", sagt die Dame hinter dem Tresen. Blond. Vielleicht Mitte 20. Eingetütet in einer dieser Hotel-Rezeptions-Uniformen die Professionalität ausstrahlen sollen. Billig gemachte künstliche Fingernägel. Durchsichtig matt, der zweite Fingernagel mit kleinen Glitzersternchen. Abwechselnd immer so weiter. Ihrer Aussage konnte ich entnehmen, dass die Suite von Kim Jong-un bereits wieder storniert worden war.

- "Frühstück gibt es ab 6:30 Uhr. Und sie schlafen in Zimmer 421. Wir haben Sie ge-upgraded." Sie lächelt dabei.

- "Upgrade ist immer gut", antworte ich.

Mit meinem Trolly rolle ich in Richtung des Liftes. 4 Etage. Zimmer 421. Ich gehe einen scheinbar nie endenden Gang entlang. Mein Zimmer ist ganz am Ende.  Weiße Wände. Grüne Türrahmen. Alte vergilbte Bilder an der Wand. Roter Teppich. Die Flusen im Laufe der Jahre von unzähligen japanischen Touristen platt getreten. Mit der einer Plastikkarte öffne ich die Tür.

photostudio_1485429284823

Ein Einzelzimmer. Mehr Kabuff. Eine Kammer. Die Nacht wird wird unruhig. Das kleine Zimmer ist aufgeheizt. Die Luft steht. Ich schlafe mit Unterbrechungen. 

Ich stehe gegen 7 Uhr auf. Das Bad ist klein. Aber modernisiert. Nach einer heißen Dusche, ziehe ich mich an und gehe in den Frühstücksraum. Ein Ein Trauerspiel. Ein lieblos angerichtetes Buffet. Die Auswahl ist mies. Aber am Schlimmsten ist der Speck, den man aus Pfanne genommen hatte, bevor er kross wurde. 

Ich will gar nicht wissen, wie das OHNE dieses sagenhafte Upgrade aus gesehen hätte.

Donnerstagmorgen bin ich wieder im Büro in Deutschland. Die Grinsekatze und Buchungsverantwortliche steht in der Bürotür. Ob meine Reise gut verlaufen wäre? Ob alles gepasst hätte?

- "Das Hotel...", ich schaue sie an und bedenke sie mit meinen besonderen süffisanten Lächeln, "das Hotel war eine Katastrophe. Und das Frühstücksbuffet war das Schlechteste, was ich in 20 Jahren gesehen habe."

Mehr als ein Nicken bekommt sie nicht heraus. Die Gesichtsfarbe wechselt. Sie dreht sich um und verlässt den Raum.

Wir werden in diesem Leben keine Freunde mehr werden.

Kommentare:

  1. stellen sie sich nicht so an, herr mim. das liest sich wie meckern auf höchsten niveau. immerhin hatten sie eine ruhige nacht. was machen denn die drillinge und ihre gattin? ich hoffe es geht ihnen gut.

    herzlichst frau würfelzucker.

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Auf höchsten Niveau... schauen Sie sich einmal das Zimmer an, Frau Würfelzucker. Das ist eine Katastrophe. Dagegen ist ein Ibis Hotel mit seinem Frühstück ein Schloß.

      Löschen
  2. Wenn ich nicht wüsste, dass Sie in der Schweiz und ich in Rüsselsheim war, hätte ich ja gesagt, wir waren im selben Hotel. Ihr Hotel fing nicht zufällig auch mit 'B' an und endete mit 'est Western'?

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Nein, es war kein Best Western Hotel. Aber es stimmt. Ich war im letzten Jahr einmal in einem Best Western. In Bensheim. Das war auch so eine Begegnung mit den 70´er Jahren.

      Löschen
  3. Ich weiß gar nicht, wann ich das letzte Mal so ein Einzelzimmer gesehen habe. Dachte, die gibt es gar nicht mehr.

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Ja, Herr AGCC, das dachte ich auch. Ich kenne eigentlich immer nur Doppelzimmer. Ein Einzelzimmer hatte ich das letzte Mal Ende der 90´er in Frankfurt zur Messezeit.

      Löschen
    2. DAS war vermutlich das Upgrade. Sonst hätten Sie die Nacht wahrscheinlich mit einem Unbekannten zusammen im Doppelzimmer verbracht...

      Löschen
    3. Könnte bei mir auch ungefähr in der Zeit gewesen sein, Herr MiM.

      Löschen
    4. Herr AnGarasu, über ein solches Szenario mag ich überhaupt nicht nachdenken wollen.

      Manche Dinge, Herr AGCC, waren früher dann doch irgendwie nicht besser.

      Löschen
    5. Gut geraten, aber ich bevorzuge FRAU AnGarasu. Heute Morgen war ich jedenfalls noch weiblich. ;-)

      Löschen
  4. Mein letztes Upgrade war bei Sixt ein völlig verbeulter Ford :-(

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Fräulein von Sachsen, einen solchen Umstand finde ich nun auch nicht sonderlich erbaulich.

      Löschen
  5. Hey MiM...I didn't realise that they upgraded you to jail :-)

    Oh well...it's Cuba Libre Day. Some things always remain consistent.

    Cheers...
    Frank

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Ja, Cuba Libre Tag. Das ist es, was mich am Leben hält, Frank.

      Löschen
  6. Ich hatte in Sils mal ein so kurzes Bett, dass ich jede Nacht die Matratze auf den Boden gelegt habe und wie ein Hund vor dem eigenen Bett schlafen musste.

    Aber die Schweizer Eisenbahn ist wirklich ausgezeichnet. Die Schweiz und Japan sind der Himmel für Bahnreisende.

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. In einem solchen Fall, sehr geehrter Herr Bonetti, wäre ich wahrscheinlich Amok gelaufen.

      Löschen

KOMMENTAR-ABGABE-GEBRAUCHSANWEISUNG DIE VORHER ZU LESEN IST

Verehrter Leser, verehrte Leserin,

plumpes Duzen ist in diesem Blog verpönt. Duzen dürfen Sie mich, wenn Sie mit mir bereits einmal betrunken die Kellertreppe herunter gefallen sind. Wenn Sie mich nicht Siezen wollen, dürfen Sie mich auch mit "Eure Großartigkeit" und/oder "Oh Unglaublicher" ansprechen.

Ihre Kommentare müssen NICHT meine Meinung widerspiegeln und dürfen auch gerne kritisch sein... an der Sache, an meiner Person.

Habe ich das gesagt? Vergessen Sie es. Ich will schöne Kommentare. Sagen Sie mir wie toll ich bin, feiern Sie mich und schmieren Sie mir Honig ums Maul.

Jegliche Kommentare die mir nicht gefallen oder mich nicht als grandiose und tolle Person darstehen lassen, lösche ich sofort.

Für die restlichen Kommentare gibt es keine genauen Regeln. Ich bin da sehr willkürlich und die Veröffentlichung kann stark von meiner persönlichen Tageslaune abhängen. Und die ist meistens ziemlich mies.

Anonyme Kommentare, außer der mir bekannten üblichen Verdächtigen werden nicht veröffentlicht.

Und wenn Sie mir etwas mitteilen wollen, dann schreiben Sie mir eine Email. Die Kommentarfunktion dient nicht als Kanal für konspirative Mitteilungen.

Ach, Sie finden hier keine Email? Das könnte dann daran liegen, dass ich an einem Kontakt mit Ihnen kein Interesse habe.

Auch ist die Kommentarfunktion auch nicht dazu gedacht einer Ihrer wirren Ideen und/ oder Meinungen eine Plattform zu bieten. Dafür empfehle ich das Schreiben eines eigenen Blogs und diesen in einen Webkatalog für Verschwörungstheorien einzutragen.

Weiterhin dient dieser Blog nicht dazu um persönliche Kontakte zu generieren, Freundschaften zu schließen oder Bekanntschatften mit Frauen aufzubauen. Ich mag andere Menschen nicht sonderlich und ich habe keine Zeit und Lust auf zeit- sowie energieraubende Balzrituale. Dieser Blog dient ausschließlich mir selbst zu zeigen, wie toll ich bin und Sie sowie den Rest der Menschheit als unwürdig dastehen zu lassen.

Ich versuche hier keinen Beliebtheitswettbewerb zu gewinnen.

Gleichzeitig stimmen Sie mit der Abgabe Ihres Kommentars, im Fall meiner Übernahme der Weltherrschaft, der Abschaffung des Frauenwahlrechts, der Einführung eines 24 stündigen frei zugänglichen Amateurpornokanals, der öffentlichen Auspeitschung von Mit-150km-auf-der-linken-Spur-Fahrer und der Einführung des Freitags als offiziellen Cuba Libre Tags zu.