Freitag, 7. Oktober 2016

Tales from Suburbia - Die erste Begegnung der dritten Art

Ich sah den Kerl schon von weiten, als ich mit dem kleinen großen Fräulein über das abgeerntete Kohlfeld ging. Er hatte sein Fahrrad dahin gestellt, rannte zwischen einem Stück Feld, auf dem sich noch Pflanzen befanden und seinen Fahrrad immer hin und her. Ich schenkte ihm im ersten Moment keine Aufmerksamkeit. Wohl auch jemand der ab und an Kohl klaute, war mein Gedankengang. Der Fahrradkorb füllte sich mit Kohl.

Aber der Typ blieb stehen. Hatte sein Fahrrad in der Hand und wartete. Ich ging langsam weiter. Ich schaute nach rechts um zu sehen, was das kleine Fräulein so macht. Und dann erlebte ich etwas, was ich noch nicht kannte. Der Hund ging in Stellung. Drückte seinen Rücken und Beine durch. Die Ohren waren von einem auf den anderen Moment in Hab-Acht-Stellung. Es folgte ein aufmerksames Wuff. Ich blieb stehen. Schaute auf den kleinen Hund. Mir war es nicht ganz geheuer. Zur Vorsicht leinte ich den Hund an. Zum ersten Mal erlebte ich das kleine Fräulein mit solcher Anspannung.

- "Ja, da war sie jetzt etwas verwundert", sagte ich in einem freundlichen Ton.

- "Ja. Aber sie haben sie ja auch jetzt erst angeleint", bekam ich zurück. Mit einer Betonung auf das Wort jetzt erst.

Da hätte ich stutzig werden sollen. Auf einmal ging es los.

Was mir einfiele meine Hund hier frei laufen zu lassen [eine freie Fläche, so groß wie zwanzig Fußballfelder]. Und was ich mich erdreisten würde hier über den Acker zu gehen . Über die landwirtschaftlichen Produktionsanlagen [der Bereich war abgeerntet]. Und mein Hund, der würde hier ja in diesem Grünstreifen stöbern, brütende Vögel stören [brütende Vögel im Oktober?] und wildern [ich denke das ist ein landwirtschaftlicher Produktionsbereich und keine Jagdpacht StGB §292 ?]. 

Und der Kerl hörte gar nicht mehr auf. Im ersten Schritt war ich ein bisschen überrumpelt. Ich entgegnete, dass nicht er entscheiden würde ob mein Hund wildert oder nicht sondern ein Richter. Und das seine Ansicht über den Straftatbestand für mich keinerlei Rolle spielen würde.

- "Als mündiger Bürger, kann ich ihnen schon mal meine Meinung sagen", gab er mir zurück.

Ich legte den Kopf schief.

- "Sind sie der Eigentümer?", fragte ich.

- "Nein."

- "Sind sie der Pächter?", fragte ich weiter.

- "Nein."

- "Dann interessiert mich das, was sie sagen nicht", antwortete ich. Ich zuckte mit den Schultern und ließ ihn stehen. Der kleine Hund trottete neben mir her.

Er schob das Fahrrad an. Überholte mich und schwang sich auf den Sattel. Er drehte sich noch einmal um.

- "Ich will Ihnen sagen, dass ich ihr Verhalten scheiße finde", rief er mich zu.

- "Ja", erwiderte ich. "Aber auch das interessiert mich nicht."

Wir gingen weiter und ließ den kleinen Hund von der Leine.

Mich hat die Begegnung beschäftigt. Und viel später fiel mir ein, dass ich dem Bauern, der die Felder bewirtschaftet, bereits begegnet war. Mit Hund. Er säuberte seinen Traktor, während ich freundlich grüßend an ihm vorbei ging. Er hatte freundlich zurück gegrüßt. Auch an den ganzen Spaziergängen am Morgen über den Sommer hin, wenn ich ihm begegnet war. 

Wenn ich ihn wieder einmal sehe. Ich spreche ihn einfach mal an.

Aus irgendeinem Gefühl heraus, empfinde ich die Begegnung als ziemlich schräg.

Kommentare:

  1. Hallo Herr MiM, solche Menschen kenne ich.. meide ich.. die sind echt ..schräg.Schade dass es diese Sorte gibt. Schöne Grüße an den Hund ..der hat es gleich richtig erkannt.. von Frau A.

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    1. Meiden war in dem Fall nicht möglich, Frau A. Ich bin ihm direkt in die Arme gelaufen.

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  2. Willkommen im Club derer, die immer öfter zum Ziel von Hundehassern werden. Kann man wenig tun, fürchte ich. Ich habe mich schon wegen hundedreck anbrüllen lassen, während in meiner Hand weithin sichtbar der Beutel mit der aufgesammelten wurst meiner töle baumelte.

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    1. Also beim Brüllen, hätte es ruck-zuck-Fresse-dick gegeben, Frau Friederike. Ich hatte bisher keinerlei schlechte Erfahrungen gemacht. Zumal bei dem kleinen Hund bisher alle immer einen Bogen gemacht haben.

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  3. Typischer Fall von "Ups der hat mich erwischt, ich starte mal direkt zum Gegenangriff...!"

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  4. Oh, ich glaube, ich hätte es nicht lassen können, ihn auf den Kohl in seinem Fahhradkorb aufmerksam zu machen. Ob er den wohl bezahlt habe und so ;-)

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    1. Das, Frau Chiefjudy, habe ich mir danach dann auch gesagt. Eigentlich hätte man....

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  5. Ich finde es faszinierend wie deutlich Hunde doch spüren ob ihnen das menschliche Gegenüber genehm ist oder nicht.
    Und sie haben keine Scheu ihre Abneigung auch zu zeigen. Mit einer der Gründe warum ich Hunde so mag.

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    1. Ja, Herr Andi, da war ich auch wirklich überrascht. Es war auch sehr interessant zu sehen, wie sie sich da benommen hat.

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  6. Hatte der Kohldieb eine Kapuze auf oder sonstige ungewöhnliche Bedeckung von Ohren, Augen etc.?
    Das kann die Anspannung des Hundes auslösen/verstärken, weil er die Körperpartien nicht richtig "lesen" kann.

    "Aus irgendeinem Gefühl heraus, empfinde ich die Begegnung als ziemlich schräg."
    Solche Damen und Herren gibt es einfach. Und das nicht zu knapp. Vor allem am Wochenende.

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    1. Nein, gar nicht. Keine Kapuze oder sonstiges. Pullover. Hose. Nicht einmal eine Mütze. Das verrückte war, dass der Hund schon von weitem angeschlagen hat.

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    2. Hm. Dann:
      "Aber der Typ blieb stehen. Hatte sein Fahrrad in der Hand und wartete."
      Der Typ ist demnach
      - von seinem urspünglichen Verhalten abgewichen
      - hat Euch angeschaut oder gar beobachtet?
      - ggf. haben Sie (unbewusst) Ihre Verhalten/Stimmung geändert.
      - das Hundetier hat den Typ erst relativ spät wahrgenommen
      Die Kombination von mehreren dieser Punkte kann bei vielen Hunden sowas auslösen. Speziell bei Junghunden, die dahingehend noch keine Erfahrungen inkl. Lehren durch Besitzer haben.

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