Mittwoch, 12. Oktober 2016

Mein Kollege mit dem AfD Parteibuch

Diese Verschwörungstheorien meines Kollegen mit dem AfD Parteibuches gehen mir langsam gewaltig auf den Wecker.

Entweder eine Nachricht aus aus den Medien lässt sich für die Argumentation seiner Position hernehmen, dann ist sie gut. Ansonsten sind alle Nachrichten gelogen und dienen der Irreführung der Gesellschaft.

Da alle Informationsquellen, die nicht seine Thesen stützen, nur dazu dienen die Menschen dumm zu halten, ist die logische Fortführung die, dass ich mich im Status einen Menschen befinde, der nicht in der Lage ist, sich eine eigene Meinung anhand von verfügbaren Informationen zu bilden.

Was mich an der ganzen Sache unheimlich stört ist der Umstand, dass man mir abspricht ein Mensch zu sein, der in Lage ist, sich in ein Thema einzuarbeiten und sich anschließend ein Urteil zu bilden. Die Wahrheit... die Wahrheit kommt aus dem Mund der AfD. Und das wird man doch noch mal sagen dürfen.

Eine Herausforderung, die ich noch nicht gemeistert habe ist, wie ich mit den pauschalisierten Aussagen dieser Person umgehen soll, weil sie keiner Detailprüfung standhalten und ich diese mittlerweile als intellektuelle Beleidigung auffasse. Nur ist jemand, der seine Willens- und Meinungsbildung in ein post-faktischen Areal verschoben hat, rationalen Argumenten nicht mehr zugänglich.
Ein Beispiel...

- "Also ich möchte jetzt kein Produktmanager des Galaxy Note 7 sein", sage ich.

- "Warum?", fragt mein Heil AfD Kollege.

- "Na ja, weil das Stoppen der Produktion und die Rückrufaktion den Konzern Geld kosten wird. Das gibt eine Delle im Jahresergebnis. Eine richtige Delle...."

- "Das wird es nicht. Das wird alles so weiter laufen."

- "Aha... und warum", frage ich, weil ich die Aussage nicht nachvollziehen kann.

- "Samsung ist ein Staatsbetrieb. Das macht dem nichts aus", sagt der Heil AfD Kollege.

- "Ein Staatsbetrieb?", frage ich stirnrunzelnd nach. Ich bin total irritiert. Ich googel kurz nach. "Nein, das ist eine Aktiengesellschaft", stelle ich fest. "Das ist kein Staatsbetrieb."

- "Dann aber werden sie subventioniert. So wie alle Betriebe in Südkorea."
Ob alle Betriebe in Südkorea subventioniert werden, wage ich zu bezweifeln.

So läuft es immer. Erst wird etwas pauschal etwas behauptet. Dann widerlegt man es. Und im nächsten Schritt kommt die nächste Verschwörungstheorie auf den Tisch. Im Übrigen gibt es den VW Diesel Skandal auch nur, weil die Welt Deutschland in die Knie zwingen will. Behaupten, revidieren, relativieren, neue Behauptung.

Sicher, das mag nur ein kleines Beispiel sein. Vielleicht auch kein sonderlich gutes. Aber zeigt es doch sehr gut, was ich meine. Es wird irgendetwas behauptet, was nicht stimmt.

Es ist für mich verstörend zu erleben, wie aus einer menschlichen Meinung eine Tatsache gemacht wird. Man kann immer anderer Ansicht sein. Das ist auch gut. Und darüber zu streiten ist im Grunde eine sehr konstruktive Sache, wenn es der Suche nach einer Lösung dient. Aber dieses unkritische Festhalten an einer Meinung und diese in eine absolute Wahrheit zu überführen, ist eine für mich ziemlich bedenkliche Entwicklung.

Ich kann die Menschen verstehen, dass sie Zukunftsängste haben. Die Welt hat sich in den letzten 20 bis 30 Jahren sehr verändert. Die klassischen industriellen Tätigkeiten nehmen ab und die Wertschöpfung im digitalen Bereich, nennen wir es Big Data, nimmt zu, ohne im gleichen Verhältnis neue Jobs zu schaffen.

Bei digitalen Wertschöpfungsprozessen spielen klassische Grenzen an den man schützende Zölle erheben konnte, keine Rolle mehr. Und anzunehmen, dass ein Protektionismus die Zeit zurückdrehen kann, halte ich für eine abwegige Vorstellung. Langfristig unterdrückt Protektionismus das eigene Entwicklungspotential und macht die Situation um so schlimmer. Auch eine AfD wird die Gesellschaft nicht wieder in die ´gute alte Zeit´ zurück befördern können. Auch wenn das viele wünschen oder glauben.

Es ist vielleicht nicht die angenehmste Wahrheit, aber die Welt ist dynamisch und es gibt kein Recht auf wirtschaftlichen Wohlstand. Den gilt es sich zu erarbeiten und immer wieder zu verteidigen. Und dazu muss man besser sein als andere. Nur wird man nicht besser als andere, wenn man nur herumjammert, anstatt sich anzustrengen.

Jeder der schreit, er hätte keine Chance gehabt und sei benachteiligt gewesen, den muss man gleichzeitig fragen, was hast Du getan um das zu ändern. Nach Arbeit noch zur Schule gegangen? Zweiten Bildungsweg eingeschlagen? Statt eine Stunde Kochprofis oder Frauentausch zu gucken, sich neues Wissen angeeignet? Nur weil man in einer Welt lebt, in der die Chancen nicht gleich verteilt sind, ist das kein Argument dafür, seine wenigen Chancen auch nicht zu nutzen. Der Staat kann vielleicht mehr Chancen schaffen und für eine Chancengleichheit sorgen, aber aktiv werden, muss man selbst. Man wird nicht zum Erfolg getragen.

Der Status, der Wohlstand den wir heute haben, ist meiner Meinung nach, nicht selbstverständlich.

Ein Flüchtling nimmt niemanden den Job weg. Ein Flüchtling wird eine schlecht bezahlte Arbeit annehmen, zu Konditionen, für die ein Deutscher wahrscheinlich nicht arbeiten gehen wollen würde. Er nimmt niemanden den Job weg, er lässt vielleicht die Deutschen dumm da stehen, die sich zu fein waren, einen solchen Job anzunehmen und statt dessen lieber nach dem Sozialstaat schreien und gerne dessen Transferleistungen in Anspruch nehmen. Auf den Feldern an denen ich mit meinem Hund entlang gelaufen bin, habe ich keine Deutschen gesehen, die Kohl oder Zucchinis geerntet haben. Das waren alles polnische Saisonarbeiter.

Und wenn man schon einmal hinschaut, dann wird man auch sehen, dass die Integration funktioniert. Mein Frisör ist Iraner. Dem gehört der ganze Laden und er beschäftigt fast nur Deutsche. Meine Lieblingsimbiss ist ein kleine nach Fett riechende Kaschemme. Betrieben von einem unglaublich freundlichen griechischen Ehepaar, die das beste Gyros weit und breit machen. In der Ecke steht eine Box. Darin sind Visitenkarten. Von Ihrer Tochter. Die betreibt eine Anwaltskanzlei. Mein Chef ist Ire. Ich arbeite in einem multinationalen Konzern. Wir sind in nicht ganz vierzig Ländern der Welt aktiv. Wir sprechen hier alle ein wüsten Mischmasch aus Deutsch und Englisch. Und es funktioniert.

Im übrigen ist mein AfD Kollege, der sich als gebürtiger Düsseldorfer bezeichnet, nicht in Düsseldorf geboren. In seinem Ausweis steht etwas anderes. Aber dies Düsseldorf, dass ist ihm ganz wichtig.

Kommentare:

  1. Mit Fundamentalisten zu diskutieren, ist sinnlos. Sie kennen nur wenige Argumente, die sie immer wieder in unterschiedlichen Verkleidungen ins Spiel bringen. Es gibt sogar ein Buch drüber: "Wie man mit Fundamentalisten diskutiert, ohne den Verstand zu verlieren: Anleitung zum subversiven Denken"

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  2. Ich finde es auch ungemein anstrengend und nervtötend, mit Menschen zu diskutieren, die rationalen Argumenten und Fakten nicht zugängiglich sind bzw. diese nur dann akzeptieren, wenn sie in ihr Weltbild passen. So sehr ich konstruktive Auseinandersetzungen auch schätze und für eine demokratische Gesellschaft essenziell finde, gehe ich solchen Pseudo-Debatten mittlerweile lieber aus dem Weg, weil sie meiner Meinung nach zu nichts führen.

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