Samstag, 1. Oktober 2016

Das große Vergessen – Die Zeit danach

- “Ich backe Zitronenkuchen”, sagte er.  Eine Stunde später schickte er ein Bild per Whatsapp. Ein 1a Zitronenkuchen. Er hat irgendwo in den Schränken noch eine Backmischung gefunden. Er erzählt, dass er noch den Kühlschrank auffüllen muss. Er brauch Kartoffeln, Speck und Eier.

Er räumt die Schränke aus. Packt die Sachen in Kartons. Will sie einer Bekannten geben. Die soll es irgendwie verkaufen oder einem guten Zweck zuführen. 85 Paar Schuhe hat er an die Seite gestellt. 85 !! Die Hälfte davon nie benutzt. Eigentlich sind es 86. Paar Nummer 86 sind die Hochzeitsschuhe. Die hebt er auf. Alle anderen wird er weg geben.

In den Tagen nach dem Tod meiner Mutter sagte er, er wolle warten bis das nächste Jahr beginnt. Dann würde er wieder damit beginnen Musik zu machen. Mein Vater ist semiprofessioneller Musiker. Eine Rampensau. In der Regel steht er auf der Bühne und gibt Vollgas. Vor ein paar Tagen sagte er, es gäbe da schon wieder zwei Auftritte. Einen im November. Den anderen im Dezember. Spätestens wenn die die Trauerfeier und Beerdigung vorbei sei, würde er wieder mit dem Üben anfangen.

In den ersten Telefonaten wirkte er noch angeschlagen. Mit jedem Telefonat wirkt er gefasster. Stabiler. Das Motorrad hat er auch schon wieder aus der Garage geholt. Das konnte er lange Zeit nicht.

Das soziale Netzwerk um meinen Vater herum, stell sich als äußerst stabil heraus. Besonders die Leute aus seiner Band. Sind immer für ihn da. Fangen ihn auf. Kümmern sich um ihn. Besser geht es nicht.

Er erholt sich schneller als gedacht. Ich mag das.Ich finde es gut.

Kommentare:

  1. Respekt vor dem älteren Herrn. So hart der Verlust für ihn/Sie auch ist, aber das Leben geht nun mal weiter. Ok, das ist eine Scheiß-Floskel, die ich auch hasse, aber es ist nun mal so. Den Übergang scheint er offenbar wunderbar zu meistern. Ich hoffe, dass er und Sie alles gut verarbeiten können.

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    1. Ja, das Leben geht weiter, Herr Borusse. Und ehrlich, ich bin selbst mehr als überrascht, wie schnell und wie gut er sich anpasst. Mir soll es recht sein.

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  2. Hallo Herr MiM mein herzliches Beileid. Ihr Vater und Sie verdienen meinen Respekt für den Umgang mit der Trauer und der Krankheit. Ich wünsche ihnen beiden alles Gute für die Zeit danach.Herzliche Grüße von Frau A.



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    1. Dane, Frau A. vielen Dank. Das wird schon werden.

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  3. Trauerarbeit ist unwahrscheinlich wichtig, dabei spielt die Dauer aber absolut keine Rolle. Qualität vor Quantität sozusagen. Das kann ich auch aus eigener Erfahrung sagen, leider nur für meine eigene Person.
    Schön, dass es bei Ihnen und Ihrem Vater so läuft.

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    1. Frau Holle, ich freue mich für meinen Vater. Und mir soll es recht sein, denn dann muss ich mir weniger Gedanken um ihn machen.

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  4. Die Zeiten eines ganzen Trauerjahres sund zum Glück vorbei und jeder hat nun mal so seine ganz eigene Art mit einem Verlust umzugehen. Trotzdem wird sie ja immer im Herzen ihres Vaters sein, ich schließe mich meinen Vorredner an, das Leben geht nun mal weiter. Ich wünsche Ihnen und Ihrem Vater das es weiter so aufwärts geht und sie noch viele schöne Vater-Sohn-Momente teilen.

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    1. Danke, Fräulein Wunder. Ich denke, da werden noch viele gute Momente kommen. Und je schneller er sich fängt, desto besser.

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  5. Davon können wir alle lernen....aktive Sterbebegleitung hilft glaube ich, daß Ganze allumfassend zu verarbeiten. Vielleicht leben wir dann nach dem Tod eines geliebten Menschen umso intensiver.
    Ich finde das jedenfalls ziemlich gut, wie Ihr Vater das macht. Weiterleben!
    Liebe Grüße, Fr Eva
    P.S.ja gestern Abend ein grottiges TV Programm, sogar der Samstagsfilm auf Disney Channel war Mist. (Sonst laufen da schon mal gerne so Klassiker wie Susie und Strolchi o.ä.) Was zur Folge hatte, dass hier alle früh schliefen, AN EINEM SAMSTAG!!!!! Aber wir haben ja noch heute Abend. Vielleicht geht da ja noch was!?

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    1. Ja, Frau Eva, ich finde es sehr gut, wie er das macht. Viel besser als ich letztlich angenommen habe.

      Btw. Ich wünsche Ihnen, dass da noch was geht. Ich werde irgendetwas mit Alkohol auf dem Sofa machen. Ich bin glücklich, wenn das Bier kalt ist. Mehr Erwartungen haben ich nicht mehr.

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    2. Haha. Ich kam von der Apfelernte nach Hause und meine beiden großen daheimgebliebenen Kinder haben einfach meinen TV in das Zimmer des Sohnes verfrachtet. Thema erledigt, würde ich sagen :D Glas Wein im Bett.

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    3. Weinglas im Bett. Das klingt gut, Frau Eva. Ich durfte nach mit dem ausgestreckten Arm aus dem Bett heraus, an dem kleinen Fräulein herumstreicheln. Sie war maulig. Extrem maulig.

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  6. Das hört sich doch gut an! Ich drücke die Daumen, dass es weiter aufwärts geht!

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    1. Frau Chiefjudy, das wird weitergehen. Das wird gut weitergehen.

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  7. Es ist schön, dass Ihr Vater in seinem Umfeld so aufgefangen wird. Das wird es ihm bestimmt leichter machen. Und es ist gut, dass er ins Leben zurück will. Er hat sich bestimmt schon in den letzten Wochen und Monaten von Ihrer Mutter verabschiedet. Ich hoffe, dass auch Sie den Rückhalt haben, den Sie brauchen.

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    1. Ja, Frau Fusselhamster, es ist schön und sehr beruhigend. Noch eine Baustelle mehr, könnte ich nicht mehr stemmen.

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