Sonntag, 25. September 2016

Das große Vergessen

Ich hatte alles über den Haufen geworfen nach seinem Anruf. Rief noch am Abend meinen Chef an und erklärte, dass die nächsten zwei Tage nicht zur Arbeit kommen würde. Informierte die Nachbarn, dass jemand anderes sich um ihre Katze kümmern müsste, da ich die kommenden Tage nicht zur Verfügung stehen würde. Den Rest des Abends verbrachte ich sitzend auf den Boden. Angelehnt an die Wand. In der rechten Hand ein Bier, mit der Linken den Hund streichelnd.

Am nächsten Morgen packte ich meine Sachen. Verfrachtete den Hund in den Wagen und machte mich auf den Weg. Nach 5 Stunden erreichte ich mein Ziel. Begrüßung, große Umarmung. Vergießen gemeinsamer Tränen.

Er erzählte, er hätte den Raum nur kurz verlassen. Ganz kurz. Nur für zehn Minuten. Als er zurück kam, hatte sie sich davon gemacht. Ihn alleine gelassen. So sagte er. Dann weinte er wieder. Ich stand da und schaute auf das leere Pflegebett, was die Krankenkasse aufgestellt hatte. Ich erinnerte mich an das letzte Weihnachten. Da hatte ich sie zuletzt gesehen. Das war noch bevor sie ein Pflegefall wurde. Es ging so schnell. Manche verbringen in diesem Zustand eine Ewigkeit. Natürlich ist es besser so. Für alle. Aber die Erlösung kam wie ein Faustschlag. Der Tod überrascht immer. Selbst wenn man ihn erwartet.

Er war gefasster als ich angenommen hatte. Die Emotionen kamen wie Wellen. Dann trieb es ihm immer die Tränen ins Gesicht. Wir taten das, was Vater und Söhne wahrscheinlich am Besten können. Den Hund nehmen und spazieren gehen. In Wirtschaften sitzen und gemeinsam ein Bier trinken. In kleinen Restaurants etwas essen. Vater und Sohn Zeit. Mit guten Gesprächen. Und viel Zeit.

Der Bestatter war ein junger Kerl. Wahrscheinlich zehn Jahre jünger als ich. Diese Sorte von Mensch, die einfach zu locker ist um einen seriösen Job wie diesen zu machen. Jemand, dem man ansieht, dass er es eigentlich hasst einen schwarzen Anzug und eine Krawatte zu tragen. In Shorts, mit einem Bier in der Hand hätte er wahrscheinlich einen genau so guten Job machen können. Hätte ehrlicher gewirkt. Sie bekommt es, wie mein Vater es entschieden hat. So wie sie es gewollt hätte. Einfach und schlicht. Ohne viel Aufsehen. Still und leise.

Und während der Bestatter die Beträge zusammen addierte, erklärte er mir die Unterschiede zwischen einen Reihen- und einem Etagenofen im Krematorium. Wie das Holz mit dem Feuer erst getrocknet wird, bevor man zur hohen Temperatur übergeht. Das die Oberschenkelknochen sehr stabil sind und aus diesem Grund noch in einer Knochenmühle zermahlen werden. Das alles gesiebt, zusammengefegt und dann in eine Aschekapsel kommt. Und das man mit einer Etikettierung sicherstellt, dass man auch genau die Asche zur der Person bekommt, die man abgegeben hat.


Ja, da fühlt man sich doch gleich besser.

Kommentare:

  1. Unabhängig vom Anzug - der Mann ist wenig einfühlend. MICH hätte das genervt in dieser Situation. Ich mag nicht wissen, dass meine Angehörigen zermahlen werden. OK; ich weiß es. Aber daran erinnert werden, wenn es aktuell ist? Mag jeder für sich entscheiden, was im Todesfall an einen dringen soll - mir wäre das zu viel Input gewesen.

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    1. Ja, Herr Silberlöffel... Einfühlend war er nicht. Nun gut. Ist so. Haken dahinter.

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