Mittwoch, 3. August 2016

[ Dialoge MB ] - Spieglein Spieglein an der Wand

- "Und wie fühlst Du Dich?", fragt er und ich kann seine Mimik dabei nicht deuten. Konnte ich früher mal. Aber irgendwie ist mir diese Fähigkeit abhanden gekommen. Ich weiß nicht ob es ironisch, zynisch oder ernst gemeint ist.

- "Wie ich mich fühle?" Pause. "Soll das ein Witz sein?" Ich fühle mich verarscht.

- "Ja, ich meine die Frage ziemlich ernst." Der Tonfall ähnelt jemanden, der es nicht mag, wenn seine Aussage in Zweifel gezogen wird.

- "Wie soll ich mich fühlen. Mein Leben ist genau das Gegenteil von dem, wie es hätte sein sollen. Triff bessere Entscheidungen, dann erhälst Du bessere Ergebnisse. Das ist und war meine Leitlinie."

Ich schnaube. Ich spüre wie das Blut unter der Haut Blasen schlägt.

- "Es klingt so, als wärst Du mit Deinen Ergebnissen nicht zufrieden?"

- "Zufrieden? Willst Du mich verarschen? Ich habe versucht ein besserer Mensch zu werden, als der ich einmal war. Rücksicht, Nachsicht und Menschlichkeit habe ich versucht in mein Leben zu integrieren. Und was ist dabei herausgekommen. Jeden Tag wache ich auf und habe Angst, dass mein Leben schlimmer ist als an dem Tag vorher."

- "Und?"

- "Es wird schlimmer. Jeden Tag. Jeden verschissenen Tag."

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