Montag, 22. August 2016

Das große Vergessen

Das große Vergessen mündet in das Warten auf den Tod. Es gibt nichts mehr an das sie sich erinnern würde.

Mein Vater steht jeden Morgen auf und pflegt seine Frau. Wäscht sie. Wickelt sie. Bereitet ihr das Essen und füttert sie.

- "Und...", ich wollte die Frage nicht stellen, musste es aber, "erkennt sie dich noch?"

- "Nein, sie erkennt mich nicht mehr. Sie nimmt noch wahr, dass da jemand ist, aber mehr ist es nicht mehr. Sie schreit nicht mehr. Sie redet. Oder sie versucht es. Sie brabbelt etwas vor sich hin, aber das verstehe ich nicht mehr."

Während er spricht, kann ich hören wie die Gefühle ihn übermannen, der Kloß im Hals größer wird und dann die Tränen kommen. Er weint am Telefon. Ich höre zu. Es fühlt sich merkwürdig an seinen eigenen Vater weinen zu hören.

Das Leben hat eine leere Hülle zurückgelassen.

Alles was da mal war, hat keine Bedeutung mehr.

Im Gegensatz zu ihr, kann ich mich erinnern. Ich erinnere mich an einen Menschen, der verbittert war. Der immer nur Angst vor allem Neuem hatte und jedes Risiko vermied.

Ich habe meine Mutter nie kennengelernt. So als Mensch. Ich habe ein paar Jahre mit ihr verbracht. Aber der Mensch dahinter, den habe ich nie kennengelernt. Sie wollte geliebt werden. Von der Familie. Von ihrer Familie. Das weiß ich. Dafür war sie bereit sie bereit sich bis zu Unkenntlichkeit selbst zu verbiegen. Selbstverleugnung bis an die Grenze des Machbaren. War einer der Gründe warum ich die Familie vor 16 Jahren verlassen habe. Liebe die man erbettelt muss, ist keine Liebe. Wenn vielleicht geheuchelte Almosen, die einem zugeworfen werden. Aber keine Liebe.

Ich warte. Ich werde jetzt warten bis zu dem Tag, an dem das endlich vorbei ist.

Hoffentlich geht es schnell.

Kommentare:

  1. Herr MiM, das liest sich alles so schrecklich.
    Vielleicht kann es ihr Vater ihrer Mutter ein wenig leichter machen. Ich habe vor kurzem einen Bericht über den Drummer von Fury in the slaughterhouse gesehen. Der macht mit anderen Musikern zusammen bei einem Projekt mit, wo sie regelmäßig in Krankenhäusern vor Alzheimer Patienten spielen. Sie spielen nur Lieder aus der Kindheit und Jugend der Patienten. Und die Resultate sind faszinierend.
    Vielleicht sollte ihr Vater der Frau Mutter Musik aus ihrer Zeit vorspielen. Das heilt zwar nicht, aber an Musik erinnern sich die meisten, und macht die Sache nicht ganz so schwer. Vielleicht kommt wenigstens ein bisschen Regung zurück, und wenn es nur ein Lächeln ist.

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Ja, Herr Andi... schön ist das nicht. Im Gegenteil, es ist eine ziemliche endgültige und brutale Angelegenheit. Vor weil das Ende ziemlich genau vorgezeichnet ist.

      Mir gefällt die Idee mit der Musik. Ich werde ihm das einmal vorschlagen.

      Löschen
  2. Hallo Herr Mim, ich habe meine Mutter die letzten Jahre 5 Jahre bei einem wöchentlichen Kaffeetrinken kennengelernt...und mich gleich mit. Jetzt wo sie nicht mehr da ist verstehe ich mich auch besser..mit mir. klingt etwas seltsam..stimmt aber.Viel Kraft für diese Zeit wünscht Ihnen Frau A









    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Freut mich, Frau A, dass Ihnen das gelungen ist. Vielleicht bin ich ein wenig neidisch.

      Löschen

KOMMENTAR-ABGABE-GEBRAUCHSANWEISUNG DIE VORHER ZU LESEN IST

Verehrter Leser, verehrte Leserin,

plumpes Duzen ist in diesem Blog verpönt. Duzen dürfen Sie mich, wenn Sie mit mir bereits einmal betrunken die Kellertreppe herunter gefallen sind. Wenn Sie mich nicht Siezen wollen, dürfen Sie mich auch mit "Eure Großartigkeit" und/oder "Oh Unglaublicher" ansprechen.

Ihre Kommentare müssen NICHT meine Meinung widerspiegeln und dürfen auch gerne kritisch sein... an der Sache, an meiner Person.

Habe ich das gesagt? Vergessen Sie es. Ich will schöne Kommentare. Sagen Sie mir wie toll ich bin, feiern Sie mich und schmieren Sie mir Honig ums Maul.

Jegliche Kommentare die mir nicht gefallen oder mich nicht als grandiose und tolle Person darstehen lassen, lösche ich sofort.

Für die restlichen Kommentare gibt es keine genauen Regeln. Ich bin da sehr willkürlich und die Veröffentlichung kann stark von meiner persönlichen Tageslaune abhängen. Und die ist meistens ziemlich mies.

Anonyme Kommentare, außer der mir bekannten üblichen Verdächtigen werden nicht veröffentlicht.

Und wenn Sie mir etwas mitteilen wollen, dann schreiben Sie mir eine Email. Die Kommentarfunktion dient nicht als Kanal für konspirative Mitteilungen.

Ach, Sie finden hier keine Email? Das könnte dann daran liegen, dass ich an einem Kontakt mit Ihnen kein Interesse habe.

Auch ist die Kommentarfunktion auch nicht dazu gedacht einer Ihrer wirren Ideen und/ oder Meinungen eine Plattform zu bieten. Dafür empfehle ich das Schreiben eines eigenen Blogs und diesen in einen Webkatalog für Verschwörungstheorien einzutragen.

Weiterhin dient dieser Blog nicht dazu um persönliche Kontakte zu generieren, Freundschaften zu schließen oder Bekanntschatften mit Frauen aufzubauen. Ich mag andere Menschen nicht sonderlich und ich habe keine Zeit und Lust auf zeit- sowie energieraubende Balzrituale. Dieser Blog dient ausschließlich mir selbst zu zeigen, wie toll ich bin und Sie sowie den Rest der Menschheit als unwürdig dastehen zu lassen.

Ich versuche hier keinen Beliebtheitswettbewerb zu gewinnen.

Gleichzeitig stimmen Sie mit der Abgabe Ihres Kommentars, im Fall meiner Übernahme der Weltherrschaft, der Abschaffung des Frauenwahlrechts, der Einführung eines 24 stündigen frei zugänglichen Amateurpornokanals, der öffentlichen Auspeitschung von Mit-150km-auf-der-linken-Spur-Fahrer und der Einführung des Freitags als offiziellen Cuba Libre Tags zu.