Mittwoch, 13. Juli 2016

McDonalds & Direkte Demokratie

Also die Briten ihren Austritt aus der EU per Volksentscheid proklamierten, feierte mein AfD Kollege dieses als Beispiel für Kraft der Stimme des kleinen Mannes. Das Volk hat entschieden. Nicht die politische Elite.

Ich persönlich denke, dass die direkte Demokratie per Volksentscheid sicherlich einen gewissen Charme hat, ich aber bezweifele, dass Volksentscheide zu besseren Ergebnissen führen.

Ein Volksentscheid oder die Ausübung des Wahlrechtes ist auch nur ein sehr kleiner Teil des politischen Prozesses. Zur politischen Teilhabe gehört meiner Ansicht nach die Mündigkeit. Darunter verstehe ich, sich ein Wissen über die gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Prozesse, die ein Land betreffen, anzueignen. Sich selbst in Kenntnis zu setzen. Also nicht... von nichts eine Ahnung aber zu allem eine Meinung.

Hier haben wir den ersten Knackpunkt. In den letzten Jahrzehnten haben die Parteien in Deutschland kontinuierlich Mitglieder verloren. Abstimmen mag jeder, aber Zeit opfern und sich einbringen.... ne, dass ist dann doch vielleicht etwas zu anstrengend. Und Zeit kostet das auch. Zeit in der man dann nicht Frauentausch oder Casting Shows gucken kann.

Der Vorteil des Wählers oder des Protestwählers ist der des Theaterkritikers. Man darf kritisieren und zerreißen ohne in die Gelegenheit zu kommen, es besser machen zu müssen und selber ein Theaterstück zu schreiben.

Als ich die Tage bei McDonalds stand konnte ich erleben, wie einige Rheinländer vor dem Schalter standen und bemüht waren, eine Bestellung aufzugeben. Und sie scheiterten kläglich. Sie brauchten Hilfe, weil sie nicht in der Lage waren die Systematik einer McMenü-Bestellung zu erkennen. Bei der McMenü Bestellung handelt es sich um ein System, welches weltweit und länderübergreifend eingesetzt wird. Willkommen in der Systemgastronomie.

























Und nun machen Sie sich einmal bewusst, dass solche Menschen, die vielleicht nicht einmal in der Lage sind ein McMenü zu bestellen und/oder einen Fahrkartenautomaten der Deutschen Bundesbahn zu bedienen, Entscheidungen über hoch komplexe und vernetzte Systeme fällen werden.

Fragen Sie sich, ob sie solchen Menschen eine Stimme über ihre Zukunft geben wollen oder es vielleicht doch einen Sinn macht, da noch eine parlamentarische Zwischenstufe zu haben, die vielleicht nicht ganz so perfekt funktioniert, aber noch regulierend eingreift.

























Was ich damit sagen will ist nicht, dass man Menschen nicht an Entscheidungen teilhaben lassen sollte, sondern das mit dem Recht einer Wahl auch die Pflicht zur Verantwortung gegenüber der Gesellschaft einher geht.

Protest ist legitim und ist in einer demokratischen Gesellschaftsordnung ein wichtiges Instrument. Aber alle Instrumente sind auch mit einer Verantwortung verbunden.

Schauen Sie nach UK. Dort haben die, die am lautesten nach dem Brexit geschrieben haben, sofort das Handtuch geworfen, als es dann darum ging Verantwortung zu übernehmen.

Schauen Sie sich an, wie die AfD sich in Baden Würtemberg aufführt. Nach der Wahl verlagert sich das Interesse weniger auf die konstruktive Mitarbeiter sondern vielmehr auf das durchsetzen von persönlichen Machtinteressen. Womit sie die Mitglieder der Protestparteien dann auch nicht groß vom Rest unterscheiden.

Ich meine, dass man der politischen Elite sehr wohl vorwerfen kann, dass sie aufgrund einer vermeintlichen intellektuellen Überlegenheit nicht gerade dazu beigetragen hat, dass sich die Gesellschaft verstanden und mitgenommen fühlt. Immer wenn man das Gefühl bekommt, das eigene Wort spielt keine Rolle mehr, folgt eine geistige Entfremdung.

Ziel muss eine Wiederannährung der Politik an die Gesellschaft sein. Dazu muss die Politik dem Souverän annähern mit einer entsprechenden Sprache und sinnvollen Möglichkeiten der Mitgestaltung und beim Souverän der Wille zur Mitgestaltung eingefordert werden.

Denn wenn niemand sich mehr einbringt und Verantwortung übernimmt, wird es die Dinge nicht besser machen.

Kommentare:

  1. Hinweis: die Deutsche Bundesbahn gibt es bereits seit 1994 nicht mehr. Okay, das ist noch nicht so lange her, also praktisch Neuland. Aber vielleicht liegt es daran, daß niemand Automaten der Deutschen Bundesbahn bedienen kann, weil es sie eigentlich nicht mehr gibt. ^^

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    1. Genau solche Hinweise auf dem Level bringen die Dinge richtig weit nach vorne. Richtig weit....

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  2. Also, ich glaube, das kann man nicht treffender formulieren. Chapeau!

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    1. Wissen Sie, Herr Blogspargel, wenn es etwas bewirken würde, wäre ich mehr zufrieden.

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  3. Hervorragend formuliert, Herr Mim. Wann lassen Sie sich aufstellen?

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    1. Wenn ich mir sicher bin, dass die einzig abgegebene Stimme nicht von mir selber ist, Frau Molly.

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  4. Gegen alles sein ist das Privileg der bildungsfernen Schichten. Selbst wenn keine Ahnung vorliegt, wird jedoch wenigstens die Meinung vertreten.

    Demgegenüber steht das politische Phlegma der bildungsnahen Schichten. Obwohl die intellektuelle Ausstattung für eine differenziertere Meinungsbildung vorhanden wäre, hört das politische Bewußtsein am Tellerrand auf. Hauptsache es wird an der 24h-Kita gearbeitet und Fleisch essen wird verboten. Großpolitisches Lieblingsmotto: da kann man eh nix machen.

    Da frag ich mich, was mir lieber ist!

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    1. Ich persönlich habe nicht gegen Meinungen. Nur, und damit tue ich mich schwer, sind sie oftmals bei genauerer Nachfrage einfach subversiv, kaum fundiert und auf niedrigen Niveau.

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  5. In Zeiten der unsteten Massen, Hysterien, Petitionen und Aufschreie ist dringend von jeder Verlagerung von repräsentativer hin zu direkter Demokratie abzuraten. Ansonsten ist es ganz schnell vorbei mit der Demokratie an sich.
    Die Gefahr geht hierbei allerdings IMO nicht von der geringen politischen Bildung der Wahlberechtigten aus, die war immer schon verbesserungswürdig. Sondern von einer Schnelllebigkeit, an die sich die Gesellschaft auch in ihrem Wahlverhalten angepasst hat. Und von einer (subjektiven) Wahlfreiheit die es in diesem Ausmass so auch nie gab.

    Meinungsbildung heisst seit eh und je seine Zeit damit zu verbringen, sich seine vorgefertigte Meinung bestätigen zu lassen. Früher wie heute wird sich eine Meinung nicht selbst erarbeitet. Wechseln die angebotenen Meinungen aber zu schnell oder sind zu vielfältig, wird sie beliebig. Und genau hier beginnt es weh zu tun. Wo es früher 2 Meinungen zu einem Thema gab, beide mit gewichtigen Argumenten belegt. Dort gibt es heute unzählige Meinungen, die alle keiner belegbaren Argumentation stand halten. Aber warum auch? Die kollektive Vergesslichkeit wird einem Fehlentscheidungen nicht nachtragen.

    *seufz* Aber was rege ich mich auf?
    So ist das mit alten Säcken; Der positive Effekt den die wachsende Weisheit auf die Dinge hat, die man wirklich beeinflussen kann, wird aufgefressen vom Zynismus auf alles Andere.

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    1. Ja, Herr Nugger, da stimme ich Ihnen zu. Das kann mit der Demokratie sehr schnell vorbei sein.

      ja, die Schnelllebigkeit der Gesellschaft ist eine Herausforderung. Nun wage ich zu behaupten, dass die Schnelllebigkeit im Wahlverhalten einher geht mit einem Bildungsgrad. Wobei ich denke, dass die Lebensgeschwindigkeit sicherlich eine der Herausforderungen darstellt.

      Ich denke, dass es die Meinungsbildung, die auf einem Erkenntnisgewinn beruht, der bessere Weg ist. Er ist schwierig. Wobei es natürlich nie wirklich das Richtige oder das Falsche gibt. Es spielen immer Interessen mit hinein und persönliche Ansichten.

      Darum nennt es sich ja auch Politik.

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  6. Zum Thema: http://www.livescience.com/18706-people-smart-democracy.html

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    1. Interessanter Artikel, Herr Robert... aber wenn ich schon falsch liege, dann auf einem hohen Level.

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    2. Ich sehe in dem Artikel eher die Erklärung bzw. wissenschaftliche Bestätigung ;)

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    3. Der gute Dunning-Kruger-Effekt, man kan ihn fast auf jede Lebenslage anwenden!

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  7. Das ist mir aus dem Herzen geschrieben; wie Recht sie doch haben. Danke

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  8. Mhm. Letztens eine ganz ähnliche Diskussion mit ein paar Kollegen geführt - ich war die einzige gegen direkte Demokratie... hatte nur kein so schönes Beispiel parat. Sie verstanden nicht als ich sagte, ich würde mir so eine Entscheidung wie "EU oder nicht EU" gar nicht zutrauen. "Du hast doch sogar studiert!" Ja, aber keine Politik etc. Und auch nicht gelernt. Und Naturwissenschaftler können nicht automatisch auch Politik. Verständnisloses Kopfschütteln - "aber das ist doch ganz einfach, da braucht man doch gar nicht lange nachdenken (sic!)" Ich fragte wann er kandidiert. Er sagte, ne das überlässt er den Idioten. Mein schallendes Gelächter daraufhin hat er auch nicht kapiert. Leider.

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    1. Ja, Frau Kira. Das kann ich verstehen. Solche Situationen empfinde ich als sehr gruselig.

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