Mittwoch, 18. Mai 2016

Das große Vergessen

Ich höre nicht oft etwas von meinem Vater. Er selbst ruft von alleine nicht an. Er will niemanden zur Last fallen. Will keine Hilfe. Macht lieber alles mit sich selbst aus. Nur gehört er leider nicht zu denen, die das besonders gut können. Ist eher eine Feststellung als ein Urteil. Die Telefonate sind weniger geworden. Je schwieriger die Situation wird, desto größer werden die Abstände zwischen den Gesprächen.

In diesen Phasen denke ich über das Verhältnis zu meinen Eltern nach. Insbesondere über das zu meiner Mutter. Im Grunde eine Endlosschleife. Es führt zu keinem Ergebnis.

Der Bruch zwischen uns kam als ich 15 war. Unsere Beziehung hat sich davon nicht erholt. Es wurde über die verbleibenden Jahre nicht besser. Eher schlechter. Ich würde nicht behaupten, dass es eine jemals eine stabile Bindung oder Beziehung zu einander gab.

Bei Demenz, so sagt man, nimmt man zu Lebzeiten von einem Menschen Abschied. Ich frage mich, wie will man sich von jemanden verabschieden, den man nicht einmal kennt?

Kommentare:

  1. Mitunter festigt sich eine Eltern-Kind-Beziehung trotz einer Differenz oder gar einem Bruch mit den Jahren, der Lebenserfahrung beider Teile, üblicher Weise durch ein anderes einschneidendes Erlebnis oder eine Situation (sage ich nun aus eigener Erfahrung).

    Selbst wenn wir, Herr MiM, uns nicht kennen, bedauere ich aufrichtig, dass Ihnen und Ihrer Mutter die durch die Demenz verursachte Möglichkeit genommen zu werden scheint.

    Väter tun sich zumeist schwer in Sachen Hilfe annehmen. Erst recht vom eigenen Kind - das man ja immer bleibt.

    Wie wichtig ist Ihnen selbst die Bindung? Ihren Vater beim Abschiednehmen begleiten, könnte die Vater-Sohn-Beziehung womöglich stabilisieren und Sie einen Weg finden lassen, auf Ihre Weise und irgendeine Art doch Abschied von Ihrer Mutter nehmen zu können.

    Herzlichst, Frau Krümelmonster

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    1. Ja, vielleicht haben Sie recht, Frau Krümelmonster. Es ist nur etwas ärgerlich, da ich letztlich einen Teil dessen, was nun versäumt wird, am Ende mit gerade ziehen muss.

      Ich stelle mir die Frage, muss ich überhaupt Abschied nehmen. Fehlt mir etwas? Und selbst die Frage kann ich nicht einmal beantworten, weil mir der Bezug fehlt. Man ist Spieler in einem Spiel, in das man eigentlich nicht gehört, Frau Krümelmonster.

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    2. Und genau da ist der Anfang, Herr MiM. Sobald Sie sich die Frage beantworten können, ob Sie nach Ihrem Empfinden überhaupt Abschied nehmen müssen, können Sie auch entscheiden, ob Sie im Spiel bleiben oder nicht. Ich wünsche Ihnen viel Erfolg dabei - selbst wenn ich das Wort "Erfolg" in diesem Kontext für nicht wirklich angemessen halte.

      Herzlichst, Frau Krümelmonster

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  2. Warum eigentlich sentimental werden und sich selbst belasten? Immer vorausgesetzt, dass genau diese Person, welche nun Hilfe braucht, auch nicht für den Helfer da war, als dieser Hilfe benötigt hätte.

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    1. Oh, Herr Silberlöffel, ich belaste mich nicht wirklich damit. Ich denke darüber nach. Es mehr Analyse als Belastung. Es geht auch nicht um etwas zurückzuzahlen. Ich frage mich nur wo ich stehe und wie weit ich von den anderen Spielfiguren gefühlt bzw. tatsächlich entfernt bin.

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    2. Ich glaube, ich ahne, was Sie meinen. Manchmal frage ich mich auch, warum mir sogar recht eng stehende Menschen doch relativ egal sind. Aber ich fahre gut damit und lebe ruhiger als früher.

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    3. Bingo - Das, Herr Silberlöffel, bringt es so ziemlich auf den Punkt. Haargenau.

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  3. es ist vermutlich weniger ein sich von der anderen person verabschieden als ein frieden schliessen, auch mit sich selbst und einem teil der eigenen geschichte, die, ob man will oder nicht, zu einem gehört, und dazu rate ich ihnen sehr. ein späterer sinnungswandel möchte zu spät kommen .. wie mancher wünschte, die uhr zurückdrehen zu können und die möglichkeit dazu zu bekommen. sie tun es - wenn - (vor allem) für sich selber! allein die tatsache, dass sie sich diese frage stellen, deute ich als zeichen, dass sie viel näher dran oder drin sind, als sie wahr haben wollen. DA sein, bewusst da sein, reicht, mehr können sie in diesem zustand ohnehin nicht erwarten. und ja, wie frau krümmelmonster schreibt, was die beziehung zu ihrem vater anbelangt, mag die erfahrung, dass sie jetzt da sind, viel bedeuten und ändern. ich wünsche ihnen von herzen viel glück!

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    1. Friedenschließen... ja, vielleicht, vielleicht auch nicht. Ich denke mehr, dass es immer noch das Ringen um die eigene Position ist.

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