Mittwoch, 4. Mai 2016

Das große Vergessen.

- "Und, wie geht´s Euch", frage ich.

- "Ach, es wird immer schlimmer. Es geht eine Zeit. Dann hat sie einen neuen Schub. Danach ist es meistens schlechter als vorher."

Er erzählt, dass es schlimmer wird. Zwischenzeitlich hat er einen Rollstuhl angeschafft. Meine Mutter kann noch nur kurze Strecken gehen. Der Rollstuhl hilft den Bewegungsradius zu vergrößern. So wie ich ihn verstehe, kommen die Schübe in immer kürzeren Abständen. Meistens ist es hinterher schlimmer als vorher. Es wird schlimmer.

Mittlerweile wird sie panisch, wenn er nur kurz in den ersten Stock geht und sie nur für einige Minuten alleine lässt. Alleine sein ist für sie die Hölle. Manchmal, wenn es ganz schlimm ist, dann vergisst sie wer er ist. Dann wieder beginnt sie ihn zu beschimpfen.

- "Ich werde prüfen, ob sie nicht vielleicht in eine komplette Betreuung kann. Es geht so nicht", sagt er. "Vielleicht im Herbst. Gegen Ende des Jahres."

- "Eine gute Idee", antworte ich. "Wenn ich helfen kann, dann sage es."

Immerhin. Er erkennt, dass er selbst auf der Strecke bleiben wird, wenn es so weiter geht. Damit wäre niemanden geholfen. Sicher kein leichter Schritt, aber es klingt, als wäre es wirklich sein Plan.

- "Ich gebe Dir noch einmal Deine Mutter", sagt er und reicht mir den Hörer."

- "Hallo MiM", sagte sie.

Immerhin, sie weiß wer ich bin, aber das hat er ihr kurz vorher gesagt. Dann beginnt sie zu erzählen. Absolut wirr. Da ist kein Sinn mehr in den Sätzen. Manche Wörter sagt sie doppelt. Als wenn die Nadel auf der Platte springt. Dann fängt sie an zu weinen. Spricht weiter. Weint wieder.

Und dann stehe ich da. Habe jemanden am Telefon aber... meine Mutter, die Persönlichkeit ist weg. Sie ist nicht mehr da.

Ich erinnere mich an meinen Nachbarn. Er erzählte, sein Vater ist soweit, dass er vergessen würde zu schlucken. Das sind die Situationen wo dann Speisereste in die Luftröhre fallen und anschließend die Menschen an einer Lungenentzündung sterben.

Kommentare:

  1. Puuuhhh...
    Starker Tobak! Kenne das in ähnlicher Form. Ich wünsche viel Kraft!

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    1. Danke Herr Ralf, schauen wir mal, wie sich das weiter entwickelt.

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  2. Leider hat Ihr Nachbar nur zu sehr recht. So war es auch bei uns. Wir haben damals einer Magensonde zugestimmt. Heute? Würde ich das nicht mehr so handhaben, da es gegen Ende das Leid nur unnötig lange aufrecht erhält. Klingt hart für jemanden, der es nicht selbst miterlebt hat. Für den/die Kranke/n ist es aber wirklich eine Erlösung. Gerade eben kommen wieder so viele Erinnerungen hoch.... Ich wünsche Ihnen von Herzen Stärke.

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    1. Sie sagten das ja bereits schon öfters, Herr Silberlöffel. Das verrückte ist, und ich weiß nicht ob eine solche Denke politisch korrekt ist, würde ich mir wünschen, dass es auf der letzten Gerade zum Ende hin, schneller gehen würde. Einfach, damit es endlich vorbei ist.

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    2. Und wem nützt eine PC, wenn dafür mit/unter Leiden gestorben werden muss? Dann lieber die Dinge beim Namen genannt, angepackt und ein würdiges Ende möglich gemacht.

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    3. Herr Silberlöffel, wir sind da absolut auf einer Linie.

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  3. Das kann ich aus eigenem Erleben nachempfinden. Da steht man dann da ....
    Bewahren Sie sich Ihre "Annabelle-Natur", - also: herrlich intellektuell, wunderbar negativ und so erfrischend destruktiv ....

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    1. Ich werde mir die größte Mühe geben, Herr Drago.

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