Montag, 11. April 2016

Vorstellungsgespräche

Es ist immer wieder spannend, aber ehrlich gesagt, hasse ich sie.

Vorstellungsgespräche.

Ich hasse es, wenn ich mich irgendwo beworben und ein solches Gespräch dann der Backe hatte. Und wenn man auf der anderen Seite sitzt, wo man einen Bewerber gegenüber sitzen hat, ist es auch nicht schöner.

Chef ist jedenfalls der Meinung, ich sollte dringend an diesem Gespräch teilnehmen. Ich sollte mir den Bewerber, den er eingeladen hatte, einmal genauer ansehen.

Im Grunde genommen ist es kein Vorstellungsgespräch. Mein Chef hält eine riesige Ansprache, was er nicht alles vor hatte, wie toll dieses Unternehmen ist, was man hier nicht alles erreichen könnte und was es nicht für grandiose Perspektiven in diesem Laden gäbe, der ja finanziell auf soliden Beinen stehen würde.

Anstatt den Bewerber auf links zu drehen und ihn sich ein bisschen präsentieren zu lassen, Fragen zu stellen, redet er in einer Tour. In den vergangenen zwei Stunden kommt der Bewerber lediglich 15 Minuten zu Wort, den Rest der kleine Selbstdarsteller.

Am Schlimmsten sind dann diese flapsigen, plumpen kumpelhaften Kommentare während des Gesprächs.

- "Ich denke", er lacht locker und gelöst, "wir sind schon ein nicht so schlechter Arbeitgeber." Es folgt eine kurze Paus. Dann schaut er in meine Richtung. "Oder MiM?"

Ich sitze da und lächele.

- "Wissen Sie", sagt er dann noch, "der Herr MiM ist hier einer wenigen, die wirklich diese Nummer mit den Zahlen von der Pike auf gelernt hat. Und der Herr MiM hat da ein wirklich wichtiges Projekt in einer unseren Auslandsbeteiligungen vor Ort durchgezogen. Das soll uns helfen, die Gesellschaft dort wieder so richtig profitabel zu machen."

Ich lächele immer noch. Arschkriecher. Das Projekt hätte man sich schenken können. 3 Monate für nichts. Weil sich, wie sich herausstellte, er gar nicht die Macht & Position inne hat wirklich etwas ändern. Es verlief alles im Sand. Man hätte so viel machen können, aber... nun ja geschenkt.

- "MiM, hast Du noch irgendwelche Fragen an Herrn ´ich komme aus der Prüfung und versuche jetzt mal Controlling´ ", fragt mich mein Chef.

Ich blicke auf den Lebenslauf und schaue mir den Kandidaten an.

- "Ich habe nur zwei Fragen", sage ich. Der Kandidat schaut mich leicht verunsichert an. "Sagen Sie einfach, was Sie brauchen um einen guten Job zu machen? Wie muss das Umfeld aussehen? Und dann möchte ich von Ihnen wissen, womit Sie überhaupt nicht klar kommen."

Mein Chef zuckt zusammen, schaut mich an, und beginnt fleißig Notizen zu machen.

Mein Gegenüber freut sich auch mal etwas sagen zu dürfen und gibt umfassend Auskunft über seine Erwartungen, was er braucht um gute Arbeit zu leisten und womit er in seinem beruflichen Umfeld überhaupt nicht klar kommt.

Von dem was er für gute Arbeit braucht, haben wir nichts oder sagen wir, sehr wenig.

Von dem was gar nicht geht, haben wir mehr als genug. Überfluss trifft es besser.

Nach mehreren anderen Gesprächen, mit anderen Kandidaten, in denen mein Chef genau meine Fragen stellt und in denen ich meine Zeit vergeude, wird er den Herrn Herrn ´ich komme aus der Prüfung und versuche jetzt mal Controlling´ einstellen. Weil er günstiger ist. Weil er 30 TEUR im Jahr sparen kann, als hätte er den Profi eingestellt. Weil er jünger ist und so unerfahren, dass er dem Chef nicht gefährlich werden kann.

Kommentare:

  1. Ach ja. So läuft es immer und überall. Jedenfalls hier auch. Gold verlangen aber nur Plastik zahlen. Und sich dann 1 Jahr später wundern das der Kandidat ja "nix bringt" " eine Nullnummer ist" Ach. Wie sollte der auch. Er hatt ja nie ne Chance und war der Falsche fü die Stelle. Aber schön jung, billig und formbar. Und dann geht der Kandidat weil er nämlich schlau ist. Und dann wir wieder geheult. Das man ja keine guten Leute bekommt. Und wir vor Ort dürfen uns weiter verheizen. Oder wir sind auch schlau. Ich befürchte nur das es nirgendwo anders besser ist. Zeigen jedenfalls meine Analysen in meinem Bereich... Na ja. Schaun mer mal.

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    1. Ich muss Ihnen widersprechen, Frau Kira. Nicht immer und überall. Ich habe schon einmal eine gute Erfahrung gemacht.

      Hier ist es allerdings extrem.

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    2. Wow! Wo? Da will ich hin... und warum um Himmelswillen sind Sie da weggegangen? Ich hatte bisher immer nur diese eine Erfahrung, egal wo - ok in verschiedenen Schweregraden...

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    3. Weil die Bude verkauft und filetiert wurde. Und das Angebot, dort noch etwas länger zu verweilen, einfach finanziell nicht so wirklich reizvoll war, Frau Kira.

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  2. Warum kommt mir das alles so bekannt vor ;-)

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    1. Ich weiß es nicht, Herr Bohli... ich weiß es nicht. :-)

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  3. Tja, und dann saß ich als Produzent solchen Typen im Büro gegenüber und habe ihnen erklärt, was sie da eigentlich von mir kaufen... Immer und immer wieder. Bis ich nicht mehr wollte.

    Meine Meinung? Solche Cheffen bringen ganze Betriebe zu Fall mit ihrer royalesken Selbstherrlichkeit.

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    1. Ja, Herr Silberlöffel, da haben Sie recht. Da steuern manchmal Menschen ganze Bereiche und fahren den Karren so weit in den Sand, dass es nicht mehr vor und zurück geht. Und am Ende sind dann immer die anderen Schuld.

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  4. Herr MiM, Sie sollten diese betrieblichen Geschichten noch ein bisschen ausbauen und das Drehbuch für einen Film schreiben, oder besser Komödie. Das Ding läuft bei mir schon als Kopfkino, und ich sitze da und grinse vor mich hin. (Wieso kommt mir jetzt immer Hubert und Staller in den Sinn? Keine Ahnung.)

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    1. Die besten Geschichten, Frau Holle, schreibt das Leben. Im Grunde ist es eine traurige Komödie.

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  5. Aber im Grunde fing das Übel doch früher an: jemand hat den Chef dort eingestellt... vermutlich lief das genauso... oder es gab nicht mal ein Gespräch dieser Art. Je höher die Position desto weniger kritisch ist die Auswahl. Läuft aus meiner Sicht in eigentümergeführten Unternehmen - im Gegensatz zu investorengeführten Unternehmen - anders. Seufz!

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    1. Ich muss an dieser Stelle sagen, dass ich bisher in investorengeführten Unternehmen besser Erfahrungen gemacht habe, als in den Inhabergeführten.

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