Freitag, 8. April 2016

Midlife crisis in progress

Da steht man(n). Mitte 40. Mit einem Plan in der Tasche, der nur bis Mitte 30 reichte. Das gesetzte Ziel wurde vor der Deadline als erledigt von der Liste gestrichen.

Das Gewollte hatte das Leben nicht im Angebot. Oder doch? Vielleicht zum falschen Zeitpunkt. Ich weiß es nicht. Bin mir da nicht so sicher. Instabile Zustände stabil zu halten ist ein frommer, aber nicht praktikabler Wunsch.

Ich schaue zurück und kann sagen, dass ich bisher ein sehr spannendes Leben geführt habe. Ich habe viel erlebt. Mein Kopf ist voll mit tollen Erinnerungen. Wenn ich zu mir selbst ehrlich bin, dann habe ich mehr gute Erlebnisse als schlechte gehabt. Kein Grund sich zu beschweren.

Und selbst wenn es mal wirklich schlecht lief, kam ich immer recht schnell wieder auf die Beine. 

Ich denke mal, aus dem was ich in meinem Leben vorfand, habe ich das Beste gemacht. Sicher, ich hätte mehr heraus holen können, dann wäre ich vielleicht weiter gekommen. Aber es passt soweit. Die Ernte die ich aus meiner Investition in meine Ausbildung und meine Fähigkeiten ziehe, ermöglicht mir ein gutes Auskommen. Ich kann nicht klagen. Ein Schnitzel am Wochenende ist drin. Ein Bier gibt es auch dazu.

Ich bin viel gereist, obwohl ich am Anfang gar nicht weg wollte. Die Ex-Frau legte den Grundstein dafür, in dem sie mich immer wieder zwang in den Flieger zu steigen. Heute bin ich ihr sehr dankbar dafür. Ich habe viel gesehen. Das was ich wirklich sehen wollte habe ich gesehen.

Traum und Wunsch... step by step abgehakt auf einer To Do Liste.

So viele Menschen die kamen und wieder gingen. Sehr wenige sind geblieben. Nicht mal eine Hand voll.

Jenseits der 40, so mein Eindruck, scheinen sich Freundschaften und Beziehungen noch einmal stark zu verändern. In der zweiten Hälfte des Lebens laufen die Wege auseinander. Man verliert sich aus den Augen. Eine Mischung aus einem sich Umdrehen und einem bewussten Loslassen. Ansichten, verschiedene Interessen und auch ein unterschiedliches Bildungsniveau sorgen nicht unbedingt dafür, dass sich die Abstände, die man lange Zeit überbrücken konnte, schließen. Die Toleranz, welches Verhalten und welche Eigenarten an anderen Menschen akzeptabel und als erträglich wahrgenommen werden, wird kleiner. Die verbleibende Zeit, die noch vor einem liegt, ist so kostbar, als sie zu verschwenden.

Während mir die Lebenszeit knapp bemessen erscheint, habe ich von vielen Dingen einen Überfluss. Mehr Kochbücher mit Rezepten, als ich jemals kochen kann. Mehr Raum als ich eigentlich benötigen würde. So viel materieller Krims Krams, der einem das Gefühl von Besitz gibt, aber keinen wirklich Nutzen stiftet. Es wird langweilig sich jedes Jahr ein neues Smartphone zu kaufen, nur weil man es einfach kann. Konsum ist eben kein Glücksbringer. Das gute Gefühl, weil man sich etwas kauft, hat sich abgenutzt.

Dieser Gedanke, wenn ich erst dieses oder jenes besitze, dann geht es mir besser oder alles wäre anders, ist eine Illusion. Der Gewöhnungseffekt gegenüber materiellen Dingen ist viel zu hoch.

Während einer Autofahrt vor einigen Tagen, stellte ich mir eine Frage:

- "Mensch MiM, was würdest Du tun, wenn Du wüsstest, dass Du nur noch 1 Woche zu leben hättest?"

Die Frage habe ich mir nicht abschließend beantwortet. Aber ich fragte mich, wie weit ich mich um vermeintliche moralische Werte kümmern würde. Um Ansichten, die andere Menschen haben. Würde ich auf der kurzen Reststrecke etwas tun, was jemand anderes von mir erwartet? Und warum sollte ich überhaupt Erwartungen anderer Menschen erfüllen?

Und bei einigen Dingen fragte ich mich, tust das du das wirklich nur aus dem Grund nicht, weil Du davon ausgehst, dass du nächste Woche noch am Leben bist?

Karl Popper sagte einmal, der Sinn des Lebens würde darin bestehen, ihm einen Sinn zu geben. Der kann für jeden anders sein. Vielleicht sollte man auch nicht von dem Sinn des Lebens sprechen oder von der Sinnhaftigkeit der Existenz. Vielleicht liegt die Zielrichtung in einem gelungenen Leben?

Aber was ist ein gelungenes Leben? Wann gelingt ein Leben?

Es läuft nicht falsch. Es läuft nicht verkehrt.

Es läuft zu perfekt.

Da stehe ich vor den sauber sortierten und gestapelten Bauklötzen und habe unglaubliche Lust alles umzuschmeißen.

Kommentare:

  1. Werter Herr MiM, sie halten mir einen Spiegel vor. Und wissen Sie was? Ich habe den Bauklotzturm in letzter Zeit drei Mal umgeworfen. Tut gut, fühlt sich gut an. Wenn man erst den Mut dazu hatte, auch einen Totalschaden zu riskieren. DAS ist wohl der Kick für die jenseits-40jährigen.

    Nur Mut, nur ein Schritt und die Bauklötze fliegen nur so durch die Gegend.

    Erwartungen? Dürfen die Anderen gerne haben. Auch an mich. So what - mein Leben, meine Taten. Oder Unterlassungen.

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    1. Herr Silberlöffel, ja, ich kenne das Gefühl sehr gut. Und ich weiß auch, dass es sich sehr gut anfühlt. Aber aus der Vergangenheit habe ich für mich mitgenommen, dass man bei der Aussteuerung seines eigenen Lebens doch manchmal etwas behutsamer umgehen sollte.

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  2. Umschmeißen der Bauklötze klingt nach einem interessanten Plan.

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    1. Ja, interessant... es wirkt eine gewisse Dynamik, Herr Dr. Schwein.

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  3. Buchen Sie sich bitte ein Ticket.

    Wenn ich eins nicht mag, ist es das Jammern auf hohem und verstecktem Niveau!
    Sie haben ein anscheinend friedliches gelungenes Leben, was Sie sich selbst erschaffen haben. Seien Sie stolz darauf!
    Genießen Sie es einfach. Glauben Sie mir, früher und unvorbereiteter, als Sie wollen, fällt der erste Bauklotz von alleine um, und zwar genau der, der Ihnen am wenigsten passt.
    Damit Weiterentwicklung auch garantiert ist.
    Nehmen Sie es mir nicht übel, wenn ich hier gerade ein wenig ranzig bin.
    Die Menschen sind einfach nie zufrieden.
    Sie wollen gestalten? Dann los!
    Wer oder was hindert Sie daran? Die Welt liegt Ihnen zu Füßen!
    Genießen Sie diese Freiheit.
    Herzlichst, mit GT to go bereits im Wochenende, Frau Eva

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    1. Frau Eva, und wohin soll ich mir ein Ticket buchen?

      Sie haben mich falsch verstanden. Mir geht es nicht um die Zufriedenheit. Es geht mir nicht um dieses oder jenes zu besitzen. Einen Status zu haben oder sonst irgendetwas.

      Ja, ich will gestalten. Ja, ich kann jederzeit loslegen. Aber ich bin mir über die Art und Weise unschlüssig. Welches Ergebnis will ich haben? Das ist die Frage.

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    2. Vancouver, Stockholm, Tallin, Valencia, Kanalinseln ;)

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  4. Hallo Herr Mim, jeden Tag mal etwas..total anders machen..und die Klötze können stehen bleiben.Eine gute Nacht wünscht Frau A

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    1. Frau A, das ist kleiner, aber ein sehr guter Hinweis, der unglaublich viel Potential beinhaltet.

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  5. Vielleicht fehlen Ihnen Phasen in Ihrem Leben, wo Sie sich genau nach dieser Normalität zurücksehnen, derer Sie im Moment so überdrüssig sind. Fragen Sie mal, wie es einem Menschen geht, der eine monatelange Krebstherapie über sich ergehen lassen muss oder der mit Anfang 50 seinen gutbezahlten Job verliert, ohne Chance am Horizont, dieses Niveau wieder zu erreichen.
    Da wünscht man sich nichts mehr, als die Zeit zurück, wo man diese Probleme noch nicht hatte, also genau das, was Sie gerade erleben und nicht wertschätzen können.

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    1. Ich muss Ihnen widersprechen.

      Ich denke ich nicht, dass man Gefühle miteinander vergleichen oder in ein Verhältnis setzen. Leid und Gefühle sind individuell. Diese Argumention gleicht der Logik, beschwere Dich nicht, weil Du ausgepeitscht wirst, andere werden dafür aufgehängt.

      Mir geht es auch nicht irgendwelche vergangenen Zeiten zurückzuholen. Mir geht es darum das Gute zu bewahren und Neues einzubinden.

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  6. Obacht. Liest sich als hätte sich da ein Schneebrett gelöst.
    Begleitet Sie das schon länger? Ihre neue Vierbeinige Verantwortung lässt jedenfalls auf fehlende Auslastung schliessen.

    Wenn Sie nun nicht einem irgendwie geartetem Glauben anheim fallen, dann laesst sich die Frage nach einem gelungenem Leben leider nicht allgemeingueltig beantworten. Das ist eben die Krux, wenn man sich von niemandem (Gesellschaft, Familie oder auch Beruf) etwas sagen lassen will.
    Welches andere Leben würde Sie denn als gelungen beschreiben?

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    1. Nein, das Schneebrett hat sich noch nicht gelöst. Aber die Masse arbeitet unter der Oberfläche und neigt dazu, ins Rutschen zu kommen, Herr Nugger.

      Und was den Vierbeiner angeht, ist das lediglich die Umsetzung eines Planes, der bereits viele Jahre gereift war. Der Gelegenheit und Zeitpunkt kamen nur sehr gut zusammen und daher wurde die Chance genutzt.

      Ich weiß nicht, was andere für ein gelungenes Leben halten. Ich habe keine Ahnung. Ich schaue nur auf mich und suche nach Antworten um die Frage für mich zu beantworten.

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    2. Es ging mir nicht darum was Andere fuer gelungen halten.
      Aber das Leben anderer zu betrachten, kann helfen dies fuer sich zu bestimmen. Also schauen sie nicht nur auf sich, das schraenkt den Horizont zu sehr ein.

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    3. Da stimme ich Ihnen zu, Herr Nugger. Das kann in der Tat inspirieren. Da bin ich schon dran an dem Thema. Leider weniger konsequent, als ich es mir vorgenommen habe.

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