Samstag, 13. Februar 2016

Das große Vergessen

Seit langer Zeit wieder einmal zum Telefon gegriffen und den alten Herrn angerufen.

- "Ich habe schon länger nichts von Dir gehört", sage ich. "Wollte wissen, ob Du noch am Leben bist. Nicht dass sich die Leute in der Straße über den Geruch beschweren, wenn Du schon ein paar Wochen tot im Haus liegst und niemand hat es gemerkt."

Der alte Herr lacht. Es ist alles in Ordnung. Es ist schwer, anstrengend, aber es ginge ihm gut.

Meine Mutter würde jetzt einmal in der Woche in eine Tagesbetreuung gehen. Anfangs wäre es ein bisschen schwierig gewesen, aber mittlerweile gefiele es ihr recht gut.

Gut, einmal in der Woche ist nicht viel, aber immerhin hat er es in Angriff genommen. Dürfte ihm schon schwer genug gefallen sein.

- "Ich gebe Dir noch einmal Deine Mutter", sagt er. Er verabschiedet sich und ich höre wie er das Telefon weiterreicht.

Das ist der Moment in dem ich zusammenzucke. In der Vergangenheit habe ich nur noch mit ihm gesprochen, weil meine Mutter zu einem Gespräch am Telefon gar nicht mehr in der Lage war. Als ich sie am Telefon habe, bin ich überrascht. Sie spricht mich mit Namen an. Sie weiß wer ich bin. Sie erinnert sich, erzählt ein wenig, lässt einige Bekannte grüßen, an die sie sich ebenfalls mit Namen erinnert. Nach 2 bis 3 Minuten lässt die Konzentration nach. Die Sätze werden kürzer. Dann kommen wieder nur Gedankenfetzen und Aneinanderreihungen von Wörtern, die mit ganzen Sätzen nicht mehr viel gemein haben.

Nach einiger Zeit, in der ich nur zuhöre und ihren Erzählungen lausche, verabschieden wir uns. Sie würde sich freuen, wenn wir uns bald wiedersehen könnten.

Ich lege den Hörer hin und bin mehr als überrascht. Für die Umstände und den Zustand von Weihnachten vor Augen, war dieses Gespräch ein Glanzstück. Es sind die Momente in denen man, obwohl man das Ende kennt, kurzzeitig Hoffnung schöpft.

Hoffnung dort, wo es keine Hoffnung gibt. Das ist so trügerisch....

Kommentare:

  1. Ich glaube ja, das ist in so einer Situation das Fieseste überhaupt. Man weiß, wo die Reise hingeht und kann solche Momente nicht mehr wirklich "genießen"... Oder?

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    1. Nein, genießen kann man es nicht, Frau Chiefjudy,.... aber man lächelt ein wenig.

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  2. Tja,
    einfach ätzend so etwas.
    Und ich frage mich dann immer: wie mag es dem anderen ergehen? Erkennt er in solchen Momenten, wie es um ihn steht? Und wenn man das erkennt - wie (beschi**en) muß man sich dabei fühlen?

    Es ist eine ätzende Krankheit.

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