Mittwoch, 4. November 2015

Das große Vergessen

Er hat es dann also doch gemacht. Hat ein bisschen gedauert. Musste ihm ein paar Male auf die Füße treten. Aber er brachte den Stein dann doch zum Rollen.

Das Ergebnis der Begutachtung durch den medizinischen Dienst ist nüchtern. 14 Seiten DINA4.

[...] Der Versicherte kann aufgrund kognitiver Einschränkung nur bedingt antworten.  Zeigt sich freundlich und zugewandt, kann aber auch auf einfache Fragen nicht adäquat und nur zeitverzögert antworten. Das Halten und Führen von Gebrauchsgegenstände ist nur eingeschränkt möglich. Die Feinmotorik ist eingeschränkt. Feste Nahrungsmittel müssen zerkleinert werden. Die Toilettengänge erfolgen in Begleitung der Pflegeperson. Zum Essen muss motiviert werden und auch das Durstgefühl ist eingeschränkt. Der Versicherte ist nur eingeschränkt orientiert, kennt sein Alter und Geburtsdatum nicht mehr. Mit der Lösung von Alltagsproblemen überfordert. Kann nicht mehr mit dem Telefon umgehen. Aufgrund von Merk-und Konzentrationstörungen können Absprachen nicht mehr eingehalten werden. Der eigene Antrieb ist vermindert. Eine sinnvolle Tagesgestalltung und Struktur muss vorgegeben werden. Der Person erkennt die eigenen Defizite nicht. Der Wortschatz und das Sprachverständnis ist rückläufig. Wortfindungsstörungen. Sätze werden nicht beendet. Den Ausführungen der Versicherten kann nicht gefolgt werden. [...]

Über 14 Seiten, die die Krankheit, Zustand und die Situation beschreiben.

- "Das... das ist erschütternd", sagte mein Vater als wir über den Bericht sprechen. Er erzählt, dass meine Mutter als sie auf dem Sofa saß,die Gutachterin auf meinen Vater deutete und fragte, wer er sei, seinen Namen nicht mehr wusste. Während er das erzählt, wirkt er relativ gefasst. Vielleicht will er es sich nicht anmerken lassen, vielleicht hat er auf realisiert wie es um die Dinge steht.

Ich weiß nicht was ich sagen soll. Was soll ich auch dazu sagen? Es beschreibt letztlich nur die Realität. Mehr nicht. In einer gefühllosen Art und Weise wie man einen Jahresabschlussbericht einer Gesellschaft schreiben würde, die gerade in die Pleite geht. Der Insolvenzantrag für ein menschliches Leben. Es gibt nichts mehr zu retten. Nichts was es besser machen könnte. Keinerlei Hoffnung. Es wird abgewickelt.
 
Pflegestufe 2 steht dann da. Meine Mutter ist ein Pflegefall.

Meine Mutter ist dieses Jahr 68 Jahre alt geworden. Sie ist bereits vor Ihrem 65 Lebensjahr an Alzheimer erkrankt. Bei Patienten die vor dem 65. Lebensjahr erkranken ist der Krankheitsverlauf in der Regel schneller und agressiver. So habe ich es gelesen. Im Schnitt liegt die verbleibende Lebenserwartung bei 5 bis 8 Jahre. Bei einem guten Ansprechen auf die Medikamente vielleicht noch einmal plus 2 Jahre.

Kommentare:

  1. Ach, Mensch, Herr mim, ich lese hier ja oft nur noch schweigend mit, und jetzt fehlen mir ganz die Worte, mal wieder. Nur soviel: Ich wünsche Kraft und gute Nerven.

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    1. Frau Friederike, das wird schon werden. Das wird nicht schön, aber das wird schon... irgendwie. Und... es ist endlich.

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  2. Und nach durchlebter Demenz als Angehöriger bin ich mir bis heute nicht sicher, ob der frühe Tod nach all den Leiden eine Erlösung ist oder eine Strafe.
    Mein Trost ist, dass der/die Erkrankte wesentliche - und glücklicherweise auch die schlimmsten - Teile der Erkrankung nicht mehr wahrnimmt. Und doch gebe ich auch den Ärzten die Schuld daran, dass sich die Krankheit um unnötige Wochen hingezogen hat. Heute? Würde ich keiner Magensonde mehr zustimmen, dafür aber darauf dringen, dass zumindest Wasser in kleinen Mengen oral verabreicht wird.

    Werter Herr MiM, der Tod gehört zum Leben. Was für den Einen eine Erlösung ist, ist für einen anderen Menschen in der gleichen Sekunde bitter. Unvermeidlich ist er in jedem Fall. Ob er auch menschenwürdig gestaltet wird, das liegt in den Händen derer, die außenstehend sind.

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    1. Danke Herr Silberlöffel, ob Sie es glauben oder nicht, aber für mich sind Ihre Aussagen wirklich etwas wert, die auch bei mir hängenbleiben. Danke.

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  3. Manchmal ist es einfach am Besten, den Ist-Zustand einfach ganz klar zu formulieren.
    So isset!
    LG Fr Eva

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    1. Alles andere, wäre auch nur eine Illusion, Frau Eva.

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    2. Und Illusionen braucht kein Mensch!

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  4. Hallo Herr MiM, es so schwarz auf weiß zu lesen ist schlimm. Es immer wieder wiederholen zu müssen ist schlimmer.Nur in der Gegenwart zu leben ... hilft mir. Viel Kraft für Sie und die Familie von Frau A.

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  5. Es tut weh, wenn die Eltern alt und krank werden und ich verstehe Sie gut :(

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