Dienstag, 15. September 2015

Der Blick auf das Ende

Er hatte sich einen leisen Abschied gewünscht. Nichts Großes. Diesen Wunsch erfüllte man ihm. Es war keine richtige Abschiedsfeier. Die Sekretärin von Big Boss hatte zwei Platten Kuchen besorgt. Zwei Kannen Kaffee standen auf den Tisch. Die Kollegen warteten auf ihn im Besprechungsraum auf der obersten Etage. Big Boss witzelte, dass er ihn wohl feuern müsste, wenn er nicht pünktlich zu seiner eigenen Verabschiedung kommen würde.

Big Boss hielt eine kurze Ansprache. Würdigte das berufliche Engagement. Bedankte sich für die Leistungen und überreichte ein Präsent der Firma. Eingeschlagen in einem dunklen Geschenkpapier, mit einer Schleife versehen. Danach hielt Chef seine Rede. Hätte man die Schwafelei herausgestrichen, wäre die Sache 2 Drittel kürzer ausgefallen. Die Kollegen hätten gesammelt, es sei ordentlich etwas zusammengekommen. Zwei weitere Geschenke wurden überreicht.

Für mich war die Veranstaltung aus einem anderen Grund besonders. Am Anfang meiner Karriere war ich dem Herrn schon einmal begegnet. Und nun, knapp 17 Jahre später, am Ende seiner beruflichen Laufbahn, hatten sich unsere Wege durch einen Zufall wieder gekreuzt. Das muss dieses ´man trifft sich immer zweimal im Leben´ gewesen sein. Eines dieser Ereignisse die höchst Unwahrscheinlich, aber nicht Unmöglich waren.

Er unterhielt sich mit den Kollegen am anderen Tischende. Ich saß mit einem Stück Kuchen auf dem Teller gegenüber von Big Boss, der sichtlich gelangweilt war. Big Boss erzählte ein paar Geschichten aus seiner Zeit in Detroit / USA. Über die Stadt. Wie sie langsam starb. Welche Restaurants er besucht hatte und sonstige Belanglosigkeiten.

Wir hatten unserem Kollegen, der uns heute verlassen sollte, ein kleines Sparschwein und zwei Bildbände geschenkt. Er hatte sie sich gewünscht. Wir hatten vorher mit seiner Frau gesprochen, was man den schenken könnte. Wir wollten das Geld nicht für irgendetwas Sinnloses ausgeben.

Die Veranstaltung dauerte knapp 1 1/2 Stunden. Er bedankte sich. Kam noch einmal in alle Büros. Wechselte ein, zwei Worte mit den Kollegen. Dann verschwand er durch Tür, aus dem Büro hinaus, in seinen Ruhestand. Nach 47 Berufsjahren.

Ein paar Tage später zeigte die Sekretärin einige Bilder herum, die sie auf der Veranstaltung gemacht hatte. Eines zeigte den Kollegen, wie er das Abschiedsgeschenk der Unternehmung auspackte. Unter dem dunklen Geschenkpapier kam ein kleines Kästchen hervor. Ein gravierter Kugelschreiber der Firma Parker. Das Datum des Austritts und der Name waren am oberen Ende eingeraviert. Parker. Ein schwarzer Kugelschreiber mit einem silberfarbenen Clip, der unendlich billig aussah.

So sieht es also aus. So sieht das Ende der beruflichen Laufbahn aus. Nach 47 Jahren gibt es Kaffee und Kuchen. Dazu einen Kugelschreiber von Parker, der aussah wie aus einer Werbemittelkatalog. Noch einen Händedruck und ein Dankeschön. Und das für all die Überstunden und das, was die Menschen immer als Loyalität gegenüber den Arbeitgeber beschreiben. Für einen Mensch, der so etwas wie menschliche Anerkennung aus seinem Job ziehen möchte, muss das sehr ernüchternd sein.

Es ist nur ein Job. Nichts weiter als ein beschissener Job. Sollte man sich immer vor Augen halten.

Kommentare:

  1. Das ist so. Habe mir auch schon bei solchen Gelegenheiten diese Gedanken gemacht. Trotzdem steigt man jeden Tag wieder aufs Neue in das Hamsterrad und strampelt...

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    1. Ja, Herr Ralf, aber niemand zwingt einen dazu an der Stelle zu arbeiten, an der man ist. Ja, man wird sich abstrampeln und langmachen müssen, für seinen Lebensunterhalt. Aber das ´Wie´ kann man sich aussuchen.

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    2. Von innen sieht das Hamsterrad halt wie eine Karriereleiter aus

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  2. Und glauben Sie mir Herr MiM ich könnte diesem Post noch einige anderen Traurigen Momente hinzufügen. Da sind Parker Kugelschreiber nicht das übelste.

    Hoffe Sie haben den frühen Feierabend genutzt und was leckeres gegrillt.

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    1. Ehrlich, Herr Bohli, ich habe den Abend mit Nachdenken verbracht.

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  3. Verehrter Herr MiM,

    dem gibt es nichts hinzuzufügen. Es ist nur ein Job.

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  4. Well, if that's what happens when your long time career ends, I would have shoved the pen up his ass....This again proves that people are just assets.
    Rock on
    Frank

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    1. Frank, ich werde mich selber am Ende belohnen. Mit etwas angemessenem.

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  5. So ist es eben leider, wenn man einen Teil von sich verkauft.
    Alles eine Frage der persoenlichen Ziele. Wenn die Erreichung der Ziele einer Veraeusserung bedarf, dann macht man das halt.
    Besser natuerlich man sieht den Weg als Ziel und hat Freude am Job selbst. Da muss ich z.B. wieder hinkommen. :)

    Der Mann hat seine Entscheidungen getroffen, so wie es gerade ihre treffen. Ich bin nur der Meinung, dass es schon wirklich gewichtiger Ziele Bedarf, um einen "beschissenen" Job mitzumachen.

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    1. Richtig, Herr Nugger. Man verkauft etwas. Und es ist im Grunde nur ein Geschäft. Mehr nicht.

      Und ich gebe Ihnen Recht. Um Schwachsinn mitzumachen, bedarf es wirklich guter Gründe.

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  6. Hallo Herr MiM, es ist alles nur ein Job. . und was ist mit wichtig..bin grad dabei das zu ergründen. Der Kuli ist der Knaller. Jetzt einen schönen Milchkaffee ..und eine gute Woche wünscht Frau A.

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    1. Ja, Frau A, der Kuli ist wirklich der Knaller.

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  7. ...und manchmal gibt es nicht einmal genug Geld, mit dem man für seine geopferte Lebenszeit entschädigt wird.

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    1. Nun ja, Herr Silberlöffel, Sie opfern Ihre Zeit nicht. Sie verkaufen Sie. Und Sie müssen halt sehen, dass Sie dafür einen guten Preis bekommen.

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  8. Sehr guter Post!!! Es ist nur ein Job, genau so ist es.

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    1. Alles andere, Frau Juniwelt, würde einen nur in den Wahnsinn treiben.

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  9. Liest sich bitter! Bin sehr froh, durch diverse Lernprozesse in meinem Leben, erkannt zu haben, dass ein Job Mittel zum Zweck ist. Nicht meine Definition für meine Persönlichkeit (Dank an die Werbebranche für die vielen Paradebeispiele!, sondern bestenfalls eine Unterstützung deiner Persönlichkeit.
    Ich kann bei solchen Geschichten immer nur für den Menschen hoffen, dass er ein reiches Leben neben dem Job führt. Und ein schöner Ruhestand auf ihn wartet- ich kenne diverse Beispiele, bei denen der Ruhestand mit einem Schlaganfall o.ä.eingeläutet wurde. So als i-Tüpfelchen für 40 Jahre plockern.
    Schöne Grüße von Fr Eva, gerade mit Tasse Kaffee im Bett liegend an ihrem freien Tag

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    1. Frau Eva, wenn Sie das gesehen hätten, hätten Sie sicher mit dem Kopf geschüttelt. Und ich gebe Ihnen recht. Man sollte dafür Sorge tragen, dass man sein Leben auf mehrere Füße stellt, die einen Befriedigung verschaffen.

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  10. Hm,
    also wenn Sie den Job als beschissen empfinden, sollten Sie das ändern. Das liegt in Ihrer Hand.

    Und ja, es ist ein Job. Nur ein Job. Oder der Job schlechthin, das liegt an Ihnen.

    Zustimmen würde ich, wenn Sie sagen würden, dass der Job nur ein Teil des Lebens ist. Für manche ist er ja leider das Leben schlechthin und die Definition eines selbst. Das ist in meinen Augen die falsche Wahrnehmung.

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    1. Da stimme ich Ihnen zu, Herr Ednong. Es ist nur ein Teil des Lebens. Manchmal mehr oder weniger bestimmend, aber letzt lich nur ein ein kleiner Teil.

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  11. Leider gibt es viel zu viele Menschen, die sich aussschließlich über ihren Job definieren. Die sind am Ende dann hoffnungslos desillusioniert.

    Für mich ist das ganze eh nur Mittel zum Zweck. Klar, mir macht's (meistens) auch Spaß, aber ansonsten - nur ein Job.

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    1. Ja, Frau Chiefjudy, ein Mittel zum Zweck. Damit fährt man letztlich am Besten finde ich. Was nicht heisst, dass man seine Aufgaben nicht mit Leidenschaft erledigen kann.

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