Montag, 31. August 2015

Das große Vergessen

Wir trafen uns in der Stadt auf dem Markt. Am Samstagmorgen. An der beliebtesten Wurstbude der Stadt. Auf dem Markt trifft man in der Regel Hinz und Kunz. Der Markt am Samstag ist das gesellschaftliche Ereignis. Man geht dort nicht nur hin ob ein wenig Obst und Gemüse zu kaufen oder eine Bratwurst zu essen, man geht dort hin um gesehen zu werden.

Mein Vater und meine Mutter waren bereits schon dort. Ich sah sie stehen. Meine Mutter sah schlecht aus. Mitgenommen. Allerdings reagierte sie, als ich sie dann ansprach, recht klar. Für die Umstände zumindest. Sie erkannte mich. Freute sich. Lächelte. Während sie bei meinen letzten Besuch ängstlich und zurückhaltend war, wirkte sie freundlich, nicht aggressiv und nicht ein bisschen ängstlich. Wie umgedreht.

Die Ärzte hatten mit der medikamentösen Einstellung ganze Arbeit geleistet. Sie wirkte wie auf Dope. Beinahe würde ich sagen, für ihre Verhältnisse aufgedreht.

Wir aßen eine Bratwurst und setzen uns anschließend noch auf einen Eisbecher in ein Café. Auch die Koordinierung Augen, Hand und Eislöffel funktionierte wieder. Nachdem sie letztes Mal nicht einmal wusste, was sie mit einer Gabel machen sollte, arbeitete sie sich mit dem Eislöffel, langsam aber beständig, durch das Eis durch, bis es dann gegessen war.

Auch, und das verwunderte mich dann doch ein wenig, war von dem Sprachverlust, von dem mein Vater erzählt hatte, nichts zu bemerken.

Wir verbrachten den Nachmittag auf der Terrasse, tranken Kaffee und ließen den Nachmittag verstreichen. Am Abend gingen wir gemeinsam in ein kleines Lokal zum Essen. Es verlief alles ohne größere Schwierigkeiten.

Als ich Sonntag zum Frühstück bei meinen Eltern vorbei fuhr, war der Zustand wieder ein Anderer. Die Klarheit des Vortags war nicht mehr da. Sie saß auf der Bank auf der Terrasse und erzählte von Dingen, die sie beschäftigten. Wirre zusammenhangslose Gedankenfetzen. Satzfragmente, willkürlich aneinander gereiht.

Ich nickte bestätigend, auch wenn ich nicht wusste worum es ging. Sie lächelte. Es tat ihr gut.

Auf der Autobahn, während der Rückfahrt, hang ich meinen Gedanken nach. Das Wochenende war weniger schlimm als erwartet. Weit besser als gehofft. Mein Vater, der verdrängt weiter. Er versucht sich an etwas festzuhalten. Dabei zerrinnt es zwischen seinen Fingern. Er verpasst dabei die Zeit in der er noch genügend Ruhe hat, etwas aktiv zu steuern. Das wird sich rächen. Nicht jetzt, später.

Und ich… keine Ahnung… stehe da und schaue zu.

Kommentare:

  1. Mim, all due respect to you. You make an effort to support your parents. But it is what it is. Life sometimes deals you cards that people need to deal with.Apart with your Mum's condition, your Dad needs support because I am sure he knows where all this will lead to.
    I live by my code 'What is the measure of a man? Stand for what you believe in and parents are always the first in line.
    All the best under the circumstances mate.
    Frank

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    1. Ja, er brauch Hilfe und Unterstützung... nur dazu müsste er sie annehmen und handeln... und da... da liegt der Hase im Pfeffer. Ich werde erst dann auf den Spielfeld erscheinen dürfen, wenn ich die Fehler korrigieren soll, die man im Vorfeld vermeiden hätte können, Frank. Und das ist mehr als anstrengend.

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  2. Yes Mim...I fully understand.
    By the way...since you like Thailand, go to a blog called mangounchained. I post there under Frank it makes fun reading.
    Cheers,
    Frank

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    1. I noticed your advise :-) At last an interesting new blog to read for me. Thank you. I will have a focus on it.

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    2. Ok mate. You know us expats are hard players and hard workers and it makes for some fun stories.;-)

      Frank

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