Dienstag, 14. April 2015

Die Geschichte vom Anfang des Endes (7)

Die Ankunft - Mitte Februar 2000

Es war Mitte Februar. Die Sonne schien, der Tag hatte etwas frühlingshaftes an sich. Ich strahlte über das ganze Gesicht und meine Laune war unglaublich gut, als mit dem Wagen die Autobahn verließ und mich in den Verkehr der großen Stadt ein einordnete. Aus dem Radio dröhnte ein Song einer Dame, die unter dem Namen French Affair performte. My heart goes boom. Nach all den Jahren ist mir dieser Tag, diese letzten Kilometer zu dem angemieteten Zimmer, bis heute sehr präsent geblieben. Und ich verrückter Weise geht mir dieser Song nicht mehr aus dem Kopf.

Ich hatte am frühen Morgen meinen Wagen an meinem Wohnortbeladen. Klamotten für zwei Wochen, einen kleinen Fernseher, meine analoge Pentax Spiegelreflexkamera, einige Bücher, die ich immer einmal lesen wollte und es bis heute noch nicht geschafft habe. Meinen Rechner mit seiner kompletten Ausstattung. In einer fremden Stadt ohne einen PC zu sitzen, erschien mir vollkommen absurd. Schatz blieb zurück. Ich wollte voraus gehen und erst einmal sehen, ob es wirklich am Ende darauf hinaus laufen würde, den gesamten Hausstand in den Süden zu verlagern.

Ich erreichte das alte Haus in der Allee am frühen Nachmittag. Es war ein Montag oder Dienstag. Ich erinnere mich nicht mehr genau. Ich machte die Autotür mit Schwung zu, rückte nach der langen Fahrt meine Kleidung zurecht, öffnete das Gartentor, ging auf die Tür zu und drückte die Klingel. Nach einem kurzen Moment öffnete die alte Dame, die mich schon erwartet hatte, die Tür.

Sie führte mich in mein Zimmer, zeigte mir das Badezimmer, eine kleine Küche, mit 2 Kochplatten und erklärte mir, dass die einzige wirklich wichtige Regel darin bestehen würde, die Einrichtung ganz zu lassen und die Schuhe bereits unten an der Treppe auszuziehen. Ich bekam zwei Schüssel. Einen für das Zimmer und einen für die Haustür. Dann drückte sie mir einen Briefumschlag in die Hand. Als ich ihn öffnete, erkannte ich, dass sie Geld hineingelegt hatte.

- "Was ist das?", fragte ich.

- "Ich weiß", sagte sie, "sie haben das Zimmer schon den ganzen Februar gemietet. Aber schauen Sie, sie sind doch erst heute angekommen. Mitte Februar. Das ist die Miete für den halben Monat. Sie waren nicht hier, also möchte ich auch keine Miete haben."

All meine Hinweise, dass das nicht sein muss und ich schließlich ja das Zimmer von Februar an gemietet hatte, ließ sich nicht gelten. Sie bestand darauf, dass ich das Geld zurücknehmen müsse. Dazu bekam ich von ihr eine Streifenkarte für den öffentlichen Nahverkehr geschenkt, mit zwei Streifen, die ich noch verfahren konnte.

Nach einer halben Stunde war ich alleine. Ich räumte meine Kleidung in meinen Schrank. Dann baute ich meinen Rechner auf. Das Geld aus dem Umschlag steckte ich ein. Ich wollte es zum Befüllen des Kühlschranks nutzen. Der Fernsehempfang war einfach nur schlecht.

Den Nachmittag verbrachte ich mit einem Spaziergang durch die nähere Umgebung. Ich entdeckte einige Lokale, die sicherstellten, dass ich nicht verhungern würde. Und an dem kleinen Supermarkt an der Ecke, konnte ich mich mit dem Nötigsten eindecken.

Es war ein guter Tag gewesen. Da war ich nun. In der großen Stadt im Süden. Metropolis.

Ich schaltete den Rechner ein und wählte mich darauf hin mit dem topmodernen 56KB Modem in das Internet ein.

Was ich dann tat, sollte mein Leben in dieser Stadt über beinahe über ein Jahrzehnt bestimmen. Nur wusste ich das zu dem Zeitpunkt nicht.

Kommentare:

  1. Hallo Herr MiM, ich schmelze grade dahin...so schön geschrieben. Eine gute Woche wünscht Ihnen Frau A.

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    1. Danke, Frau A. aber hier ist ja noch nicht einmal etwas passiert.

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  2. "Internet" und 56kB, das waren noch abenteuerliche Zeiten.
    Ihr netter Inder war von AOL bzw. T-Online und der Browser der Wahl war von Netscape auf einem Rechner mit Windows98 oder 2000 Workstation.

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    1. Ich weiß es gar nicht mehr ob es AOL oder T-Online war. Ich kann mich nicht mehr erinnern. Woran ich mich erinnere ist, dass ich damals mit Netscape gesurft bin. Und ja, Windows 98 war das. Oh Mann... lange ist es her.

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  3. Was für ein Cliffhanger! Nun warte ich gespannt auf den 8. Teil

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    1. Bleiben entspannt, Frau Jezabelbotanica. Die ganze Story geht ja noch ein wenig weiter.

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