Freitag, 24. April 2015

Britische Professionalität

Es ist wirklich ein Highlight. Ich weiß nicht woran es liegt. Vielleicht ist es einfach eines dieser interkulturellen Dinge. Andere Länder, andere Sitten. Ich weiß es nicht. Ich habe keine Ahnung.

Was ich meine, da ist diese professionelle Unprofessionalität, die mir hier ein wenig an den Nerven zieht. Nur leicht, eigentlich nehme ich sie mit einem kleinen Lächeln hin. Ich denke, so muss das sein, wenn Kinder hat. Zumindest stelle ich mir das genau so vor.

Nehmen wir das Hotel und das Frühstück als Beispiel.

Es fängt beim Einchecken an. Man fragt Sie nach dem Frühstück. Sie müssen sich beim Einchecken entscheiden ob und wann Sie Continental oder Full British Breakfast haben wollen. Weil Sie dieses auch gleich bezahlen müssen. Diese Entscheidung ist sehr wichtig, weil es es einen Unterschied von knapp 2 GBP macht. Sie können später auch nicht mehr wechseln oder einfach mal so Essen, wie es Ihnen morgens in den Sinn kommt.

Das Frühstücksbuffet. Den einen Tag mit Teekannen, den nächsten Tag fehlen die kleinen silbernen Teekannen gänzlich. Es gibt nur Becher. An einem Tag einen kleinen Becher für die Milch zum Tee, dann mal wieder nicht. Mal ist die Rutsche am Durchlauftoaster dran, mal hat man sie vergessen und die Toasts fallen allen hinten raus. Gestern 3 Sorten Milch zur Auswahl. Normal, fettarm oder fettfrei. Heute nur noch fettfrei. Weißes Wasser. Beeren und Obst gibt es zum Frühstück, wenn man es zum Joghurt möchte. Manchmal sind sie sogar aufgetaut.

Selbst der Prozess beim Einchecken wechselt. Der gleiche Typ, der mich letzte Woche eingecheckt hat, verlangt auf einmal die Nummer der ID Card. Was er das letzte Mal noch nicht getan hatte. Und anschließend, die nächsten Male auch nicht mehr tun wird. Es ist faszinierend. 5 verschiedene Leute hinter dem Tresen, 8 verschiedene Prozesse und jeder erklärt einem warum es auf einmal so und nicht so ist. Ohne das die Erklärungen wirklich einen Aufschluss geben würden.

In der Küche des Restaurants geht es drüber und drunter zu. Das Essen, wirklich nicht schlecht in der Qualität, braucht ewig. Wenn man sich die Organisation und die Arbeitsweisen ansieht, dann ist das auch kein Wunder. Aber... ich habe zu dem Zeitpunkt bereits Feierabend und habe keine weitere Lust auf eine Prozessberatung.

Wenn Sie einmal hier unterwegs sind, werden Sie die Vorzüge des dualen Ausbildungssystems in der Gastronomie lieben lernen.

Aber ich meine das nicht böse. Sie sind stets bemüht im Rahmen ihrer Möglichkeiten die an sie gestellten Aufgaben zu erkennen.

Aber, und das muss man ihnen lassen, und damit hauen sie es eigentlich raus. Was auf der einen Seite an Professionalität ein wenig, sagen wir, schluderig, daher kommt, wird mit einem Topf voll Herzlichkeit ausgeglichen.

Würde eine deutsche Bedienung nur halb so viel Herzlichkeit an den Tag legen, würde ich viel öfter ins Restaurant gehen.

Ja, da bekommt man zu spüren, wenn einen die Bedienung mag. Da wird geschäkert, gelächelt, angefasst und darauf hingewiesen, dass ich sie halt nicht nächste Woche sehen werde, weil sie und ihr Kerl im Schichtsystem arbeiten und sie auf ihren kleinen Sohn aufpassen muss. Da wird nicht mehr gefragt, ob man einen Porridge zum Frühstück haben will, da wird durch den halben Frühstücksraum gerufen, dass er, der Kellner, gleich mal in die Küche geht und die kleine Portion Porridge in Auftrag gibt.

Und, ich würde sagen, seit Anfang dieser Woche würde ich sagen, kennt man mich. Ich habe es geschafft, mich ankern. Man spricht mich mit Namen an, bei der Tischwahl ist man darauf bedacht, dass ich einen ordentlich Tisch bekomme, von dem ich gut sehen kann und, obwohl ich immer einen Table for one ordere, bekomme ich einen großen Tisch, an dem ich mich breit machen kann.

Ich frage mich, ob Ausländer in Deutschland auch solche Erfahrungen machen oder ob wir Deutschen einfach zu steif dafür sind?

Kommentare:

  1. Ja, das ist es was in meinen Augen auch die Liebenswertigkeit der Briten ausmacht. Ein wenig Chaos, sich ungern in Zwänge und Prozesse einordnen, aber trotzdem läuft es. Irgendwie.
    Deutsche Bedienungen (oder sollte ich sagen, Bedienungen in unserem Lande?) arbeiten ab. Da bleibt keine Zeit für Liebenswertes oder Persönliches.

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    1. Ja, liebenswert, das ist ein schöner Ausdruck dafür. Aber wenn man direkt mit Ihnen zusammenarbeitet, kann die Angelegenheit schon etwas nervig sein.

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  2. Also, Sie haben vollkommen recht, in Deutschland Essen gehen - bitte nicht stören - zumeist.
    In punkto Gastfreundschaft macht uns Deutschen noch jedes Land etwas vor, das ich kenne. Dann spielen auch noch Freundlichkeit und persönliche Zufriedenheit mit dem Job eine Rolle. Das kommt in Summe rüber.
    Und vergessen Sie bitte nicht den MIM-Faktor. Bei den Frauen.

    Und am Check-In stehen normalerweise eh die, die man jeden Tag neu anlernen muss. Aus meiner Erfahrung ist das wohl eine internationale Qualifikation.

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    1. Herr Blogspargel, vielleicht sollte ich mir den MiM Faktor als Geschäftsidee eintragen lassen?

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  3. Unterschiedlich. Wöchentlich mindestens ein Restaurantbesuch, da kommt einiges an Vorbildhaftem und leider auch an Müll zusammen. Vorletzte Woche, am 01.04.2015 wieder eröffnet. Beim betreten des Lokales: niemand anwesend. Nach fünf Minuten ein riesiger Lärm in der Küche, der Chef und die Chefin haben sich in den Haaren. Im Anschluss kommt der Chef grußlos an den Tisch: "Was wolltern ham?". Der Kollege erlaubt sich den Scherz mit "Freibier!", sein Schnabel bleibt trocken. Wir anderen Tischgäste bekommen unsere Getränke recht schnell. Der "trockene" Kollege bestellt erneut, bekommt wortlos sein Bier auf den Tisch geknallt. Das Essen - eineinhalb Stunden für ein paar Currywürste, beim kassieren kein Bitte oder Danke, einfach das Geld eingesteckt, Kehrtwende und weg. Habe ich aber in England auch erlebt. Und umgekehrt, wie hier auch. Ist eben das Leben, was solls.

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    1. Ihr Erlebnis klingt gruselig, Herr Silberlöffel. Aber natürlich haben Sie recht und ich kann natürlich nur von dem berichten, was ich persönlich erlebt habe. Gott sei Dank, habe ich es in der extremen Form, so wie Sie es berichten, noch nicht erlebt.

      Ich hoffe auch, dass mir das erspart bleibt.

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