Mittwoch, 25. März 2015

Facebookgeschichten

Ich glaube, ich habe sie knapp 15 oder 16 Jahre nicht gesehen. Vor etwa zehn Jahren brach ich dann den Kontakt über Nacht ab. Von heute auf morgen. Ich verwischte meine Spuren und war weg. Es tat mir auch nicht leid. Etwas wehmütig war ich schon, aber gut. So ist das halt. Manchmal muss man das tun. Wenn man nicht mehr weiß, warum man zu jemanden Kontakt hält, ist es Zeit zu gehen. Und dann vergaß ich sie mit der Zeit.

Vor ein paar Tagen erinnerte ich mich an sie. Es gab keinen speziellen Grund. Ich glaube, es lag daran, dass ich über einen Artikel in einer Online-Zeitung stolperte. Eine Freundin von ihr, die als Künstlerin unterwegs ist. Sie hatten einen Bericht über sie geschrieben.

Also googelte ich ihren Namen. Erfolglos. Hätte mich auch gewundert. Kein Mensch der jemals nur den Ansatz einer Affinität zum Internet gehabt hätte. Aber ich fand den Facebook Account ihrer älteren Tochter. Keine große Sache. Der Name war mir irgendwie in Erinnerung geblieben. Dann sah ich sie. Ihre Tochter hatte ein Familienbild als Facebookbanner hergenommen.

Sie, mit einem verkrampften Blick in die Kamera, ihr Eheman, der eine rosa Juxbrille und ein Partyhütchen trug und ihre beiden Töchter. Beide wirklich, muss man einfach zugeben, verdammt hübsch.

Meine Jungendliebe, eine Geschichte aus meiner Teenagerzeit, die mich irgendwann mit Mitte zwanzig wieder einholte. Eine Affäre die knapp ein oder ein dreiviertel Jahr dauerte. Sie war bereits verheiratet und ihre Töchter waren schon geboren. Ich bin mir nicht sicher, aber ich meine mich zu erinnern, dass sie ihm diese Affäre gebeichtet hat. Er war nicht sonderlich begeistert gewesen. Was er nicht wissen wird, ich bezweifele es wirklich, dass ich in seinem Haus war und mit seiner Frau in seinem Wohnzimmer Sex hatte, während die Kinder oben schliefen. Das wäre etwas, dass ich als Mann persönlich genommen hätte. Das alles ist jetzt irgendwie fast zwanzig Jahre her.

Während ich auf das Bild schaute, versuchte ich mich zu erinnern. Da waren viele schöne Erlebnisse, von denen heute nichts weiter als verschwommene Erinnerungen im Nebel geblieben sind. Man vergisst so vieles mit der Zeit. Erlebnisse. Erinnerungen. Alles verschwindet irgendwie. Die Zeit war schön. Ich hätte sie gerne festgehalten.

Rückblickend kann ich sagen, ohne sie ist es mir besser ergangen. Ich glaube, nein, ich bin überzeugt, dass mein Leben ohne sie besser verlaufen ist.

Erstaunlich wie wenig man dabei fühlen kann, wenn man nach so langer Zeit auf so ein Bild schaut. Wie unwichtig ein einst bedeutender Mensch geworden ist.

Ich fühlte mich wie jemand, der nach Jahren hinter einer Hecke steht und jemanden dabei beobachtet, wie er sein Haus verlässt. Ihre Statur ist ähnlich. Glaube ich. Ich bin mir nicht sicher. Die Haare sind jetzt schulterlang. Eher gewellt als gelockt. Früher hatte sie lange, rote, gelockte Haare. Die naturrote Farbe ist mit einer Tönung verdeckt. Eine Frau, Anfang 40, in ihrer Erscheinung auf dem Bild fast langweilig wirkt.

Ich weiß kaum etwas über ihr heutiges Leben. Was ich weiß, ist dass sie ihr bisheriges Leben ein und den selben Job gemacht hat. Schreibkraft in einem Vorzimmer. Tag ein, Tag aus. Beruflich? Keine Entwicklung. Ansätze waren da. Aber es kam nicht dazu. Schade eigentlich. Sie legte einen unglaublich guten Start hin, dann engagierte sie sich in der Gewerkschaft. Es dauerte nicht lange, sie muss zwanzig Jahre alt gewesen sein, kam das erste Kind, dann kurz darauf die zweite Tochte. Das wars. Ende.

Eigentlich wollte ich nur wissen, wie sie heute wohl aussieht. Das hat mich interessiert.Wirkliches weitergehendes Intesse an der Person ist nicht mehr vorhanden. Nun weiß ich es. Als wenn man im Garten nach einer vertrockneten Pflanze schaut, nur um sich zu vergewissern, dass sie auch wirklich vertrocknet ist.

Aber sie hat als Mutter einen guten Job gemacht. Bildhübsch. Beide Gymnasium. Letzlich habe ich ein Bild gesehen, welches eine sceinbar glückliche und fröhliche Familie zeigt. Nichts gekünsteltes. Fröhlichkeit und Blödsinn.

Ich gönne es ihr. Vielleicht bin ich auch ein bisschen neidisch.?

Nein, ich glaube nicht. Nein, Neid ist es wirklich nicht. Ich freue mich für sie. Ich hätte ihr nicht gut getan. Meine Art mein Leben zu führen, hätte ihr nicht gut getan. Ich habe sie damals ziehen lassen. Ich hätte damals nur etwas sagen müssen. Es wäre nicht einmal ein Kampf für etwas gewesen. Ich hatte schon gewonnen. Aber ich habe das Spielfeld verlassen. Freiwillig. Hielt noch ein paar Jahre Kontakt, bis ich dann verschwand.

Alles richtig gemacht.

Kommt selten vor.

Kommentare:

  1. Na ja, ist ja schon mal gut, dass zumindest Sie Ihr eigenes Handeln hierzu als richtig absegnen.
    Leider waren mehrere Menschen in der Angelegenheit verwickelt und darum gibt es sicher auch mehrere (An)Sichtspunkte = hier und heute eben Ihre, Herr MiM.

    LG, Gerlinde
    (aber 'Jagdbild' scheint Ihnen geblieben zu sein ?! = Hi5 waere auch hierzu moeglich ;-) = iiijaaa: Adilette f. mich; danke :-D !)

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    1. Nein, ich habe nicht mein Handeln abgesegnet. Ich habe mir nur mein Ergebnis bestätitgt. Für das Ergebnis spielt das Wie keine Rolle.

      Interessant finde ich, wenn ich ihre Aussagen so sehe, Sie nicht die geringste Ahnung habe, wie ich denke und ticke.

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    2. Tja, DAS liegt vermutlich am mangelnden bis jetzt nicht 'betrunken gemeinsam die Kellertreppe hinunter gefallen sein'!
      (Jedoch werden wohl ausgerechnet SIE mit Ihrer grandiosen 'Indifferenz' sicher auch keinen Wert darauf legen. D.h.: MEIN Problem - nicht Ihres; bitte/danke!)
      Gibt es noch eine andere Methode um DAfuer jeee zu qualifizieren ;-) ?
      Wie SIE 'ticken' ? Getting there - as far as I can see right this very moment!

      LG, Gerlinde
      in TRANspiration da KONspiration wieder mal abgelehnt! Und JA, ich glaube bald diesen EINEN wohl aussagekraeftigsten Satz in diesem Post!

      PS: Antrag auf email-Adresse !!!
      Und fuer 'WHO cares' - ICH !!! Dies stellvertretend naemlich f. den Ruf aaaller anderen Maenner, welche DIESbezueglich wesentlich 'ritterlicher' sind !!! Es ist mitunter verdammt schwierig Sie zu 'verteidigen' - speziell gegen Sie selbst ^^!
      Armer George kriegt vermutlich auch nur ein hartes Leben ;-) !

      So, nachdem wir Ihr 'links-aufgestanden' jetzt geklaert haben, gehe ich beruhigt ins Bett; d.h., wir hoeren uns mein Morgen/Ihre Nacht; schoenen Tag dazwischen fuer Sie.

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    3. Welchen Grund sollte ich haben, Ihnen eine Emailadresse zu geben? Sie sind ja witzig...

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    4. ;-) - auch nur eine andere Art von Indifferenz.
      Einen wunderschoenen und gut ausgeschlafenen guten Morgen btw. aus dem leicht kuehlen Melbourne. Temperatur vermutlich derzeit auf beiden Seiten des 'Tuempels' hilfreich zum selbst in 'Form' bleiben ;-)!

      Also gut: keine Konspiration und keine email-only-Unterhaltung moeglich = Der Blog spielt mit - fein!
      Blogfeinere Version der dann f. Sie 'message': "Herr MiM, manchmal ueberbieten Sie sich doch glatt in Ihrer Kratzbuerstigkeit; Gratulation!"
      Kaffee rueberschieb und Ihren geliebten Freitagsdrink f. spaeter und weiter geht's mit der 'show' - which has to go on ;-) !

      Wuensche Ihnen also weiterhin ein sicheres, sorgenfreies Hin- und Herpendeln per Flugzeug, denn: NIEmand 'kratzt so schoen wie Sie' :-D!

      LG, Gerlinde
      mit Haareverwuschler an Sie, der heute kurzfristig 'steckenbleibt' zum R.., aeh, Zupfen ;-) !

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    5. Sie haben meine Frage nicht beantwortet, denn ich bin alles andere als Gleichgültig...

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    6. ^^ hab ich noch einmal danach gefragt?
      Scheint mir buchhalterisch eher einen anderen Ausdruck dafuer zu geben!









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    7. Hallo Herr Mim,

      Sie schreiben weiter oben als Antwort auf einen Kommentar:
      "Für das Ergebnis spielt das Wie keine Rolle".
      Nun, das stimmt meiner Meinung nach nicht so ganz. Unterm Strich mag zwar das gleiche rauskommen, aber die Qualität, wie etwas zustande kommt.....Nun, ich denke, dass DIE bisweilen sehr entscheidend sein kann. :)

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    8. Herr Kistner, ich gebe Ihnen recht. Pauschal gesehen ist meine Aussage natürlich unrichtig. Aber die Antwort bezog sich auf mein Handeln und dem daraus resultierenden Ergebnis, im Kontext auf mein persönliches Universum. Und in dem Punkt, spielt das Wie in der Tat keinerlei Rolle.

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  2. VORSICHT - NICHT durchstellen, bitte:
    Herr MiM, koennen Sie selbst als Blogbesitzer diesen 'Facebook-Post' bzgl. einer Ihrer Ex-Geliebten vielleicht moderieren/loeschen ? Wenn 'ja' wuerde ich Ihnen dies bitte innigst nahelegen - sorry.
    Gruende:
    a) sie verstossen damit gegen 'Gentleman geniesst und schweigt-Gesetz'

    b) Sie zuechten damit sehr boeses Blut auch in nicht betroffenen Damen hoch; bzw. versperren/erschweren sich selbst eventuelle zukuenftige 'Moeglichkeiten' ^^

    c) Waeren SIE selbst sooo gerne DERart detailiertes 'Blogfutter' bzw. SIE aus der Sicht einer Ex-Geliebten dann mal gesehen?


    Ich weiss: IHR Leben; IHR Blog; IHR Wohnzimmer

    LG, gruebelnde Gerlinde

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    1. Und wenn Sie mir etwas persönlich mitteilen wollen, schreiben Sie mir eine Email.

      zu a) Ich bitte um Vorlage einer Ausführung zu diesem Gesetzt und eine Grundlage warum es für mich gültig ist.

      zu b) Warum sollte das für mich eine Rolle spielen?

      zu c) War ich doch schon... in dieser und anderer Art.

      Also... who cares?

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  3. Hallo Herr MiM.....aus meiner Sprüchekladde...."Sei so frei, dass es dir gleichgültig ist, was andere über dich denken. Du wirst glücklich sein, wenn du dir gefällst. PS. In der Sie-Form klingt es nicht so griffig. Eine gute Zeit wünscht Ihnen Frau A.

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    1. Sie haben auch eine Sprüche-Kladde. Grandios, Frau A. Vielen Dank.

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  4. "Kommt selten vor."

    Naja.

    Ohne jetzt hier jeden ihrer Blogeintraege durchgehen zu wollen, meine ich mich an so einige Aussagen a la "Wiedermal alles richtig gemacht. Aber auch wirklich alles." zu erinnern. ;)

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    1. Ich gebe Ihnen recht. Ich tätige die Aussage öfters. Das stimmt schon.

      Zur Erklärung, ich beziehe das ´kommt selten vor´ auf einen anderen Bereich meines Lebens. Und ich gebe zu, dass das hier natürlich so nicht herüber kommt.

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  5. Ehrlich, Herr MiM: Sie erstaunen mich immer wieder!

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Weiterhin dient dieser Blog nicht dazu um persönliche Kontakte zu generieren, Freundschaften zu schließen oder Bekanntschatften mit Frauen aufzubauen. Ich mag andere Menschen nicht sonderlich und ich habe keine Zeit und Lust auf zeit- sowie energieraubende Balzrituale. Dieser Blog dient ausschließlich mir selbst zu zeigen, wie toll ich bin und Sie sowie den Rest der Menschheit als unwürdig dastehen zu lassen.

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