Dienstag, 10. Februar 2015

Die Geschichte vom Anfang des Endes (3)

Roadtrip – Januar 2000

Wir, Schatz und ich, saßen gemeinsam im Wagen und fuhren auf der Autobahn in Richtung Süden. Sehr früh aufgestanden, hielt ich so gut ich konnte, meine Augen hinter dem Lenkrad offen und versuchte mich auf die Straße zu konzentrieren. Schatz hatte die Adressen der verschiedenen Wohnungen und Häuser, die die Zimmer annonciert hatten, auf einer Straßenkarte eingetragen und navigierte mich durch den Verkehr. Mit jedem Kilometer den ich näher an die große Stadt heran kam, wurde ich nervöser. Es ging gut voran. Obwohl es Winter war, war es nicht wirklich kalt. Es lag kein Schnee. Die Sonne schien und der Himmel war blau.

Zur Mittagszeit erreichten wir die große Stadt.

Das erste Zimmer war ein großer ausgebauter Kellerraum, in einem Haus, ein Stück außerhalb der großen Stadt. Ich erinnere mich an Ehepaar, die mir das Zimmer zeigten. Und schon während ich die Unterkunft in Augenschein nahm, merkten sie, dass ich nicht ganz zufrieden war. Ja, es sei wohl ein Stück weit draußen und sie könnten verstehen, wenn ein junger Mann wie ich, lieber in der Stadt wohnen möchte, anstatt erst noch mit der S-Bahn in die Stadt hinein zu fahren. Wir unterhielten uns kurz. Ich entgegnete, ich würde mir noch ein oder zwei Zimmer ansehen wollen. Am Nachmittag würde ich mich melden. Wir setzen uns ins Auto und steuerten das zweite Ziel an.

Ich parkte den Wagen vor einem großen Haus, welches schon ein bisschen älter war. Es war eine Seitenstraße mit einer Allee. Das Haus hatte zwei Stockwerke und war mit einem alten, hellen Putz aus den sechziger Jahren versehen. Ein alter und ursprünglicher Stadtteil. Die Häuser waren gepflegt und es sah aus, als würde man hier Zimmer nicht vermieten, weil man auf das Geld angewiesen wäre, sondern aus Langeweile, weil man gerade nichts besseres zu tun hätte. Ich klingelte und eine ältere, freundlich daher schauende, Dame öffnete die Tür. Eine ehemalige Rektorin einer Grundschule. Sie war alt, das sah man ihr an, aber sie wirkte unglaublich aufgeweckt. Sie habe zwei Zimmer, sagte sie. Das eine wäre bereits vermietet, an einen Polizisten, den man aber nie zu Gesicht bekäme. Das größere Zimmer wäre frei. Das Zimmer, das sie mir zeigte, war weit und geräumig. Es gab einen großen Schrank, einen Tisch und einen Stuhl und ein Bett, dass seine besten Zeiten schon hinter sich hatte. Aber das Wichtigste, das Zimmer hatte einen eigenen Telefonanschluss, an den man ein Telefon und ein Modem anschließen  konnte. Die nächste U-Bahn Station war auch nur 5 Minuten entfernt. Es war perfekt.

- “Mir gefällt das Zimmer. Ich würde es nehmen. Wenn Sie mich als Mieter wollen?”, fragte ich.

- “Meine Nachbarin kommt gleich zu Kaffee und Kuchen herüber”, antwortete sie. “Haben Sie Zeit? Trinken Sie eine Tasse mit?”

Irritiert schaute ich zu Schatz, die sich im Hintergrund gehalten hatte. Sie hob die Augenbrauen und zuckte mit den Schultern.

Wir gingen zurück in den ersten Stock und betraten das Wohnzimmer. Es war alt und gediegen eingerichtet. Man hörte das Klacken eines Uhrwerks einer alten mechanischen Uhr. Sie deutete auf das alte braune alte Sofa, mit den Kissen. Dann begann sie in aller Ruhe den Tisch einzudecken.

Zu viert saßen wir an dem Tisch. Schatz und ich auf dem Sofa. Links von mir die Nachbarin, rechts die Vermieterin in spe. Ich bekam ein Stück Kuchen serviert, man bot mir Schlagsahne an und schenkte mir ein Haferl Kaffee ein. Was ich den hier wollte und warum ich ein Zimmer bräuchte? Und was mir so gut an dieser großen Stadt gefallen würde? Ich holte aus, beantwortete die Fragen, verwies auf meinen Urgroßvater, der in der Nähe gewohnt hatte und begründete mein Interesse aufgrund der historischen Verbundenheit mir der Region, in dem ich mich auf eine Verbindung aus dem 12. Jahrhundert aus dem Hut zauberte. Ich redete mich um Kopf und Kragen, warf alles was ich zu bieten hatte in die Waagschale, um zu erklären, warum ich den Job in dieser Stadt angenommen hatte.

Ich saß auf heißen Kohlen. Ich würde nervös. Weitere Zimmer wollten noch besichtigt werden und langsam wurde die Zeit knapp. Ich quengelte leicht herum, sie ließ mich noch 20 Minuten am ausgestreckten Arm zappeln. Als dann die Nachbarin zustimmte, weil ich ja so ein netter Kerl mit einer solch sympathischen Frau an meiner Seite wäre, hatte ich mein Zimmer. Von Anfang des nächsten Monats an, würde ich das Zimmer mieten und dann gegen Mitte des Monats Februar beziehen.

Ich dankte, sagte die weiteren Termine ab, teilte der ersten Besichtigung eine Absage und war heilfroh, diese Klippen umschifft zu haben.

Gegen 17 Uhr verließen wir die große Stadt und machten uns auf die Heimreise. Wir hatten ein kleines, günstiges Hotelzimmer gebucht, knapp 1 1/2 Fahrstunde entfernt. Wir checkten ein, machten uns kurz frisch und ich erinnere mich, dass wir kurz darauf in einem griechischen Restaurant mit etwas Glück einen kleinen Tisch für zwei Personen in einer Ecke, in der Nähe der Eingangstür, bekamen.

Am nächsten Tag setzen wir unsere Reise fort. Der erste Schritt in die richtige Richtung war gemacht.

Kommentare:

  1. Did the room have a fridge for the beer?....very important.
    Good story so far mate but I know what's coming...;-)
    Cheers,
    Frank

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    1. You know the old blog,Frank? Right?

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    2. Yes mate, I do. From beginning to end.

      A long time ago now...where has all the time gone?
      Frank


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  2. *knurpsknurpsknurps* sehr nett geschrieben.... da ich den alten blog nicht kenne bleibe ich gespannt.... ich brauch neues Popcorn...

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    1. Frau Kira, die Geschichte, die ich gerade erzähle, gab es auch nicht im alten Blog. Das heisst, das hier alles ist absolut neu.

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  3. Sie schreiben so, dass man vermeintlich meint es plätschert friedlich dahin und bei jedem Post wartet man auf das grosse Kabumm. Ich warte und lese weiter...

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    1. Frau Serendipity, lassen Sie einfach die Geschichte auf sich zu kommen. Am Anfang ist in der Regel alles irgendwie ein Dahin-Fließen. Da kommt noch was.

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  4. ^^ - hoffe, Sie sind in Ordnung trotz verdaechtigter schmerzhafter Erinnerungen bei dieser Ihrer Zeit-Rueckreise, lieber Herr MiM ^^ ?!

    LG, Gerlinde

    PS: Luftsprung, da zumindest Frank o.k. ist und keinem Feuer in WA zum Opfer gefallen ist :-D !
    Meine Bloggerin C. ist auch ausser Gefahr; fehlt mir nur noch Einer - seufz!

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    1. I live in town, so far away from the fire. We have this every summer when the temperatures get to 40 celsius. Unfortunately most of these fires are caused on purpose by idiots.

      Cheers,
      Frank

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    2. ... tell me about it; being 'sitting duck' myself every year, since my living is being considered more 'country-side' (+ 'bumpkin' ;-) !)
      Yet - you know - the moment one gets 'accustomed to ones face' one tends to worry even more then usually = glad to have you still amongst the living and hopefully happy ones :-D :-D :-D

      Heaps of loving greetings from the east coast mate,
      Gerlinde
      (still patiently waiting for a 'to be expected set of verbal spanking' from our mutual friend = blogging friend for me = I wish myself 'luck aplenty' since I can't expect any well wishes from you in this special case: done the crime - have to do the time ^^ + ;-) !
      Hearya and good luck, Frank.)



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  5. Hi Gerlinde...thanks for the response....what crime???lost me on that one....at least we had the Giants...hehe...never mind...you have a good week
    Cheers,
    Frank

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