Donnerstag, 29. Januar 2015

Die Geschichte vom Anfang des Endes (1)

Die Erpressung – Nov-Dez 1999 / Januar 2000

Im Grunde genommen war es die logische Konsequenz. Mein damaliger Arbeitgeber hatte den großen Honiglöffel herausgeholt, schmierte mir damit eine ordentliche Portion um den Mund und den Rest in den Selbigen hinein. Man versprach mir einen unglaublich gut klingenden Titel, mehr Geld und eine tolle Zukunft. Im gleichen Atemzug legte man mir einen neuen Vertrag auf den Tisch, der sich nach genauerer Prüfung als etwas entpuppte, was ich nicht wollte. Toller Titel. Mehr Arbeit. Und etwas mehr Geld, was in keinem Verhältnis stand, zu dem was da auf mich zukommen sollte. Ich lehnte ab.

- “Aber bedenken Sie, Herr MiM, was Sie hier dann für einen Status genießen”, sagte mir der kaufmännische Leiter. Im Grunde genommen ein netter Typ, der in den Neunzigern immer noch die langweiligen Anzüge aus den Siebzigern trug. Dazu Krawatten mit unmöglichen Mustern und in abscheulichen Farben. Er hatte eine fiese Prinz Eisenerz-Frisur, dünne dunkelblonde Haare und trug eine Nickelbrille. Und wie er an seine französische Freundin gekommen war, blieb mir immer ein Rätsel. Ich mochte ihn und kam mit ihm gut zurecht. Er war nett, wirkte unbeholfen und war leicht zu manipulieren. Der Geschäftsführer hatte ihm nun aufgetragen, mich so weit zu bequatschen, diesen Stapel Papier zu unterschreiben.

- “Für einen Status kann ich mir nichts kaufen”, antwortete ich. “Das ist sehr freundlich und ich bedanke mich für das Vertrauen. Aber die Konditionen passen nicht.” Ich legte ihm den Vertragsentwurf wieder auf den Tisch und betrachtete die Angelegenheit als erledigt. Er war geschockt. Brachte kein Ton heraus. Ich konnte an seinem Gesicht sehen, dass das nicht die Aussage war, mit der er bei seinem Boss aufschlagen wollte.

Zwei Tage später fand ich mich im Büro des Geschäftsführers wieder, der mir die Pistole auf die Brust setzte. Er kam aus dem Rheinland, fuhr jedes Wochenende wieder dorthin zurück zu seiner Frau, während er unter der Woche, die kleine Blonde mit den Locken fickte, die für das Qualitätsmanagement zuständig war. Ich hätte den Vertrag zu unterschreiben oder man würde sich jemanden anderen suchen.

Wir stritten uns am Ende noch um 100 Deutsche Mark beim Gehalt, was im Grunde ein Witz war, ich unterschrieb den Vertrag und begann an dem Tag, an dem ich meine Unterschrift unter den Vertrag gesetzt hatte, damit mir einen neuen Job zu suchen. Ich komme mit vielen Dingen klar. Erpressung gehört nicht dazu.

Ich schrieb drei Bewerbungen. Eine an ein Unternehmen in der näheren Umgebung. Eine in den Norden und eine in den Süden. Dann ging alles sehr schnell. Es dauerte keine 3 Tage als das Telefon klingelte und man mir sagte, ich solle unbedingt zu einem Gespräch vorbei kommen. Eine Woche später saß ich in einem Zug und fuhr in die große Stadt im Süden. Es war ein Freitag. Ich erreichte die Stadt gegen Mittag und führte das längste Vorstellungsgespräch meines Lebens. 3 Stunden verbrachte ich mit dem Geschäftsführer und einer Dame aus der Personalabteilung. Nach einer dreiviertel Stunde fanden wir heraus, dass der Geschäftsführer im gleichen Regiment seinen Wehrdienst abgeleistet hatte, wie ich. Nur halt 20 Jahre früher. Der Rest war ein Kinderspiel. Wir erzählten uns zur Freude der Frau aus der Personalabteilung Geschichten aus der Bundeswehrzeit. Zwei Stunden später glichen wir noch einmal unserer Vorstellungen ab. Es passte.

- “Und wo stehen wir jetzt”, fragte ich als ich die Firma verließ.

- “Geben Sie uns ein paar Tage Zeit zum Nachdenken”, sagte der Geschäftsführer.

Eine Stunde später saß ich im Zug nach Hause und war guter Dinge. Drei Tage später spuckte das Fax einen Vertragsentwurf aus. Ich sollte ein ordentliches Gehalt bekommen, man erklärte sich bereit den Umzug zu zahlen und mir bei der Suche nach einer Wohnung zu helfen.

Es blieb nur noch eine Sache zu klären.

Kommentare:

  1. Rotwein - ein trockener Rotwein passt

    LG
    Mechthilda

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    1. Was auch immer Sie dazu bevorzugen, Frau Mechthilda.

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  2. Gue-tig-ster Himmel - DAS haette sogar ich lausiger Blogleser dem 'Boes-Chef' sagen koennen, dass seine Masche bei Ihnen nicht funktioniert !!!

    LG, Gerlinde (Augenrollend bei Tasse Tee; bin wirklich meisst ausreichend 'high' - auch ohne Drogen - egal ob legal oder illegal )

    In Umkehr kannte ich in der Fa. meines Mannes einen Herren, welcher - sogar FUER die passende Summe Geld - einen Job/Titel ausschlug mit der Erklaerung 'er wuerde lieber laenger und gemuetlicher leben stattdessen' . Heute schreibt er 2 x jhrl. (Geb. Ehemann und Weihnachten) aus aaallen moeglichen Ecken der Welt 'Sort of Rapport' eines mittlerweile hochbetagten Rentnerlebens = EIN suesses Uniquum und ich bekomme immer "Kuess die Hand der gnaedigen Frau Gattin" = Alleine DAfuer bete ich SEIN Leben laenger ;-) :-D !

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    1. Hinterher ist man immer schlauer.

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    2. ;-) - Yeah, darum anbei meine Traum-Jobs:

      - Pathologe; dessen Fund bringt wenigstens noch Nutzen f. spaeter - mM
      - Wetter-Raterei, aehem sorry, es wird ja doch noch immer 'Wetter-Vorhersage' genannt = endlos straffrei f. Falschaussagen
      - Polls/Umfragen/Vorhersagen zu 'weiss-der-Kuckuck' = Entertainment ohne persoenlich Eintrittsgeld dafuer zahlen zu muessen.

      LG, Gerlinde

      PS: nachdem Sie mir ja 'hinterm Vorhang' Konspiration verboten haben:
      Hier brennt's grad 'etwas besser/mehr' in WA; haben Sie eine Ahnung, wie's Freund/Leser F. geht?
      Ich zaehle selbst gerade 'Die Haeupter meiner Lieben' - sorry f. pushen.

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  3. Dose Pils. Umzugsbierchen. Zwischendrin sogar 1 Std Stressabbauf**** gehabt. Nun Bayernklatsche vom improvisierten Matratzenlager geschaut. Was wollten die Kinder zum Abendessen? Dose Ravioli, herrlich. So einfach ist das Leben manchmal. Cheers, gegen die Prüderie und auf meinen Kamin!!!!
    Lg Fr. Eva

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    1. Klingt so, als würde es gut für Sie laufen, Frau Eva. Freut mich.

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