Dienstag, 20. Mai 2014

Damals im Mai

Ich rufe Google auf und tippe seinen Namen in die Suchmaschine. Gleich der erste Link ist ein Volltreffer. Ein Verweis auf einen Zeitungsartikel mit Bild.

Es ist jetzt 8 Jahre her, dass ich ihn zum letzten Mal sprach. 9 oder 10 Jahre dass ich ihn zum letzten Mal sah. Wir waren Freunde. Zumindest dachte ich das.

Wenn man einen Menschen durch seine Höhen und Tiefen begleitet, ihn mit Rat und Tat unterstützt, kann sich ein Gefühl von Verbundenheit entwickeln. Es gab sogar eine Zeit in der ich zu ihm aufgesehen hatte, und das nicht nur, weil er mit seinen fast 2 Metern größer ist als ich.

Die Beziehung bekam ihre ersten Risse als ich mich begann von seinem Einfluss frei zu machen. Als ich seine Ratschläge und Erklärungen auf den Prüfstand stellte, sie abwog, bewertete und teilweise verwarf, da die Ansätze für meine Probleme nicht wirklich geeignet waren.

Ich erinnere mich, dass die Probleme größer wurden, als ich ihn endgültig von dem Sockel herunter nahm, auf den ich ihn selbst gestellt hatte.

Im Mai 2006 nahm mein Leben von einen Tag auf den Anderen eine Wendung. Innerhalb eines Tages brach das Universum, was ich mir selbst geschaffen hatte, auseinander. Es blieb kein Stein mehr auf dem Anderen.

An diesem einen besagten Abend telefonierten wir. Ich wollte weder einen Rat, noch bat ich um Hilfe, ich wollte nur einfach mit jemanden sprechen. Während ich erzählte was vorgefallen war, betrank er sich auf der anderen Seite am Telefon. Dann ließ er seinen aufgestauten Frust und Wut mir und meiner Person gegenüber freien Lauf. Ich kann mir bis heute nicht erklären, warum ich nicht einfach aufgelegt habe. 1 ½ Stunden lang ließ ich mich beschimpfen. Hörte mir an was an meiner Person seiner Meinung nach alles unausstehlich sei. Was nach seiner Ansicht nach, eine ganze Menge gewesen war. Nach 1 ½ Stunden stellte er nur eine Frage.

- „Was willst Du von mir?“

Es folgte eine Pause. Die Zeit stand für einen Augenblick still.

- „Nichts“, antworte ich. „Nichts will ich von Dir.“

Ich legte den Hörer auf. Dann überkam mich die Wut. Tränen drückten sich aus meinen Augen und ich schlug auf die weiß gestrichene Wohnzimmerwand ein. Irgendwann sackte ich im Türrahmen zusammen, hielt meinen eigenen Kopf zwischen den Händen. So fühlte es sich also an ganz unten angekommen zu sein.

Es war das letzte Mal das ich mit ihm gesprochen habe. Es fiel nie wieder ein Wort zwischen uns. Wir haben uns auch nie wieder gesehen.

Ich schaue noch einmal auf den Zeitungsartikel aus dem Lokalteil einer unbedeutenden Kleinstadt. Er ist wie ich älter geworden. Ich stelle mir vor, wie er geredet und gestikuliert haben muss, während der Mensch von der Zeitung das Interview und die Fotos gemacht hat.

Dann schließe ich die Seite. Mit einem Schulterzucken, etwas Wehmut und einer gewissen Art von Gleichgültigkeit.

Kommentare:

  1. Herr MiM,
    das wird hier alles seltsamerweise ganz nachdenklich.

    Gehts Ihnen gut?

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  2. Eines schweren Tages wirft der Samen seine Hülle ab. Zeit, Wurzeln zu schlagen und nach oben zu streben.

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  3. Hallo Herr MiM, nachdenklich und doch überall auf der Welt passiert. Eine schöne Woche wünscht Ihnen Frau A.

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  4. Hm. Ja, Menschen leben sich auseinander. Eigentlich immer. Nicht immer endet es so heftig. Habe in meinem Leben bisher niemanden getroffen, von dem ich mich nicht schlussendlich entfernt hätte. Macht mich gerade nachdenklich.

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