Mittwoch, 2. April 2014

Pizza.de, Lieferando, Lieferheld & Co.

Ich erinnere mich noch eine Zeit, da waren Pizza- und sonstige Lieferservices weitestgehend unbekannt. Hatte man Lust auf etwas anderes als eine Tiefkühlpizza, die die Eltern aus dem Supermarkt mitgebracht hatten, gab es eigentlich nur eine Alternative. Man musste sich auf das Fahrrad setzen und fuhr in die Innenstadt von Dreckskaff. Nach nicht mal 10 Minuten erreichte man die Innenstadt, fand am Treffpunkt die üblichen Verdächtigen vor, irgendjemand von uns lungerte immer da herum, und schlenderte dann ein Stück weiter den Weg durch die Fußgängerzone hoch, zu Capri. Ein kleiner italienischer Schuppen, in dem ein kleines italienisches Restaurant untergebracht war, oder was man dafür hielt, und der durch ein Schiebefenster heraus, vom Pizzablech eine Pizza auf die Hand verkaufte. Für 2 Deutsche Mark.

Diesen Laden besuchte man als junger Bengel auch nur, wenn man keine Freundin hatte. Tauchte man mit einem Mädchen auf, konnte man sich zu 100% sicher sein, selbst wenn man daneben stand, dass diese Kleinstadt-Pizza-Bäcker-Mafiosi alles anbaggerten, was weiblich war. Egal wie alt, egal wie jung. Den Mädels gefiel das. Wir Jungs waren mehr als genervt.

Es folgte das Zeitalter des klassischen Lieferservice. Man fand oder jemand drückte einem einen Flyer in die Hand. Die Auswahl war übersichtlich. Man entschied sich für ein Gericht, rief dort an und noch einer halben Stunde später bekam eine Pizza geliefert. Regelmäßig angebrannt, durchnässt von billigen Dosenchampignons und wenn man Glück hatte, war sie sogar ab und an noch warm.

Heute, im digitalen Zeitalter der Apps und Smartphones, können Sie über den Anbieter einer App sich einen Lieferservice Ihrer Wahl heraussuchen, das gewünschte Gericht in einen Warenkorb legen, per Paypal, Kreditkarte oder sonst irgendwie bezahlen und wenn alles glatt geht, bekommen Sie nach einer halben bis dreiviertel Stunde ihr Essen geliefert.

Soweit klingt das alles ganz gut. Bei genauerer Betrachtung halte ich das, meine ganz persönliche Meinung, für eine ziemlich große Scheiße, denn bei genauerer Betrachtung bringt die Bestellung über eine App der zum Beispiel oben genannten Serviceanbieter keinen wirklich Vorteil.

Nehmen wir einmal an, der Pizzabäcker liefert ihnen eine Pizza für 10 EUR nach Hause. Mit diesen 10 EUR sollte er seinen Arbeitsaufwand, die Bezahlung für Lieferboten, Transportkosten und Wareneinsatz, sämtliche Fixkosten anteilig abdecken, sowie seinen Wareneinsatz. Eigentlich ein perfektes Beispiel für eine Deckungsbeitragsrechnung. Die Abführung der Umsatzsteuer vernachlässige ich jetzt einfach einmal aus Vereinfachungsgründen.

Wenn man sich nun einmal die Provisionen ansieht, die Pizza.de, Lieferheld, Lieferando und Co. für das Listen des Anbieters in der App kassieren, liegen diese so zwischen 10 bis 15 % des Umsatzes, der über die App generiert wurde. Das heißt, dass für die Vermittlung der Pizza bei 10 EUR Umsatz, etwas zwischen 1 EUR und 1,50 EUR an Provision zu zahlen wäre. Geld, welches der Inhaber vorher als Gewinn vereinnahmen und in sein Produkt stecken konnte.

Ich ziehe in Zweifel, dass die Kundschaft es hinnehmen würde, dass das Produkt ohne erkennbaren Mehrwert wäre, läge man die Kosten 1:1 auf das Produkt um.

Also, was bleibt dem Pizzabäcker übrig?

Er kann seine Kostenstruktur im Fixkostenbereich optimieren oder er wird im Einkauf an der Qualität der Zutaten sparen. Billiger einkaufen ist ein Effekt, der man sofort wahrnehmen kann, der sich unverzüglich bemerkbar macht.

In der Folge komme ich zu dem Gedankengang, dass das Verwenden einer App letztlich dazu führt, dass die Qualität meiner Pizza absinken würde, bestellte ich über einen Lieferservice.

Im Grunde eine riesige Verarsche, die für meine Person, für eine Ablehnung dieses Konzeptes spricht.

Und auch wenn ich wahrscheinlich nicht im Trend der Zeit liege, Sie dürfen mich schon ruhig altmodisch nennen, mache ich doch meine Pizza lieber selbst.

Kommentare:

  1. Danke für die betriebswirtschaftliche Betrachtung, die sich - unbewusst - mit meiner Beobachtung deckt. Zwei der Lieferservice haben propagiert, über diese Seiten die Bestellungen zu bekommen. Nach kurzer Zeit ging jeweils die Qualität in Richtung Keller. Scheint also mehr als die traurige Annahme zu sein - es ist die Realität.

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    1. Betriebswirstschaftliche Betrachtung wäre etwas überzogen. Es ist ja nur oberflächlich und grob betrachtet, Herr Silberlöffel. Aber am Ende, so denke ich, wird das nicht zu einer Qualitätssteigerung führen.

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  2. Jeder Mensch braucht einfach einen Stamm-Italiener. Wo man die Pizza frisch zubereitet aus dem Pizzaofen bekommt, am besten noch aus einem echten Steinofen. Wo die Mitarbeiter auf italienisch fluchen und singen. Und wo man auch mal schön versacken kann.
    Da kommt kein Lueferservice gegen an, es sei denn, der Stamm-Italiener befindet sich um die Ecke und liefert auch.
    Alles andere ist geschmacklich Bullshit!
    Lg Frau Eva

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    1. Frau Eva, wobei ich Glück habe. Mein Lieblingsintaliener liefert seine Pizzen auch nach Hause. Allerdings mache ich meine Pizza, seit dem ich diesen Steinofen-Verschnitt habe, doch lieber selber.

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  3. Nett und korrekt analysiert. Aus Zeitmangel rufe ich oft den Mafiosie meines Vertrauens an. Und gehe 20 min später in den Laden um die Ecke meine Pizza holen. Nicht angebrannt und keine Dosenchampions und heiss. Und angebaggert werde ich auch nicht mehr seit Ü40. Wird Zeit für das T*ttentshirt der Missfits. Aber das ist ein anderes Thema.

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    1. Dann haben Sie aber Glück, Frau Kira, dass das so gut bei Ihnen funktioniert.

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  4. Ein interessanter Artikel - so hab ich das noch nie gesehen. Ich hab zwar noch nie etwas über eine FutterApp bestellt - nach Ihrem Artikel werde ich das aber auch nicht tun!

    Alles Liebe
    Frau nima

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    1. Frau Nima, ich halte einfach nichts davon. Aber das muss ja letztlich auch jeder selbst entscheiden.

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