Mittwoch, 5. März 2014

Die Katze auf dem Ikea-Bett

- „Er steht auf eine besondere Art von Sex“, sagte sie.

Seinen Namen habe ich schon wieder vergessen. Man muss ihn sich auch nicht merken. In einer Welt, die so schnelllebig ist, sind Namen und menschliche Kontakte nur Schall und Rauch. Ohne weiterreichende Bedeutung. Er wurde über ein Dating-Portal rekrutiert, welches sich auf den lokalen Markt vom männlichen und weiblichen Angebot und der Nachfrage für Partnerschaften konzentriert.

Sie wischte sich eine der schlecht gefärbten roten Haarsträhnen aus dem Gesicht.

-„Manchmal gehe ich wochenlang nicht online. Ich mache das nur, wenn ich Lust darauf habe.“

Sie erzählte, nicht ohne Stolz in der Stimme, dass sie heiß begehrt wäre und wenn sie online ginge, über den Messenger dutzende Männer sie anschreiben würden. In den Momenten frage ich mich oft, wie es sein muss eine Frau zu sein.

-„Ich habe das Bild als Profilbild gewählt“, sagte sie und zeigte auf ein Bild, das an der Wand hing. Das Bild war 7 oder 8 Jahre alt. Ich kannte es. Ein Fotograf hatte sie schön zurecht gemacht, sie in Pose gesetzt, liegend auf den Boden und so fotografiert, dass der Blick auf die Brüste vom Gesicht ablenkte. Wahrscheinlich hatte sie noch andere Bilder von sich online gestellt, die eindeutiger waren.

Eine Frau, deren einzige Macht über Männer darüber besteht, dass sie ihnen die Ware Sex geben oder vorenthalten kann.

-„Und was für eine besondere Art Sex soll das sein?“, wollte ich wissen. War ich neugierig? Ich weiß es. Aber für einen Moment war ich wirklich hellhörig geworden.

-„Es ist schon heftig“, wiederholte sie sich.

-„Was denn nun?“, fragte ich ungeduldig. Ich kann diese Spiele nicht ausstehen. Entweder hat man, in diesem Fall Frau, etwas zu sagen oder nicht.

-„Ich habe mit ihm geschrieben. Er ist dann vorbei gekommen. Ich habe ihm einen kleinen Zettel an die Klingel gemacht, damit er wusste wo er hin musste und mich einfach in meinen Cat Suite auf das Bett gelegt. Dann habe ich mir meine Augen verbunden. So habe ich auf ihn gewartet. Wer es eigentlich war, das habe ich erst danach gesehen.“

Ich verzog keine Miene. Aha, so eine Art von Spielchen. Es war in gewisser Hinsicht auch mal etwas erfrischend Neues, was sie mir erzählte. Ich überlegte mir, was ich getan hätte, wenn ich der Kerl gewesen wäre. Ich wäre wahrscheinlich am Kühlschrank hängengeblieben, hätte Schinken und Wurst aufgegessen, noch ein Bier getrunken und hätte mich dann, nach dem ich ein Blick auf das Bett und das darauf geworfen hätte, aus dem Staub gemacht. Katzen-Content ist nicht so meins. Ich erinnere mich nicht mehr daran, was sie noch danach erzählte, weil ich nicht mehr zuhörte und meinen Gedanken nachhing. Ich war ein wenig von der Vorstellung fasziniert und zugleich abgestoßen. Aber im Grunde genommen war es mir egal.

Die menschliche Sexualität ist eine Spielwiese und zugleich ein Gefängnis. Oder ein Labyrinth in dem man sich verlaufen kann. Zwischen den Untiefen von Ansprüchen, Wünschen, Gedanken, Vorgaben, Zwängen, Schauspielerei, Lügen und Doppelmoral ist es nahezu eine Kunst keinen Schiffsbruch zu erleiden. Und wenn es ganz schlimm kommt, arrangiert man sich mit sich selbst. Die Verleugnung eigener Wünsche, Sehnsüchte und Bedürfnisse.

Das ist dann das Ende.

Kommentare:

  1. Man sollte dem Kätzchen noch eine Schüssel Milch neben das Bett stellen. Nachdem man den Kühlschrank professionell geleert hat und bevor mann wieder geht.

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    1. Herr Luzifer, eine sehr gute Idee. Das hätte was...

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  2. Ich würde dich bzw. die Situation mal zu gerne beobachten, wie du dich mit einer generischen Frau unterhältst. Ich würde mit Sicherheit eine Menge lernen.

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    1. Oh, Herr Robby, da gab es einmal eine Situation, die hätte Ihnen gefallen.

      Ich diskutierte 2 bis 3 Stunden mit einer Frau. Es flogen richtig Fetzen. Irgendwann beschwerte sie sich, ich hätte nicht einmal nach ihren Namen gefragt. Ich entgegnete darauf, dass ich das sehr wohl getan hätte, würde es mich interessieren.

      Sie hätten Ihren Spaß gehabt. Mehr erzähle ich Ihnen bei einem kühlen Getränk.

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  3. Ach Du meine Güte! Schicken Sie der Armen doch mal ein Buch von Anais Nin oder so. Ach ne, behalten Sie es und lesen Sie es selbst ;) macht mehr Spass und ihr ist eh nicht mehr zu helfen.
    Wo ist da der Humor, die Lust am Leben?
    LG Frau Eva

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  4. Nachschlag: Also, ich unterhalte mich über Sex nur mit Leuten, mit denen das auch Spaß macht und inspiriert ;) Ansonsten müßte ich glaub ich erbrechen!!!

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