Dienstag, 3. Dezember 2013

Eine Abhandlung über männerfreundliche Begrüßungszeromonien

Ein Grund für meine leicht abseits gelegene Position auf dem zwischenmenschlichen Parkett ist die Tatsache, dass ich bereits seit meiner Jugend die Regeln für einen sozialen Umgang miteinander nie wirklich verstanden habe. Sehr schwer tue ich mich bis heute mit dem, was man als den Eröffnungszug der menschlichen Interaktion bezeichnen könnte, die Begrüßung.

Am Anfang der Zeitrechnung, als die ersten pubertären Wellen an den Strand meiner Existenz schwappten, war der tägliche Umgang durch den ´besten´ Freund geprägt. Mehr gab es da nicht. In der männlich frühen Entwicklungsphase benötigte der beste Freund keine besondere Begrüßung. Ein Hi oder Hallo reichte vollkommen aus. Auch die Verabschiedung war im Gegensatz heutigen Verhältnissen nahezu minimalistisch. „Bis morgen.“ Das wars. Und dann traf man sich am nächsten Tag wieder, bei dem Versuch den Highscore bei Wizball zu knacken, einem Spiel in dem man als Zauberer, in der Gestalt eines hüpfenden Balles, versuchte Farbtropfen einzusammeln und damit die einzelnen Level bunt zu färben. Wir damals Stunden vor dem C64 verbracht.

Im Grunde genommen wurde das Thema erst kompliziert, als das Leben um Frauen erweitert wurde. Es begann alles recht harmlos. Zuerst begrüßten sich nur die Mädchen mit Umarmungen. Ein halbes oder dreiviertel Jahr später hatte es sich eingeschliffen, dass die Mädels ihre Begrüßung auf herzliche Umarmungen und diese angedeuteten Wangenküsse erweitert hatten. Auf mich, als jungen männlichen Teenager, wirkte dieses mehr als befremdlich.

Damals wie heute konnte ich keiner Lesbennummer etwas abgewinnen. Erfahrungsgemäß ist das Beste an einem Dreier ist, wenn die Frauen schon damit beginnen gegenseitig an sich herumzuspielen, dass man sich in der Zeit in Ruhe ein paar Drinks mischen kann und die Hausbar für sich alleine hat. Wenn man richtig Glück hat, finden sich vielleicht noch einige geröstete Erdnüsse. Wenn nicht im Barschrank, dann meistens ganz rechts oder links in der Sofaritze. Man muss noch lange genug danach suchen. Dort entwickeln sie auch erst das richtige Aroma.

Der Tag kam als mich ein traumatisches Erlebnis für den Rest meines Lebens prägen sollte. Wer auch immer auf die Idee kam, ich verfluche ihn dafür. Die Mädels kamen auf diese Idee, dass man auch Jungen herzen kann und ehe man sich versah, wurde das weibliche Begrüßungsritual auf uns Jungs übertragen. Auf einmal wurde man von einem Mädchen zur Begrüßung in den Arm genommen, geherzt und je nach der Einordnung auf der persönlichen Beliebtheitsskala wurde ein Wangenkuss angedeutet oder behutsam umgesetzt. Jahrelang erstarrte ich jedes Mal, wenn ich gedrückt wurde. Nach einigen Jahren hatte ich mich daran gewöhnt, dass einen Frauen aus irgendwelchen Gründen immer anfassen wollten. Bei hübschen Frauen ist das Ganze ja noch halbwegs erträglich. In der Regel muss man, hat man das hübsche Exemplar angefasst, das gleiche Begrüßungsritual auch mit der hässlicheren Begleiterin absolvieren, die manchmal nicht mehr loslassen, weil diese Begrüßung der einzige sexuelle Kontakt für lange Zeit sein kann. Ich wurde älter und entspannte mich erst, als die Zeit kam, in der man(n) eine Zeit erreichte, in der man Frauen wieder höflich mit dem entsprechenden Abstand begrüßte und die maximale Begrüßung ein kräftiger Händedruck

Sollten Sie an dieser Stelle nun den Eindruck haben, dass ich wieder herablassend über Frauen spreche, möchte ich Sie wissen lassen, dass dies nicht so ist. Ich habe einige Frauen kennengelernt, die schon sehr wohl wussten, wie man einen Mann begrüßt und dieses Artgerecht umsetzten.

In einer Stadt, in der ich sehr lange gelebt habe, lernte ich durch einen Zufall eine Frau kennen. Sie war Prokuristin in einer privaten Wohngesellschaft. Sie war wesentlich älter als ich, intelligent, in ihren Ansichten etwas eigenwillig, aber ein feiner Kerl, wie man das als Mann so sagen würde. Sie setzte in der Begrüßung von Männern durch eine Frau Maßstäbe. Wenn ich klingelte, in die Wohnung gelassen wurde und die Tür hinter mir geschlossen war, gab es als erstes einen Blowjob. Gleich noch im Flur. Nicht so einen Dahingewurschtelten, sondern so einen richtig Guten, mit Hingabe und Begeisterung zubereitet. Anschließend gab es einen Espresso oder Cappuccino. Dann wurde auf der Küchenzeile weitergevögelt. Anschließend wurde man mit Antipasti gefüttert, es gab immer einen guten Wein zu trinken. Und dann vögelte man munter noch ein bisschen herum. Aber nicht zu lange, schließlich war ich verheiratet und musste ja auch irgendwann nach Hause. Wir trafen uns über ein paar Jahre immer alle zwei Wochen.

War eine gute Zeit.

Kommentare:

  1. Werter Herr MiM, ich kann rückblickend nicht sagen, dass mein Leben um Frauen erweitert wurde. Es wurde eher durch die damit einhergehenden Konventionen eingeschränkt. Bin mir im Moment gar nicht so sicher, ob ich später wieder eine Frau will oder mir Fische kaufe.

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    1. Herr Silberlöffel, hinsichtlich meiner eigenen Erfahrungen würde ich mich heute auch nur noch für Fische entscheiden. Ich denke, dass ist die bessere Wahl. Die wesentlich bessere Wahl.

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  2. Wenn man das so betrachtet haben Sie mein tiefstes Mitgefühl."Umarmungen, Küsschen rechts/Küsschen links," wirklich unglaublich. Wenigstens blieb Ihnen diese Zeremonie mit der Prok. Lady erspart. Was für ein Segen.

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    1. Ja, Frau Sadie, da hatte ich an der Stelle noch einmal ordentlich Glück gehabt. Das hätte auch schlimm enden können.

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    2. Ich werde nachdenklich, werter Herr MiM, wenn ich daran denke, sie kommen nach dem ejakulatilen Besuch endlich nach Hause und werden dort ehelich in die Pflicht genommen.
      Bei mir wäre der Liebsten das aufgefallen, daß ich vorher schon ordentlich zur Sache kam...

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  3. Eine Einleitung über 6 Absätze. Ich beneide Sie um (u.a.) Ihre Schreibkunst

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    1. Herr Klaeui, da ich annehme, Sie meinen es so, wie Sie es sagen, danke ich für das Kompliment.

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  4. Na da scheine ich aber grosses Glueck gehabt zu haben:
    als ich hier in Australien bei der 'Ersten Runde; ca. 1985' Handwerker-Autos herumgurken fand mit folgendem Text (in den Dreck auf dem Auto) geschrieben: "if my wife only would be as dirty as my car", musste ich mich noch erkundigen, WAS das denn 'heissen/bedeuten' soll.
    ;-) - heute weiss ich das = ich habe gelernt!

    LG, Gerlinde



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    1. Werter Herr MiM,

      ich kann Ihre vergangene latente Frustration über die sehr befremdlichen Begrüßungsrituale weiblicher pubertierender Menschen durchaus verstehen. Wie sie jedoch richtig angemerkt haben ändern sich diese Gewohnheiten mit fortschreitender Entwicklung der meist weiblichen Person und kann unter umständen wie im Falle Ihrer Prokuristin durchaus angenehme Umgangsformen entwickeln. Ein Glück für den der ein solches Exemplar begrüßen darf - jedoch hoffe ich doch auch inständig, dass Geschäftspartner nicht mit der selbigen Begrüßung geherzt werden, dass könnte dann schon zu einigen Irritationen im Geschäftsleben führen.

      so Long

      cugar

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    2. Ich gebe zu im geschäftlichen Bereich kann das wirklich arg nach hinten losgehen.

      Ja, Frau Gerlinde, es geht nichts über gut Sprachkenntnisse ;-)

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