Samstag, 21. Dezember 2013

Christmas Tales from Suburbia

Nicht mal mehr eine handvoll Tage bis Heilig Abend. Suburbia strahlt. Überdimensionierte und beleuchtete Weihnachtssterne in den Küchenfenstern, der Buchsbaum durchzogen von Lichterketten, zwei Straßen weiter hat einer, knapp 50 cm unter der Regenrinne, eine Bordüre aus leuchtenden Lampen um das Haus gezogen.

Der in der Nähe liegende Supermarkt entwickelt sich zum Kriegsschauplatz um Discount-Aufbackbröttchen, die das Überleben über die Feiertage sichern sollen und Flaschen von Johnnie Walker Red Label, die dem ambitionierten Whiskyfreund, zu der Flasche, das Weihnachtsangebot zu 9,99 €, noch ein stilechtes Glas mit verkaufen. Zwischen den Regalen taumeln die Frauen mit den Einkaufszetteln hin und her, während der Mann, gelangweilt, auf dem Einkaufswagen abgestützt, auf dem Smartphone tippt und derweil das Drecksbalg, zwischen den bereits getätigten Einkäufen sitzend, in einem immer lauter werden Ton "la la la", "La La La" und "LA LA LA", schreit.

Zu Weihnachten verhält es sich im Supermarkt wie zur Kirmes oder dem Rummel. Alles was, manchmal mehr, manchmal weniger, zur Kategorie Mensch gehört, kommt aus den Löchern hervor und strömt in die Märkte um hemmungslos, sinnbefreit und ziellos zu konsumieren. Man sieht Menschen, die man das ganze Jahr über nicht zu sehen bekommt.

Ich habe dieses Jahr keinen einzige Weihnachtsgruß geschrieben. Nur eine Kondolenzkarte habe ich unterzeichnet. Für meinen Nachbarn, der in Adventszeit verstorben ist. Es ging schnell, sagte seine Frau. Der Tumor im Kopf drückte auf das Gehirn, was dafür sorgte, dass er zuckend, mit Krämpfen, wie ein Fisch an Land zappelnd, relativ schnell, aber elend im Krankenhaus verendet ist. Bei der Diagnose hätten die Ärzte gesagt, 1 1/2 bis 2 Jahre noch. Er schaffte nicht mal mehr als ein Jahr.

Ich blicke aus dem Fenster. Der Mann, dessen Frau besoffen im Garten gelegen hat, zieht aus dem Haus aus. Die Kartons stapeln sich hinter den Fenstern. Sein Kombie steht in der Einfahrt. Zwei Kids rennen herum und stehend glotzend dabei, während er schraubt, macht und tut.

Es ist früher Nachmittag und ich denke ernsthaft darüber nach, ob ich mit dem Trinken beginnen sollte.

Kommentare:

  1. Eines meiner liebsten Lieder, werter Herr MiM. Und es ist ein würdiger Begleiter für einen guten Single Malt. Sie wissen, was ich meine. Und auch kein "Blue Label" ist da gemeint.

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    1. Herr Silberlöffel, es ist DAS BESTE Weihnachtslied ever... wenn Sie mich fragen.

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  2. Ein ähnliches Bild hat meine gestrige Feldstudie ergeben, und ich habe beschlossen, jedwede Form von Supermärkten bis nach dem Jahreswechsel zu meiden. Sonst könnte es durchaus passieren, dass ich ein LaLaLa-Kind in den nächstbesten Weihnachtsbaum-Einpack-Trichter stopfe. Aber ich kann es mir leisten, die Aufbackbrötchen-Vorräte sind aufgestockt. Bei uns drehten sich die Grabenkämpfe auch eher um den Tiefkühl-Blätterteig.
    In diesem Sinne Ihnen ein besinnliches Fest!

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    1. Frau Fusselhamster, ich persönlich bin von Ihren Ideen bezüglich LaLaLa-Kindern begeistert.

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  3. Und da wundern sich andere warum ich die Weihnachtszeit so hasse. Weihnachten sind die Mitmenschen alle besonders schlimm. Ich habe regelrecht Angst die Supermärkte zu betreten, eben wegen dem was sie beschrieben haben.
    Und die ganzen Lichter machen mich ganz verrückt. Wie halten das die Bewohner solcher Wohnungen aus, hinter deren Fenstern es blinkt wie in Las Vegas?

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    1. Ja, Herr Andi, es geht doch nichts über die schöne und besinnliche Weihnachtszeit.

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