Donnerstag, 7. November 2013

Odysseus

Ich hatte mir Ruhe gewünscht. Mit dem Wünschen muss man vorsichtig sein, denn es könnte in Erfüllung gehen.

Genau dieser Fall ist nun eingetreten. Nachdem ich mein Leben bisher in Wohnungen, Appartements und Hotelzimmern gelebt hatte, war ich gewöhnt, dass es immer eine Geräuschkulisse um mich herum gab. Sei es die Familie aus dem oberen Stockwerk, die mit ihrer kleinen, kreischenden Tochter durch das Treppenhaus ging oder dieses blonde Polenflittchen die zuletzt über mir wohnte. Entweder hörte man sie mit ihren High Heels über das Parkett klackern oder irgendwann in der Nacht wie eine Sau quieken und schreien, wenn sie mal wieder ran genommen wurde. Zugegeben, ich habe mich immer gefragt, wie das Programm wohl so sein mag, dass sie durchzieht. Jedenfalls hatte ich immer eine Art akustischen Hintergrund, der mir immer das Gefühl gab, irgendwie ein Teil von irgendetwas zu sein, selbst wenn man im Grunde nicht dazu gehören wollte.

Nun, sitze ich in einem absolut überdimensionierten Wohnzimmer und habe die Ruhe, die ich mir immer gewünscht habe. Ruhe. Stille, die nur ab und an unterbrochen wird, wenn der Weinklimaschrank anspringt, um die beiden Zonen auf Temperatur zu halten. Es ist schon beinahe zu ruhig. Wenn ich unruhig werde stehe ich auf und wandere durch das Haus. Auch nach fast 1 ½ Monaten habe ich mich noch nicht an die Geräumigkeit gewöhnt. Es ist alles so groß. Immer wieder schaue ich mir die Räume im Keller an, wandere durch das Erdgeschoss und schlendere dann durch den ersten Stock. Manchmal schaue ich noch einmal die Treppe, in den zweiten Stock hoch, der im Dunkeln liegt. Viel Platz und Raum, der noch nicht belegt ist.

Am liebsten bleibe ich im Wohnzimmer stehen, vor den riesigen Glasscheiben, die die ganze Wand in Richtung des Gartens einnehmen. Draußen stehen Stühle und ein großer Tisch aus Massivholz, die ich gerne im Herbst noch genutzt hätte, wenn das Wetter besser gewesen wäre. Jetzt muss ich auf das Frühjahr und den Sommer warten. Ich würde gerne in der Sonne draußen sitzen, einfach in den Garten gucken und dazu eine Flasche Wein trinken.

Dieses Warten. Diese Stille. Beruhigend und so gewöhnungsbedürftig zu gleich.

Kommentare:

  1. Konnte den Text nicht so genau wahrnehmen und verarbeiten, meine Gedanken schweiften immer zum Polenflittchen ab.

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Ja, Herr Andi, das kann ich nachvollziehen. Ich muss mich auch dafür entschuldigen, dass ich einen solchen Ablenker eingearbeitet habe.

      Löschen
  2. Also, ich glaube, Sie kommen langsam an. Diese Ruhe gibt einem richtig Kraft, man lässt sich darauf ein, geniesst es und hört mit der Zeit "das Gras wachsen". Wunderbar.
    Nur: der Weinklimaschrank wird dann immer lauter.

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Ich? Ankommen? Wissen Sie, ich kann mir das noch nicht so richtig vorstellen. Aber ich lasse mich gerne überraschen.

      Löschen
  3. In Größe muß man hineinwachsen.
    Oder sagte ich das bereits?
    Viele Grüße aus 300 qm. (für Zwei.)

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Vielleicht haben Sie recht, Frau Friederike. Ich hoffe doch, dass das noch der Fall sein wird.

      Löschen
  4. Eine Kuscheldecke?
    Hilft mir persoenlich zumindest immer, wenn auf noch fremden und unvertrautem Terrain, wo aber keine Flucht moeglich/erlaubt ist.
    Wuerde Ihnen gerne virtuell temporaer wenigstens eine Ecke von meiner anbieten - brauche sie aber leider selbst derzeit ( fast zu) haeufig in Gaenze selbst.
    Es wird schon, Herr MiM - Sie haben schon viiiiel schlimmere Sachen geschafft/ueberstanden!
    Da ich mich dessen absolut nicht einmal schaeme, koennen Sie dies hier schon durchstellen, denn ich verdaechtige, dass jeder Mensch (s)einen 'kleinen Hilfe-Strohhalm' in seinem Leben hat; manche verstecken diesen eben gerne - manche wissen auch nicht wissentlich davon (handeln aber dann 'wie gewohnt' = vertraut/bekannt = auch 'Strohhalm' )

    LG, Gerlinde



    AntwortenLöschen
  5. Yeep. Das ist wahres Zen. Oder wahrer Zen? Wenn Sie erstmal anfangen kleine Kiesbeete zu harken...

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Frau Kira, wenn ich anfange Kiesbeete zu harken, erlösen Sie mich bitte. Hängen Sie ein Out of Order Schild in den Blog und erschießen Sie mich.

      Löschen
  6. Sie hätten doch das "Polenflittchen" als Untermieterin mitnehmen können, lieber Herr MiM. Natürlich wäre in diesem Fall ein gutes Schloss für den Weinschrank angebracht gewesen ;-)
    Mal im Ernst... Sie werden sich sicher schon bald an die Ruhe und den Raum gewöhnt haben. Wenn's zu still wird, kochen Sie einfach was Schönes und lassen uns zumindest visuell an den wunderbaren Ergebnissen teilhaben.
    Liebe Grüße von Felina, die mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit voraussagen kann, daß sie in spätestens fünf Monaten die frühmorgens laut zwitschernde Vogelbande verfluchen werden, die Ihre himmlische Ruhe zerstört.

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Ja, ich könne die Damen im Keller halten und immer wieder zum Spielen herausholen. Ein verführerischer Gedanke.

      Und über diesen lustigen Zwitschervogel, über den sprechen wir auch noch mal.

      Löschen
  7. Falls dieser Zustand als Problem betrachtet wird, ist es ein Luxusproblem. Dann sollten Sie sich mal nicht so anstellen. :)

    Also reine Feststellung aber durchaus interessant. Insbesondere, dass sie sich die erwartete Ruhe weniger aufdringlich vorstellten. Ich haette bisher geschaetzt sie seien mit dem Haus-statt-Wohnung-Konzept vertraut gewesen.

    Schaetze aber das ist wirklich nur eine Sache der Gewohnheit. Veranstalten sie einfach ein paar Poker- und/oder Herrenabende, um den vielen Raum mit Sinn zu fuellen. :)

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Ja, ja, jetzt wollen Sie mir erzählen, dass meine Probleme Luxusprobleme sind... Haben Sie eine Ahnung. Mein Leben ist die Hölle.

      Aber ich muss Sie enttäuschen, mit dem Konzept war ich nicht vertraut. Vielleicht hätte ich mir das doch einmal genauer ansehen sollen.

      Beim Thema Herrenabende, habe ich schon so eine Idee.

      Löschen
  8. Herr Mim, da hilft nur eins:
    Heiraten und Kinder!
    Der Platz wird dann von Playmobil und Lego oder diversem Terrorspielzeug belegt und wenn es dann mal ruhig ist, dann schläft man im Stehen ein und hat nichts von der Ruhe. Eigentlich schrecklich, aber mir gefällt es ziemlich gut :)
    Wünsche Ihnen einen schönen Cuba Libre Tag!

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Eine ziemliche Scheißidee. Mein Leben ist im Büro schon schlimm genug. Warum sollte ich mir das Leben zu Hause noch zur Hölle machen.

      Löschen
  9. Meine Vorkommentatoren beschränken sich in der Regel auf die Nutzung des überdimensionalen Wohnzimmers, es gibt allerdings auch das Problem der Reinigung.

    Herr MiM, Sie benötigen dringend eine südosteuropäische Reinigungskraft! Also, werben Sie sie ab! Dieser kleine Ratschlag ergeht natürlich völlig uneigennützig....

    Happy Cuba-Libre-Day

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Herr Borusse, es gibt bereits eine Projektgruppe, ausschließlich Männer, die sich mit der Planung und Verwendung des zweiten Stocks beschäftigt. Die Ideen gehen von einer Lounge, über eine Pornocasting Studio bis hin zu einem Irish Pub.

      Löschen
    2. Also, der Gedanke, in einer gemütlichen Lounge mit einem Guinness in der Hand den pornografischen Nachwuchs zu casten, hat was.
      Sehen Sie dieses Posting bitte als Bewerbung für die Jury an. :-)

      Löschen
  10. Irgendwie wartet man doch immer auf irgendwas...oder nicht? :)

    Alles Liebe
    Frau nima

    AntwortenLöschen

KOMMENTAR-ABGABE-GEBRAUCHSANWEISUNG DIE VORHER ZU LESEN IST

Verehrter Leser, verehrte Leserin,

plumpes Duzen ist in diesem Blog verpönt. Duzen dürfen Sie mich, wenn Sie mit mir bereits einmal betrunken die Kellertreppe herunter gefallen sind. Wenn Sie mich nicht Siezen wollen, dürfen Sie mich auch mit "Eure Großartigkeit" und/oder "Oh Unglaublicher" ansprechen.

Ihre Kommentare müssen NICHT meine Meinung widerspiegeln und dürfen auch gerne kritisch sein... an der Sache, an meiner Person.

Habe ich das gesagt? Vergessen Sie es. Ich will schöne Kommentare. Sagen Sie mir wie toll ich bin, feiern Sie mich und schmieren Sie mir Honig ums Maul.

Jegliche Kommentare die mir nicht gefallen oder mich nicht als grandiose und tolle Person darstehen lassen, lösche ich sofort.

Für die restlichen Kommentare gibt es keine genauen Regeln. Ich bin da sehr willkürlich und die Veröffentlichung kann stark von meiner persönlichen Tageslaune abhängen. Und die ist meistens ziemlich mies.

Anonyme Kommentare, außer der mir bekannten üblichen Verdächtigen werden nicht veröffentlicht.

Und wenn Sie mir etwas mitteilen wollen, dann schreiben Sie mir eine Email. Die Kommentarfunktion dient nicht als Kanal für konspirative Mitteilungen.

Ach, Sie finden hier keine Email? Das könnte dann daran liegen, dass ich an einem Kontakt mit Ihnen kein Interesse habe.

Auch ist die Kommentarfunktion auch nicht dazu gedacht einer Ihrer wirren Ideen und/ oder Meinungen eine Plattform zu bieten. Dafür empfehle ich das Schreiben eines eigenen Blogs und diesen in einen Webkatalog für Verschwörungstheorien einzutragen.

Weiterhin dient dieser Blog nicht dazu um persönliche Kontakte zu generieren, Freundschaften zu schließen oder Bekanntschatften mit Frauen aufzubauen. Ich mag andere Menschen nicht sonderlich und ich habe keine Zeit und Lust auf zeit- sowie energieraubende Balzrituale. Dieser Blog dient ausschließlich mir selbst zu zeigen, wie toll ich bin und Sie sowie den Rest der Menschheit als unwürdig dastehen zu lassen.

Ich versuche hier keinen Beliebtheitswettbewerb zu gewinnen.

Gleichzeitig stimmen Sie mit der Abgabe Ihres Kommentars, im Fall meiner Übernahme der Weltherrschaft, der Abschaffung des Frauenwahlrechts, der Einführung eines 24 stündigen frei zugänglichen Amateurpornokanals, der öffentlichen Auspeitschung von Mit-150km-auf-der-linken-Spur-Fahrer und der Einführung des Freitags als offiziellen Cuba Libre Tags zu.