Mittwoch, 16. Oktober 2013

Tales from Suburbia

Mein Nachbar heißt mich in Suburbia willkommen. Wir tauschen ein paar Höflichkeitsfloskeln aus. Er ist alt und sieht sehr krank aus. Krankheitsbedingter körperlicher Verfall. Er ist sportlich, leger und teuer gekleidet. Promovierter Irgendwas. Auf dem Kopf trägt er ein Baseballcap. Das Sprechen strengt ihn an.

- "Und was ist dem Haus?", frage ich und zeige auf das Haus neben meinem Grundstück.

- "Ach... der... der wird nicht wieder kommen", sagt mein Nachbar. Die Stimme klingt schwach und kraftlos. "Das muss ihnen meine Frau einmal erzählen", sagt er. Er deutet auf seinen Hals. "Ich kann nicht so lange sprechen."

Ich nicke. Er trottet weiter, sehr langsam, die Straße entlang. Später erfahre ich, dass er einen Tumor im Kopf hat.

Die Gerüchte in Suburbia sind schnell. Man sagte, in dem Haus würde ein Paar wohnen. Er, ein Arzt. Sie Alkoholikerin. Irgendwann hätte sie wohl einen Anfall bekommen, wäre in der Garten gelaufen, hätte gebrüllt und geschrien. Dann wäre sie umgefallen und im Garten regungslos liegen geblieben. Polizei. Krankenwagen. Einweisung in ein Krankenhaus oder in eine Klapse. Anschließend wäre sie bei ihrer Schwester untergekommen, munkelt man.

Menschliche Dramen in der besseren Mittelschicht.

Den ganzen Tag und in der Nacht brennt das Licht vor der Eingangstür vor dem Nachbarhaus. Man sieht niemanden. Es wirkt fast ein wenig gespenstisch. Durch das Fenster sieht man Kartons. Die Fenster im ersten und zweiten Stock sind verdunkelt. Auf dem Küchentisch steht seit ein paar Tagen eine Kaffeetasse. Ich bin in meinem Leben zu vielen Verrückten begegnet, als dass ich mir wirklich Gedanken machen würde.

Am nächsten Tag klingelt es an der Tür. Hinter dem Glas sehe ich einen Mann. Ende vierzig, Anfang fünfzig. Graue Haare mit noch etwas Schwarz drin. Sportschuhe. Ich öffne die Tür. Er stellt sich als mein Nachbar vor. Nennt seinen Namen, den ich 2 Sekunden später schon wieder vergessen habe.

- "Könnte etwas enger auf der Straße heute werden. Meine Frau zieht heute aus. Nur damit sie Bescheid wissen"

- "Passt schon", antworte ich.

Er nickt nur und geht mit schnellen Schritten die in Richtung seines Hauses.

2 Stunden später sitze ich in meinem Garten. Vom Nachbargrundstück dringt Geschrei zu mir rüber. Ich kann durch meinen Wand von grünen Sträuchern und Büschen nichts erkennen. Eine Frau geifert. Die Stimme beschimpft den Mann der vor kurzem noch vor meiner Tür stand. 5 Minuten Gebrüll und wüste Beschimpfungen. Dann Ruhe.

Am Abend sind die Kartons im Nachbarhaus nicht mehr zu sehen.

Kommentare:

  1. Hallo Herr MiM, ich kenne Großstadt und Land und weiß bis heute nicht wo es mir besser gefällt. Beides hat " Was". Schöne Grüße in den Abend von Frau A.

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Persönlich gesehen hat mir die Stadt immer besser gefallen, Frau A.

      Löschen
  2. Antworten
    1. Frau Waldkind, wie kommen Sie darauf, dass ich an einem Buch schreiben könnte?

      Löschen
    2. das las sich so, lieber herr mim.
      aber tatsächlich wohnen sie "so"??!!!
      dann gehört es sich ja aber auch, dass ich ihnen zum neuen heim gratuliere, zur nachbarschaft gratulieren kann ich mir dann ja schenken.
      viele grüße aus dem zugigen norden.

      Löschen
    3. Ja, in der Tat, so wohne ich jetzt... und nein, ich schreibe kein Buch, auch wenn mir dies bereits von einigen Seiten angeraten wurde.

      Löschen
  3. So lieber Herr MiM, jetzt brauchen Sie mir nur noch erzählen, daß Sie zumindest ein ganz klein wenig Ähnlichkeit mit James Stewart, sowie ein Teleskop und ein Gipsbein haben... (Nein, das mit dem Gipsbein vergessen wir natürlich ganz schnell wieder) und schon werfe ich mich in mein schönstes Grace Kelly-Kleid und eile zu Ihnen, um Sie bei der Verbrechensaufklärung zu unterstützen...
    Liebe Grüße von Felina, die sich gerade stark an einen ihrer Lieblingsfilme erinnert fühlt.

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Uuuhhhhh.... Verbrecherjagd... Frau Felina, das klingt mal richtig gut.

      Löschen
  4. das geifern ist dann ja wohl Geschichte.

    AntwortenLöschen
  5. Ja die lieben Nachbarn. Menschliche Dramen keine 5 m weit weg. Erst letzte Woche wurde hier abends nebenan von der Feuerwehr in Tateinheit mit Polizei und Sanitätern die Wohnungstür eines ältern (Ü70) Nachbarn aufgebrochen, er war seit dem Vortag nicht mehr gesehen worden. War in diesem Fall gut, dass eine andere Nachbarin sich immer in alles einmischt und alle(s) überwacht. Er lag hilflos in der Küche. Nach einer kurzen Behandlung war er wohl leidlich ok, aber die Schnapsbuddel neben ihm sprach Bände...

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Ja, Frau Kira, ich kenne ähnliches. Liegt aber bereits zwanzig Jahre zurück. In einer anderen Stadt. Da brach man auch die Tür auf. Aber 6 Monate zu spät. Üble Geschichte. Und der Kerl wurde von niemanden vermisst.

      Löschen
  6. Die soziale Kontrolle ist in reizarmen Umgebungen natürlich größer, dessen muss man sich bewußt sein. Jede Abweichung von der gewohnten Norm wird registriert, man hat ein Auge auf sein Eigentum und das des Nachbarn.

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Soziale Kontrolle ist das Zauberwort, Frau Violet. Das wird noch richtig spaßig werden.

      Löschen
  7. Machen Sie mal eine Einweihungsparty und laden die gesamte Nachbarschaft ein. Dann werden Sie sich des kompletten Ausmaßes bewusst, wohin Sie gezogen sind! Und bitte ordentlich Alkohol fließen lassen, dann macht es erst richtig Spaß!
    Lg Frau Eva-Maria

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Mit Sicherheit werde ich NIEMANDEN aus der Nachbarschaft einladen, Frau Eva-Maria. Alles was ich will ist meine Ruhe und so wenig Kontakt wie möglich mich anderen Menschen.

      Löschen
  8. Sind Sie in die Wisteria Lane gezogen, Herr MiM?! Ich bin ja schon gespannt, wann die ersten Desperate Housewives bei Ihnen vorstellig werden...

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Frau B, an der Stelle kommt eine massive Bildungslücke meiner Seits zum Vorschein, da ich die Sendung, deren Inhalt und Themen nicht kenne.

      Löschen
    2. Da fehlt Ihnen dann etwas, wenn Sie DIE Sendung nicht kennen... Beobachten Sie einfach Ihre Straße, dann holen Sie das in kürze nach ;) haben Sie ein erfolgreiches Wochenende, werter Herr MiM!

      Löschen
    3. Dann lasse ich mich mal überraschen.

      Löschen
  9. Da sind wir in unserer Neubausiedlung ja direkt in eine langweilige Gegend gezogen. Alles junge, glückliche Familien/Paare. Ich bin gespannt, wann da das erste Drama auftaucht.

    (Arzt und Alkoholiker...Das erinnert mich an eine Story, aber die muss ich Ihnen ein andermal erzählen...)

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Frau Chiefjudy, auf die Geschichte bin ich wirklich gespannt.

      Löschen

KOMMENTAR-ABGABE-GEBRAUCHSANWEISUNG DIE VORHER ZU LESEN IST

Verehrter Leser, verehrte Leserin,

plumpes Duzen ist in diesem Blog verpönt. Duzen dürfen Sie mich, wenn Sie mit mir bereits einmal betrunken die Kellertreppe herunter gefallen sind. Wenn Sie mich nicht Siezen wollen, dürfen Sie mich auch mit "Eure Großartigkeit" und/oder "Oh Unglaublicher" ansprechen.

Ihre Kommentare müssen NICHT meine Meinung widerspiegeln und dürfen auch gerne kritisch sein... an der Sache, an meiner Person.

Habe ich das gesagt? Vergessen Sie es. Ich will schöne Kommentare. Sagen Sie mir wie toll ich bin, feiern Sie mich und schmieren Sie mir Honig ums Maul.

Jegliche Kommentare die mir nicht gefallen oder mich nicht als grandiose und tolle Person darstehen lassen, lösche ich sofort.

Für die restlichen Kommentare gibt es keine genauen Regeln. Ich bin da sehr willkürlich und die Veröffentlichung kann stark von meiner persönlichen Tageslaune abhängen. Und die ist meistens ziemlich mies.

Anonyme Kommentare, außer der mir bekannten üblichen Verdächtigen werden nicht veröffentlicht.

Und wenn Sie mir etwas mitteilen wollen, dann schreiben Sie mir eine Email. Die Kommentarfunktion dient nicht als Kanal für konspirative Mitteilungen.

Ach, Sie finden hier keine Email? Das könnte dann daran liegen, dass ich an einem Kontakt mit Ihnen kein Interesse habe.

Auch ist die Kommentarfunktion auch nicht dazu gedacht einer Ihrer wirren Ideen und/ oder Meinungen eine Plattform zu bieten. Dafür empfehle ich das Schreiben eines eigenen Blogs und diesen in einen Webkatalog für Verschwörungstheorien einzutragen.

Weiterhin dient dieser Blog nicht dazu um persönliche Kontakte zu generieren, Freundschaften zu schließen oder Bekanntschatften mit Frauen aufzubauen. Ich mag andere Menschen nicht sonderlich und ich habe keine Zeit und Lust auf zeit- sowie energieraubende Balzrituale. Dieser Blog dient ausschließlich mir selbst zu zeigen, wie toll ich bin und Sie sowie den Rest der Menschheit als unwürdig dastehen zu lassen.

Ich versuche hier keinen Beliebtheitswettbewerb zu gewinnen.

Gleichzeitig stimmen Sie mit der Abgabe Ihres Kommentars, im Fall meiner Übernahme der Weltherrschaft, der Abschaffung des Frauenwahlrechts, der Einführung eines 24 stündigen frei zugänglichen Amateurpornokanals, der öffentlichen Auspeitschung von Mit-150km-auf-der-linken-Spur-Fahrer und der Einführung des Freitags als offiziellen Cuba Libre Tags zu.