Montag, 21. Januar 2013

39, weiblich, ledig, sucht

Wenn man nach 5 Jahren wieder an einen Ort zurückkehrt und jemanden besucht, dann fällt einem ganz schnell wieder ein, warum man die Abstände der gegenseitigen Besuche über die Jahre größer hat werden lassen.

Wenn Frauen schon früher nicht wirklich zu den Hübschesten gehörten, dann wird es kurz vor 40 auch nicht besser. Es hat einen Grund, warum die Geschichte vom hässlichen Entlein, das sich am Ende in einen Schwan verwandelt in einem Märchenbuch steht. Es kommt der Tag, an dem ein kurzer Rock und schwarze Stiefel nicht mehr von der Realität ablenken können.

Irgendwann einmal, vor langer Zeit, hatten wir uns gut verstanden und waren einmal gute Freunde. Konnten gut miteinander reden. Ich weiß nicht mehr genau was uns verbunden hat, aber da war mal was. Aber was?

Sie serviert einen Rotwein. Er wäre gut, sagt sie. Ihr Lieblingsrotwein. Sie stellt mir ein Glas hin und hält mir die Flasche unter die Nase. Ein Schnäppchen, sagt sie, ergattert für 1,99 EUR. Ich nehme einen Schluck und bin überrascht, was nicht so alles Wein genannt werden darf. Ich erwische mich, wie ich den Wein in einer Teilkostenrechnung zerlege. Ich rechne Flasche, Transport von Kalifornien nach Deutschland, den Plastikkorken und den Einzelhandelszuschlag heraus und frage mich, was letztlich beim Winzer hängen geblieben ist und ob es wirklich Menschen gibt, die annehmen, dass man für einen solchen Preis ein halbwegs vernünftiges Produkt zu bekommen. “Erlaubt ist was einem schmeckt”, antworte ich und proste zu.

Ich bemühe mich, mich anständig korrekt zu benehmen. Nicht arrogant oder überheblich zu wirken, ist für mich wie ein Spaziergang durch ein Mienenfeld. Ich ziehe alle Register. Ich höre aufmerksam zu, nicke freundlich, gebe mich interessiert, stelle Rückfragen, tue alles was ich den Kommunikationsseminaren gelernt habe.

Sie beginnt damit unterschwellige Andeutungen zu machen. Genau wie damals vor 5 Jahren. Und genau wie damals gehe ich nicht darauf ein. Ich versuche mich mit perfektionierter männlicher Dummheit aus der Affäre zu stehlen. “Ich habe meinen Geschlechtstrieb eingestellt”, sage ich. “Ich bin zu der Überzeugung gelangt, dass das Trinken mehr Spaß macht. Rum, Limetten und Cola. Mehr brauch ein Mann nicht.” Mich trifft ein Blick, der mir sagt, dass sie sich nicht sicher ist, ob sie es für einen Scherz halten und als bare Münze nehmen soll.

Nach dem klar ist, dass ich auf das Angebot nicht einsteige, erzählt sie mir, wie viele Kerle sie an der Angel hat, die sie anrufen kann um Spaß zu haben. Rekrutiert vor einer örtlichen Dating Plattform. Sie kommen vorbei, sie wird gefickt, dann gehen sie wieder. Keiner bleibt. Am Ende sagt sie, wie sehr sie sich doch eigentlich eine richtige Partnerschaft wünschen würde.

Ich schaue in mich und denke, dass mir sofort mehrere Gründe einfallen würden, warum die Dinge so sind, wie sie sind.

Sie erzählt, dass sie sich ein Buch über Katzenpsychologie gekauft hat und doziert daraus. Ich schaue auf die beiden Katzen die durch die Wohnung laufen. Das Ergebnis, wenn der unerfüllte Partner- und Kinderwunsch sich in der Haustierhaltung niederschlägt.

Warum ich mir ein Hotelzimmer genommen habe, ich könnte doch auch hier schlafen. Ich weiß genau, warum ich mir ein Hotelzimmer genommen habe.

Manche Dinge ändern sich nie. Im Gegenteil, sie werden mit zunehmenden Alter noch schlimmer.

Kommentare:

  1. "Rum, Limetten und Cola. Mehr braucht ein Mann nicht."
    Und das erfahre ich erst jetzt?

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    1. Sie müssen hier nur öfters vorbei kommen. Ich habe noch mehr solche Geheimnisse über Männer auf Lager.

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  2. Stimmt genau, schlimmer und wie ich finde sehr traurig!

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    1. Ich stimme Ihnen zu, im Grunde eigentlich wirklich traurig.

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  3. Bei so enem Erlebnis frage ich mich manchmal ob andere in dem Moment von mir das gleiche denken so a la: "Die macht auch immer noch die gleichen Fehler und wünscht sich Sachen wobei offen auf der Hand liegt warum sie sie nicht bekommt... und alt und hässlich ist sie auch geworden." Ich hoffe nicht und glaube das ich mich ein bischen besser selbst durchschaue. Aber wer weiss... Uups.... zuviel Philosophie im Tee heute morgen...

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    1. Wissen Sie, im Grunde genommen macht Sie ja keine Fehler. Die Handlungen sind lediglich nur für die falsche Sorte von Männer ausgelegt.

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  4. 1,99 mich schockt der preis... und das er als gut ausgegeben wird... eigentlich sollte man solchen alkohol verbieten.
    Naja manche männer oder frauen auch. Gut das Sie ein Hotelzimmer genommen haben.

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    1. Ja, das mit dem Hotelzimmer war die beste Idee.

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  5. ich weiß nicht mehr,was uns mal verbunden hat. ein satz, der sich bei mir eingebrannt hat. - woran liegt es, sind es die hormone,das leben? nutzt mit dem alter die gefühlswelt ab,dass mann-frau so stumpf gegen andere wird???? setzt eine leichte demenz ein als eine art selbstschutz vor sogenannten fehltritten?
    Ach und noch ein wort zu ihrem sechsten absatz ,hatten sie keine angst,das die dame den auslöser für den schleudersitz drückt??;-)
    gruß von frau S

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    1. Was hätte passieren können? Mich hinauswerfen... ich habe ein Telefon mit einer Menge an Telefonnummern. Glauben Sie mir, ich hätte anderweitig Ablenkung gefunden :-)

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    2. ja das glaub ich ihnen.....im geiste sehe ich sie an der strasse auf ein taxi wartend stehen,rechte hand cola,linke hand havana club und die manteltasche voller limetten........:-)

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