Dienstag, 31. März 2015

Tea or Coffee

Wenn man sich auf einmal zum Arbeiten in Britannien wiederfindet, wird man sehr schnell feststellen, das einige Dinge anders laufen.

Ich bin hier zum ersten Mal in meinem Leben auf eine betriebliche Kaffeeküche gestoßen, die über keine Kaffeemaschine verfügt. In Deutschland undenkbar. Kein Kaffee. So etwas könnte der Auslöser für eine Revolte sein, bei der jeder Richter vor einem Arbeitsgericht in Deutschland sofort Verständnis zeigen würde.

Es gibt Tee. Schwarzen Tee, etwas zum Süßen und Milch. Kaffee? Nur in löslicher Form. Weit und breit keine Kaffeemaschine. Nicht das es schlecht wäre, es ist einfach nur ungewohnt. Bei meiner Ankunft bot man mir Kaffee an, sagte aber gleich, dass Tee doch die bessere und schmackhaftere Variante wäre. Ich muss auch zugeben, dass ich mich an den löslichen Kaffee noch nicht heran getraut habe und das wahrscheinlich auch nicht tun werde.

Das ist so eine britische Eigenart, die ich irgendwie mag. Sie ist mir symphatisch, wenn ich auch meine Kaffeespezialitäten aus Deutschland gerade etwas vermisse.

Montag, 30. März 2015

Herr MiM bei den Briten (4)

Nach diesem ganzen Hin und Her am Tag meines Abflugs war ich vollkommen durch den Wind. So durch den Wind, dass ich es sogar schaffte, mich auf einem vollkommen falschen Platz zu setzen. Ich hatte meine Sachen verstaut und mich neben einer dunkel Haarigen niedergelassen, die in einem hübschen Businessdress verpackt war. Das ich auf einem verkehrten Platz saß, merkte ich erst, als mich jemand ansprach, was ich auf seinem Platz machen würde und ob er irgendetwas nicht mitkommen hätte. Ich entschuldigte mich, wollte aufstehen, aber er winkte ab. Er nahm 2 Reihen hinter mir auf den leeren Plätzen platz.

Der Start verlief holperig. Die Maschine wackelte ordentlich als sie sich in die Lüfte erhob.

Der Businesshase neben mir, entledigte sich seiner Jacke. Ich nahm diese entgegen und bot mich, diese im Gepäckfach zu verstehen. Wir kamen ins Gespräch.

Der junge und wirklich gutaussehende Businesshase kam aus ursprünglich aus Marokka, stellte sich während des Gespräches heraus und war gerade dabei, in leitender Funktion, einige Kundenbesuche in UK vornzunehmen. Die Stewardessen kamen vorbei, fragten nach Wünschen und der Hase bestellte einen Orangensaft und eine dieser kleinen Tüten Chips. Eine kleine grüne Tüte mit Essigchips. Diese Woche wäre in UK, die nächste in Spanien. Sie bot mir ein paar Chips an, die ich dankend ablehnte.

Das dauerte eine viertel Stunde und verlief dann im Sand. Sie zog ein Buch aus ihrer Tasche und begann zu lesen. ´50 Shades of grey´. Ich schaute aus dem Augenwinkeln herüber und musste schmunzeln.

- "Kennen Sie das Buch?", fragte sie mich.

- "Nein. Auch den Film nicht. Grob das Thema, aber ich habe es nicht weiter verfolgt", gab ich zurück und erinnerte mich dass es vom Feuilleton der Zeit und der FAZ zerrissen würde. Damit hatte sich das Thema für mich.

- "Ich habe auch davon gehört", sagte sie und gab sich ein wenig verlegen. "Also, wissen Sie... es geht mir ja gar nicht um den Akt als solches oder dass es mir gefallen würde, aber alle reden darüber und ich dachte, dann kaufe ich das mal."

- "Das ist doch in Ordnung", sagte ich und lächelte. Das sind sie, die weiblichen Führungskräfte, die auf den Geschäftsreisen statt Powerpointfolien, zu trivialer erotischer Literatur greifen.

Ich schlief ein und wurde erst kurz vor der Landung wieder wach. Wir wechselten noch ein paar Worte und nachdem wir die Passkontrolle hinter uns gelassen hatten, verloren wir uns.

Ich griff zum Telefon und rief meinen Kontakt an, der mich vom Flughafen abholen sollte. Er hatte draußen geparkt und kam nun den Gang entlang um mich einzusammeln. Wir begrüßten uns, schüttelten uns die Hand und so sah der Finanz Chef der Auslandsgesellschaft also aus. Hoch gewachsen, freundlich, relativ klare Aussprache.

Tja, da war ich nun... das Abentuer konnte beginnen.

Sonntag, 29. März 2015

Samstagimpressionen

Samstagabend beim Italiener verbracht. Frische Artischocke. Wunderbar.

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Und die Kalbsleber mit Gemüse. Ein Traum. Und die Zabaione wie immer hangeschlagen. Wirklich gut… richtig gut.

Frauen & Cocktails

Mit Frauen ist es wie mit den billigen Cocktails aus der Systemgastronomie.

Man weiß, man bekommt Massenware, die in der Werbung als Qualitätsprodukt angepriesen wird, und Kopfschmerzen, wenn man sich im Rahmen einer temporär verringerten Impulskontrolle, darauf einlässt.

Wirklich brauchen, tut das niemand…

Samstag, 28. März 2015

Britische Impressionen

Im Grunde kann ich mich nicht über meine Unterbringung beschweren. Man kann wesentlich schlechter leben.

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Aus rein ernährungstechnischen Gründe habe ich mich entschlossen morgens auf das Full British Breakfast zu verzichten. Eigentlich bin ich davon wirklich ein Fan, aber so fettig wie sie es hier machen, ist es dann selbst mir ein wenig zu viel.

Dafür habe ich zum ersten Mal Porridge gegessen. Sehen Sie auf das erste Bild links unten. Sehr unscheinbar. Hafergrütze mit warmer Milch. Klingt schlimmer als es ist, schmeckt überraschend gut und sättig ungemein.

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Ansonsten macht man nach Feierabend das, was man auf Geschäftsreisen so tut. Man geht essen und treibt die Spesenabrechnung in die Höhe. Wo bei man das auch nur ein oder zweimal tut, weil es sehr schnell langweilig wird.

Was sie auf jeden Fall können sind Burger und Steaks. Wirklich klasse. Kann man sich nicht beschweren.

Und ob mir das einer glaubt oder nicht. Obwohl ich jeden Abend in diesem Restaurant sitze und mir etwas zu essen bestelle, und Sie wissen, ich esse wirklich gerne, purzeln die Pfunde. Unglaublich.

Tool Time

Das erste von zwei Nebenzielen ist erreicht.

Den Standard 2005 wieder hergestellt. Ich gebe es zu, ich bin ein wenig selbstzufrieden.

Freitag, 27. März 2015

Herr MiM bei den Briten (3)

Am Abend vorher packte ich meine Sachen. Ich schaute dreimal nach ob die Unterhosen reichen würden und alle verschiedenen Ladekabel im Koffer lagen. Eigentlich braucht man einen komplett eigenen Koffer alleine für die Stromkabel, für die elektronischen Geräte, die man im Gepäck mitschleppt. Zumindest schaffte ich es früh ins Bett und schlief auch schnell ein. Den Wecker hatte ich auf 4:30 Uhr gestellt.

Es kam, wie es kommen musste. Ich war dermaßen aufgeregt, dass ich um vier Uhr wach im Bett lag und an die Decke schaute. Ich konnte nicht mehr schlafen. Raus aus dem Bett, unter die Dusche und rein in den Anzug. Noch einen Imbiss, einen kleinen Kaffee und auf zum Flughafen. Es ging alles schneller als gedacht. Vom Betreten des Flughafens, über die Aufgabe des Koffers, Personenkontrolle, bis zum Gate dauerte es keine 15 Minuten. Gut, kurz nach fünf Uhr läuft einem ,außer einem zu früh aufgestanden Businesskasper, auch niemand am Flughaben über den Weg. Ich beschloß die Spesenabrechnung etwas in die Höhe zu treiben und besorgte mir ein kleines zweites Frühstück.

Als das Boarding eingeleitet wurde, war meine Welt noch in Ordnung. Das änderte sich schlagartig, als man die Horde Geschäftsreisender mit einem kleinen Bus zum Flugzeug auf das Flugfeld brachte. Am Flieger angekommen, ließ man uns warten. 5 Minuten. 10 Minuten. 15 Minuten. Vom Kapitän und einer Crew keine Spur. Der Fahrer stieg aus und diskutierte mit einem wichtig aussehenden Typen, der eine Checkliste in der Hand hielt. Beide kamen zurück zum Bus und der wichtig aussehende Typ machte eine Ansage. Aufgrund technischer Probleme brächte man uns zurück zum Terminal. Der Abflug würde sich wohl um ca. 2 bis 3 Stunden verschieben. Wenn man um 4 Uhr morgens aufgestanden ist, findet man das nicht witzig. Im Terminal angekommen, buchte um, wer umbuchen konnte und eine größere Traube von Anzugträgern löste sich auf und verteilte sich auf die umliegenden Cafés.

Ich informierte meinen britischen Kollegen und teilte ihm mit, dass es Probleme gäbe und er gar nicht erst zum Flaghafen fahren müsste um mich einzusammeln. Ich würde irgendwann später kommen. Er teilte mir mit, ich sollte mir keine Gedanken machen und entspannt bleiben. Die Briten sind ja immer sehr entspannt.

Während ich am Gate saß und den Akku an meinem Mobilphone leer spielte, wurde das Gate langsam von einer wachsenden Ansammlung von älteren Senior-Pauschaltouristen übernommen, die auf dem Weg nach Antalya waren und einen dieser Super-Günstig-Billigurlaube mitzunehmen, mit denen man sich als Rentner die Zeit tot schlägt. Hilde, in ihrer Viscose Bluse mit einem wirklich fiesen floralen Muster stimmte eine Diskussion über die Pauschalurlaubsorte dieser Welt ein. Dabei fuchtelte sie mit ihren goldberingten Händen wild gestukulierend in der Luft.

Dann kam die Nachricht, die niemand hören wollte. Der Flieger, der am Morgen nach Great Britain abfliegen sollte, war gecancelt worden. Einen Raunen ging durch die Menge. Aber man hatte eine Lösung parat. Man wurde alle Passagiere von Düsseldorf nach Köln bringen. Dort ginge in in 2 Stunden eine Maschine in Richtung UK.

Es folgte eine Fußmarsch und eine halbe Odyssee durch das Terminal, weil die Verbliebenden nun wieder ihr Gepäck einsammeln mussten. Nach einer halben Stunde hatten wir dann auch unsere Koffer. Noch 100 Minuten und niemand saß bisher in einem Auto auf dem Weg nach Köln.

Wir erreichten den Flughafen in Köln 10 Minuten bevor das Boarding beginnen sollte, wo allerdings niemand uns einchecken konnte, weil die Bestästigungsliste des Düsseldorfers Flughafens über die umgebuchten Personen, sich in den Händen irgendeines Taxifahres befand, der sich nicht so genau sicher war, wo er die im Flughafen abzugeben hatte.

Als das Boarding begann, bekamen wir auch endlich unsere Boardingcards. Irgendwie löste sich das Puzzle auf. Raus auf das Flugfeld und rein in den Flieger. Der erste Teil der Reise war geschafft, wenn auch wenig holperig.